Medien und Meinungsmacht

Bern, (PresseBox) - Unabhängige Medien, die umfassend über das politische, wirtschaftliche und kulturelle Geschehen berichten und es nach Kriterien der journalistischen Relevanz gewichten und einordnen, leisten einen wichtigen Beitrag zur Meinungsbildung. Doch die Medienlandschaft befindet sich in einem tief greifenden Wandel – zu den Auslösern gehören die Digitalisierung und die Tatsache, dass zahlreiche Mediennutzerinnen und -nutzer sowie ein grosser Teil der Werbung ins Internet abgewandert sind. Dort übernehmen neue globale Plattformen – meist kostenlos – die Informationsvermittlung nach ihren eigenen Spielregeln. Die Folge ist ein Umbruch der traditionellen Medienstrukturen: Sparrunden, der Abbau publizistischer und personeller Ressourcen sowie eine wachsende Konzentration der Branche. Als plakatives Beispiel für die damit verbundene Verschiebung der Meinungsmacht von den traditionellen Leitmedien zu neuen Kanälen gelten die Präsidentschaftswahlen in den USA.

Für die Schweiz als direkte Demokratie ist es von höchster gesellschaftlicher Bedeutung, sich mit den Folgen dieser Entwicklung auseinanderzusetzen – dies die Prämisse der Studie, die TA-SWISS vorlegt. Sie untersucht, wie «alte» und «neue» Medien in der digitalisierten Medienlandschaft zusammenspielen, welche Bedeutung ihnen in der Vermittlung von Information zukommt und wie die Themenschwerpunkte, die sie setzen, mit der politischen Agenda und den Anliegen der Bevölkerung zusammenhängen. Sie analysiert, mit welchen Strategien, Geschäftsmodellen und Investitionen die Medienhäuser die Entwicklung zu meistern versuchen, wie Mediennutzungsformen sich verändern, welche Bedeutung Online-Wahlhilfen wie Smartvote in der politischen Meinungsbildung zukommt und wie insbesondere junge Leute sich heute informieren. Und schliesslich gibt sie Empfehlungen dazu, was zu tun wäre, damit in der Schweiz weiterhin ein unabhängiges und vielfältiges Medienangebot bestehen kann.

Die wichtigsten Resultate und Empfehlungen der TA-SWISS-Studie:


Demokratien sind auch im Zeitalter des Internets weiterhin auf die journalistischen Leistungen von Medienorganisationen angewiesen. Angesichts des Medienwandels ist ein «Infrastrukturprogramm für Journalismus» daher dringlich. Private Online- und Offline-Medien, die bereit sind, in ihre Redaktionen zu investieren, verdienen Unterstützung.



Festzuhalten ist zudem an einem unabhängigen Service-public-Anbieter. Um ein junges Publikum zu erreichen, soll dieser ohne Einschränkungen online tätig sein und innovative Video- wie auch Audioangebote produzieren und verbreiten dürfen. Im Gegenzug ist ein Verzicht auf Werbung und Sponsoring vertretbar.



Journalistische Medien müssen auf inhaltlicher und struktureller Ebene den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern verstärken.



Der Staat soll mit politischen Massnahmen dafür sorgen, dass allen Medienorganisationen ein diskriminierungsfreier Zugang zu den notwendigen Technologien gewährt wird. Hier fällt insbesondere der mit öffentlichen Geldern finanzierten SRG SSR eine wichtige Rolle als Kooperationspartnerin zu.



Bildungsinstitutionen und Service-public-Anbieter müssen sich dafür engagieren, die Medienkompetenz der gesamten Bevölkerung zu stärken. Bürgerinnen und Bürger müssen über die nötige Medienkompetenz verfügen, um die Qualität und den Wert journalistischer Angebote beurteilen zu können.



Medien und insbesondere «neue» Medien sollen sich einem Verhaltenskodex unterstellen, der die Vermischung von publizistischen und kommerziellen Interessen ausschliesst und eine transparente Offenlegung von finanziellen Interessen und Eigentumsverhältnissen gewährleistet. Transparenz ist insbesondere bei der Erhebung, Sammlung und Verwendung von Daten zu fordern. Erarbeitet wurde die Studie «Medien und Meinungsmacht» im Auftrag von TA-SWISS von einer Projektgruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Freiburg, Lausanne und Zürich unter der Leitung von Manuel Puppis und Michael Schenk. Das Bundesamt für Kommunikation BAKOM hat sich an der Finanzierung der Studie beteiligt und in der Begleitgruppe mitgewirkt.


Studie

Medien und Meinungsmacht. Manuel Puppis, Michael Schenk und Brigitte Hofstetter (Hrsg.) Herausgegeben von TASWISS, Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung, vdf Hochschulverlag an der ETH Zürich, 2017. Im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-7281-3792-0) sowie kostenlos zum Download als eBook unter: www.vdf.ethz.ch

Kurzfassung

Medien und Demokratie im Zeitalter der Digitalisierung.
TA-SWISS (Hrsg.), Bern 2017. Die wichtigsten Resultate und Empfehlungen in Kurzform.

Die Kurzfassung und weitere Informationen zum Projekt auf: www.ta-swiss.ch/projekte/informationsgesellschaft/medienundmeinungsmacht/

TA-SWISS Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung

Technologie gibt Impulse - wir betrachten die Folgen

Neue Technologien können die Lebensqualität entscheidend verbessern. Mitunter bergen sie aber auch neuartige Risiken, deren Folgen nicht immer auf Anhieb absehbar sind. Technikfolgenabschätzung (Technology Assessment) zeigt, auf der Basis des gegenwärtigen Wissens, «mögliche technologische Zukünfte» auf. Sie analysiert, stellt Folgenüberlegungen an und trägt damit zu transparenten Debatten über den Umgang unserer Gesellschaft mit neuen Technologien und reflektierten politischen Entscheidungen bei.

Im Auftrag des Parlaments untersucht TA-SWISS, die Schweizer Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung, die Chancen und Risiken technologischer Entwicklungen in den Bereichen «Biotechnologie und Medizin», «Informationsgesellschaft», «Nanotechnologien» sowie «Mobilität/Energie/Klima». Die Studien von TA-SWISS sollen möglichst sachliche, unabhängige und breit abgestützte Informationen zu Chancen und Risiken neuer Technologien vermitteln. Erarbeitet werden sie deshalb in Absprache mit themenspezifisch zusammengesetzten Expertengruppen. Daneben fördert TA-SWISS den Informations- und Meinungsaustausch zwischen Fachleuten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und der breiten Bevölkerung durch Mitwirkungsverfahren.

Die Stiftung TA-SWISS ist ein Kompetenzzentrum der Akademien der Wissenschaften Schweiz. Ihre Aufgabe ist im Bundesgesetz über die Forschung verankert.

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