Ist die neue Qualitätsmanagementnorm (endlich) in der Informationsgesellschaft angekommen

ISO 9001:2015

Krefeld, (PresseBox) - „Informationen sind das Öl des 21. Jahrhunderts, ...“ – das Halbzitat von Peter Sondergaard, Senior Vice President des amerikanischen Marktforschers und IT-Analysten, Gartner Inc., stammt aus dem Jahr 2010 und war schon damals keine Prophezeiung mehr. Denn die Informationsgesellschaft ist nicht mehr nur in der Warteposition, sie ist bereits gestartet – wenn auch noch längst nicht alles und jeder an Bord ist.

Was ist überhaupt diese Informationsgesellschaft, in der wir uns bereits befinden, mal mehr, mal weniger merklich? Die Zuordnung treffen vor allem Soziologen für eine Gesellschaftsphase, in der Menschen mehrheitlich mit der Beschaffung, Verteilung und Speicherung von Daten als Träger von Informationen befasst sind. Ein wesentlicher Aspekt dabei: die Auswertung der Informationen im Hinblick auf ihre Relevanz und zum optimalen Nutzen, z. B. in Organisationen. Nicht umsonst lautet der oft unterschlagene zweite Halbsatz des oben genannten Zitats: „… und Analyse ist der Verbrennungsmotor, der damit läuft.“

Mobilität, Schnelligkeit und relevantes Wissen

Das Leben der Menschen in einer Informationsgesellschaft ist geprägt von Netzwerken, in denen Informationen aller Art ausgetauscht werden, privat wie beruflich. Mobilität, Schnelligkeit und Wissen heißen die aktuellen Schlagwörter – der Fortschritt in der Entwicklung entsprechender Hard- und Software macht es möglich. Was in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts ausschließlich von wohnzimmergroßen Rechnern unter der Bedienung ausgewiesener, zudem hochbezahlter Spezialisten geschafft wurde, ist heute jedem Mitarbeiter mit jedem gängigen Smartphone x-mal schneller, x-mal einfacher und x-mal billiger möglich und dabei noch unabhängig von irgendeinem Standort, sei es das angestammte Büro, das eigene Wohnzimmer, die Bahn, das Flugzeug, zur Not auch die Hosentasche.

Eine ganze Reihe von Organisationen, gerade in Deutschland, hat den Schritt in die Informationsgesellschaft jedoch noch nicht so recht vollzogen. Hinter den Begriffen „Industrie 4.0“ oder „Internet der Dinge“ steht für viele noch ein Fragezeichen. Einerseits hat das mit einer gewissen Trägheit zu tun, die eine von Werten à la „Made in Germany“ geprägte, und dafür auch weithin bewunderte deutsche Wirtschaft kennzeichnet. Andererseits sind die bislang implementierten QM-Systeme gemäß ISO 9001 in der alten, aber noch sehr weit verbreiteten Version von 2008 nicht ausreichend in der Lage, Eigenschaften und Erfordernisse der Informationsgesellschaft adäquat abzubilden.

Die Schnelligkeit von Informationen in der Verteilung und Verarbeitung ist eine Herausforderung, bis hin zur Nutzung von Informationen in der Medienwelt zur Steuerung von Meinungen. Dadurch wird es immer schwieriger die entscheidenden, wichtigen und relevanten Informationen zu erkennen. Verfügbarkeit, Integrität und Vertraulichkeit rücken somit immer stärker in den Vordergrund. In jedem Prozess – also in jeder Abfolge von Tätigkeiten mehrerer Personen – muss somit die Frage nach den erforderlichen Informationen, deren Aktualität und Fundstelle, aber auch nach der zu übergebenden Information gestellt und beantwortet werden.

Und die ISO 9001:2015? – Möglichkeiten nutzen und Wissen sichern

Hat die ISO 9001 mit der großen Revision vom September 2015 nun endlich zum Sprung in die Informationsgesellschaft angesetzt, oder ist sie gar dort angekommen? Ein Blick auf die diesbezüglichen Änderungen gegenüber der Vorgängerversion offenbart, dass sich tatsächlich viel getan hat. Da ist zunächst einmal die neue High Level Structure (HLS), inzwischen auch „Grundstruktur“ genannt. Sie hat, neben einem komplett neuen Aufbau, auch neue Anforderungen teils in Form neuer Kapitel in die ISO 9001 eingebracht, darunter auch zum Thema „Wissen der Organisation“.

Die HLS ist allerdings nicht gänzlich neu. Sie kam bereits im Jahr 2013 u. a. in der ISO/IEC 27001 zur Anwendung. Diese Norm wird als geeignete Grundlage für ein wirkungsvolles Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) genutzt. Und das nicht nur zum Schutz kritischer Infrastrukturen, wie es zuerst für Organisationen und Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das staatliche Gemeinwesen ab Anfang 2018 zur Pflicht wird. Vielmehr trifft diese Anforderung absolut jede Organisation, die ihre Daten, ihre (dokumentierten) Informationen, also ihr Wissen und das ihrer Kunden sichern möchte und auch unbedingt sollte.

Neben vielen inhaltlichen Anpassungen und Änderungen im Detail, fallen in der ISO 9001:2015 besonders auch die übergeordneten Neuerungen ins Gewicht. Die neue Norm nimmt die oberste Leitung mit der „Rechenschaftspflicht für das Qualitätsmanagementsystem“ deutlich mehr in die Verantwortung als bisher, fordert aber den Qualitätsmanagementbeauftragten nicht mehr explizit ein. Durch alle Kapitel zieht sich nun wie ein roter Faden ein risikobasierter Ansatz, allerdings ohne einen eigenen Risikomanagementprozess zu fordern. In gewisser Weise damit verbunden, aus der Sicht der Norm sogar eng verknüpft, ist die allgegenwärtige Anforderung, „Chancen“ für die Organisation zu ermitteln. Die man, um dieser elementaren Sache ein wenig den Ruch von Lotterie zu nehmen, dem englischen Originaltext gemäß besser mit „Möglichkeiten“ (opportunities) übersetzt hätte.

Die neue Norm gibt ihren Anwendern letztendlich deutlich höhere Freiheitsgrade bei der Umsetzung vieler Anforderungen – die Revision als Chance! Zum Beispiel auch bei der Frage, wie mit den Anforderungen in Bezug auf das Wissen der Organisation und der damit verknüpften Dokumentation von Information umzugehen ist.

Wissen der Organisation – eine zentrale Ressource

In Kapitel 7.6.1 hält die neue Norm in der Anmerkung I fest, was ihr zufolge unter „Wissen der Organisation“ zu verstehen ist: „Das Wissen der Organisation ist das Wissen, das organisationsspezifisch ist; es wird im Allgemeinen durch Erfahrung erlangt. Es sind Informationen, die im Hinblick auf das Erreichen der Ziele der Organisation angewendet und ausgetauscht werden.“

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

News abonnieren

Mit dem Aboservice der PresseBox, erhalten Sie tagesaktuell und zu einer gewünschten Zeit, relevante Presseinformationen aus Themengebieten, die für Sie interessant sind. Für die Zusendung der gewünschten Pressemeldungen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse ein.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Vielen Dank! Sie erhalten in Kürze eine Bestätigungsemail.


Ich möchte die kostenlose Pressemail abonnieren und habe die Bedingungen hierzu gelesen und akzeptiert.