Schirmchen kann Leben retten

Ein Implantat senkt Risiko für erneuten kryptogenen Schlaganfall

(PresseBox) ( Eschborn, )
Jeder vierte Mensch in Deutschland hat ein persistierendes Foramen ovale, kurz PFO. Damit stellt diese kleine Öffnung zwischen den Vorhöfen den häufigsten strukturellen Herzfehler in der Gesamtbevölkerung dar. Schon lange vermuten Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen PFO und kryptogenen Schlaganfällen. Denn nahezu die Hälfte aller Betroffenen, für deren Schlaganfall sich keine Ursache ausmachen lässt (sogenannter kryptogener Schlaganfall), besitzt diesen Defekt.

Für Patienten mit einem kryptogenen Schlaganfall und mit einem PFO zeigen die Ergebnisse der abgeschlossenen und von St. Jude Medical gesponserten RESPECT-Studie[1], dass der Verschluss des PFOs mit einem AMPLATZER™ PFO-Okkluder das Risiko für das Wiederauftreten eines Schlaganfalls von 46,6 bis hin zu 72,7 Prozent reduziert.

"Insbesondere für junge Menschen nach einem Schlaganfall oder Patienten mit einem Vorhofseptumaneurysma (ein Risikofaktor für weitere Schlaganfälle) ist diese Behandlung zu empfehlen. So bleibt ihnen eine dauerhafte Einnahme von starken Blutverdünnern erspart", weiß Prof. Dr. Jochen Wöhrle, Kardiologe und Leitender Oberarzt der Klinik für Innere Medizin II am Universitätsklinikum Ulm.

Blutgerinnsel abschirmen

Beim PFO-Okkluder handelt es sich um ein spezielles Implantat in Form eines Schirmchens, welches einen erneuten kryptogenen Schlaganfall verhindern kann. Das Implantat besteht aus zwei über einen kurzen Steg verbundene Scheiben aus Nitinol mit Polyesterüberzug und wird in das PFO gesetzt. "Dadurch verhindert es, dass Blutgerinnsel, welche häufig in den Bein- oder Beckenvenen entstehen, vom rechten in das linke Herz übertreten und bis hinauf in das Gehirn gelangen, wo sie einen Schlaganfall verursachen können", ergänzt Prof. Wöhrle.

Schnelle Rückkehr in den Alltag

Um das Implantat einzusetzen, erfolgt ein minimalinvasiver Eingriff. Dafür nimmt der behandelnde Kardiologe zunächst eine örtliche Betäubung vor. "Über die Vene in der Leiste führen wir dann einen Katheter zu der Stelle am Herzen. Im Anschluss kommt das Implantat zum Einsatz, welches über den Katheter direkt in das PFO geführt wird. Dort überprüfen wir die Position sorgfältig mit bildgebenden Verfahren, etwa dem Schluckecho, ehe wir den Okkluder freisetzen und er in den nächsten Wochen dort verwächst", erklärt Prof. Wöhrle. Einmal am Herzen platziert, verbleibt das Schirmchen ein Leben lang im Körper. Nach dem Eingriff können Patienten in der Regel innerhalb kurzer Zeit das Krankenhaus verlassen. "Eine gewisse Schonzeit sowie eine Kontrolluntersuchung sind wünschenswert. Normalerweise lassen sich aber auch anstrengende Tätigkeiten spätestens eine Woche nach dem Eingriff wieder aufnehmen", fügt Prof. Wöhrle hinzu. Die Kosten für das Verfahren tragen sowohl gesetzliche als auch private Krankenkassen.
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