PresseBox
Pressemitteilung BoxID: 598630 (Thüringer Landesbeauftragter für den Datenschutz)
  • Thüringer Landesbeauftragter für den Datenschutz
  • Johann-Sebastian-Bach-Str. 1
  • 99096 Erfurt
  • http://www.tlfdi.de
  • Ansprechpartner
  • Lutz Hasse
  • +49 (361) 3771-901

Gefällt Dir mein Spiel?

(PresseBox) (Erfurt, ) .
Sie weiß, was Du spielst, wo Du surfst, mit wem Du gerade in skype Kontakt hast, welchen Film Du siehst, welches Video Dir gefällt.
Sie reagiert auf Deine Stimme, sieht Deine Gesten und kann Deinen Herzschlag hören!!!
Sie erkennt, wenn Du Dein Gewicht von einem Fuß auf den anderen verlagerst und kann auf die kleinsten Bewegungen des Handgelenkes reagieren.
Sie sieht Dich auch, wenn Du glaubst, sie schläft.
Du hast eine Beziehung mit ihr. Du bist nicht mehr allein. Sie ist Deine Nummer Eins.

Die Rede ist allerdings nicht von Deiner Traum-Frau, sondern von der Microsoft angekündigten Xbox One.
Microsoft selbst verspricht den Käufern der Xbox One eine wahre Beziehung zu dem Gerät und eine Steuerung durch wahre Emotionen.
Doch wer steuert eigentlich wen? Microsoft selbst sagt "Wir haben nun die menschliche Kontrolle für ein menschliches Erlebnis".
Aber will das tatsächlich jeder, in dieser Intensität und für immer?
Um der jeweiligen Person z. B. das am Vortag Erlebte wieder anzuzeigen und ähnliche Produkte wie Filme und Spiele anzubieten, werden Unmengen von Daten pro Nutzer gespeichert - wo auch immer. In Verbindung mit dem für die Spiele notwendigen Microsoft Account können die gesammelten Daten auch konkreten Personen zugeordnet und umfangreiche Persönlichkeitsprofile gebildet werden. Dies wird Begehrlichkeiten wecken, nicht nur für die Film- und Werbungsindustrie. Auch die Konsole selbst könnte, da sie quasi die Tür zum Wohnzimmer oder Kinderzimmer darstellt, ein begehrtes Zielobjekt für Cyberkriminelle und Sicherheitsbehörden werden.

Aus datenschutzrechtlicher Sicht bedarf es hinsichtlich der Nutzung der Xbox One von Microsoft noch umfassender Informationen, bspw. wann welche Dienste eine Internetverbindung aufbauen, welche Daten nur auf der Konsole gespeichert werden, welche Daten wann und wie an Microsoft und weitere Dienstanbieter übermittelt werden und wie bspw. der Nutzer seine Daten auf den 300.000 Servern, die Microsoft dafür bereitstellen will, löschen kann.

Interessant wird auch sein, ob und wie Microsoft, dass unbemerkte Einschalten der Kamera und des Mikrofons durch Cyberkriminelle verhindern können wird. Denn selbst wenn der Käufer die Vertragsbedingungen und technischen Anleitungen gelesen hat, muss er Microsoft vertrauen. Da nützt es auch nur bedingt etwas, wenn er das Gerät - wie bei der Webcam - nach Gebrauch vom Netz nimmt.

Der TLfDI erwartet, dass hier seitens Microsoft eine umfassende Aufklärung des Käufers erfolgt.

Die Datenschutzbeauftragten jedenfalls sind alarmiert.

Weitere Informationen finden Sie z. B. unter:

http://www.stern.de/digital/spiele/xbox-one-und-kinect-microsofts-guckloch-ins-wohnzimmer-2014672.html
http://www.spiegel.de/netzwelt/games/microsoft-konsole-xbox-one-kinect-kamera-schafft-datenschutz-probleme-a-900397.html
http://www.computerbild.de/artikel/cbs-News-Hardware-Xbox-One-7753883.html