Versicherer vernachlässigen Datenschutz im BI-System

(PresseBox) ( Hamburg, )
Gerade Versicherer speichern viele und sensible Informationen. Datenschutz und Sicherheit sind daher wichtige Voraussetzungen für IT-Systeme der Assekuranzen. Doch ausgerechnet dort weist die technische Umsetzung der Business Intelligence-(BI)-Lösungen noch große Lücken auf. Die technischen Datenschutzaspekte erreichen nur einen Reifegrad von 2,75 von möglichen fünf. Das sind Ergebnisse einer Umfrage zum Implementierungsgrad von BI-Systemen in der Assekuranz von Steria Mummert Consulting.

Bundesweit gingen innerhalb von 18 Monaten mehrere zehntausend sensible Datensätze aus deutschen Unternehmen durch Diebstahl, Hackerattacken oder Unachtsamkeit verloren. Auch große Versicherer gerieten mit Datenlecks in die Schlagzeilen. Trotzdem nehmen viele Versicherer das Thema scheinbar noch nicht ernst genug und begnügen sich mit IT-Sicherheitsstandards, welche lediglich Gesetzeskonformität zum Maßstab nehmen. "Bei fast 90 Prozent der von uns im Rahmen der biMA for Insurance 2012 befragten Unternehmen sind die Datenschutzregeln konform mit den rechtlichen Anforderungen. Doch der Schein trügt. Zwar werden Kundendaten nach außen hin vor Zugriffen geschützt, innerhalb des Unternehmens jedoch häufig nicht vorsichtig genug behandelt, sagt Mark Hertting, Versicherungsexperte von Steria Mummert Consulting.

Eine aktive Überwachung der Benutzerzugriffe auf besonders sensible Daten findet bei gerade einmal fünf Prozent der befragten Unternehmen statt. Fragwürdige Aktionen mit Auswirkungen auf den Datenschutz werden daher nicht aktiv gemeldet. Darüber hinaus werden bei 36 Prozent der Studienteilnehmer echte Daten von Nutzern in Entwicklungssystemen verwendet. Von der Möglichkeit synthetischer oder zumindest anonymisierter Daten wird lediglich selten bei 37 beziehungsweise 26 Prozent der Versicherer Gebrauch gemacht. Bei mehr als 90 Prozent der Befragten besitzen auch Entwickler einen Zugriff auf die Produktionssysteme und damit auch auf sensible Daten. Im Rahmen des Datenschutzes ist es in jedem Fall sinnvoll, die zu schützenden Daten voneinander zu unterscheiden und kunden-, mitarbeiter- und unternehmenskritische Daten logisch oder physikalisch voneinander zu trennen.

"Eine wesentliche Verantwortung zur organisatorischen Sicherstellung des Datenschutzes kommt dem Datenschutzbeauftragten zu. Dieser muss in der Lage sein, nicht nur den Status Quo zu wahren, sondern auch die Konsequenzen von Gesetzesänderungen für das Data-Warehouse (DWH) abzuschätzen. Er muss die betroffenen fachlich Verantwortlichen informieren und beraten. Der Datenschutzbeauftragte sollte wie ein Anforderungssteller im DWH agieren und dafür Sorge tragen, dass die von ihm zu verantwortenden Datenschutzbelange auch umgesetzt werden", sagt Mark Hertting von Steria Mummert Consulting.

Ein weiteres wichtiges Thema ist der Schutz wettbewerbsrelevanter Informationen. Denn selbst bei Einhaltung aller Datenschutzgesetze werden vor allem die personenbezogenen Daten der Versicherten geschützt. Die jedoch mindestens genauso kritischen Wissensdaten zu Produkten oder Strategien der Unternehmen werden nicht berücksichtigt. "Diese geschäftskritischen Datenvorräte müssten mit größerer Priorität geschützt werden, um eine ungewünschte Transparenz über Firmenstrategien zu vermeiden. Dem steht jedoch noch die meist fehlende Zuordnung zu Datenschutzklassen entgegen", sagt Mark Hertting.

Mobile BI-Lösungen sind in der Praxis zwar noch nicht oft umgesetzt - ihnen wird allerdings für die Zukunft eine hohe Relevanz beigemessen. "Spätestens mit der mobilen Nutzung über Smartphone und Tablet-PC werden weitere technische Sicherheitslösungen unumgänglich. Unternehmen sollten bereits jetzt in die Absicherung ihrer sensiblen Informationen investieren", sagt Mark Hertting von Steria Mummert Consulting

Hintergrund

Für die "BiMA for Insurance"-Studie befragte Steria Mummert Consulting zwei Dutzend Versicherungsunternehmen mit den Sparten Leben, Kranken und Schaden/Unfall. 60 Prozent der Unternehmen haben ein Prämienvolumen zwischen einer und fünf Milliarden Euro. Seit 2004 wird der Stand der Business Intelligence bei Versicherungen regelmäßig erhoben.
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