Steht Deutschlands sparsamstes Einfamilienhaus in Burghausen?

Einweihung Effizienzhaus Plus Schlagmann/BayWa

Burghausen/Zeilarn/München, (PresseBox) - Das "Effizienzhaus Plus Schlagmann/BayWa" im Forschungsprogramm "Zukunft Bau" des Bundesbauministeriums feiert Einweihung mit offizieller Schlüsselübergabe an die Mieter. Im Dezember beginnt mit dem Einzug der Bewohner das zweijährige Monitoring.

Das "Effizienzhaus Plus Schlagmann/BayWa" in Burghausen im Süd-Osten von Bayern ist eines der energiesparsamsten Einfamilienhäuser in Deutschland; möglicherweise ist es sogar das sparsamste und damit das "Haus der Zukunft". Dafür wurde es vom Bundesbauministerium zusammen mit 31 weiteren Hausprojekten in die Forschungsinitiative "Zukunft Bau" aufgenommen. Häuser in diesem Programm erzeugen im Jahresdurchschnitt deutlich mehr Energie als sie verbrauchen. Die überschüssige Energie steht in erster Linie für die Elektromobilität - sprich für ein Elektroauto - zur Verfügung. Das Burghauser Modellprojekt soll ab Dezember in einem zweijährigen Monitoring zeigen, inwieweit ein Haus, das in der Lage ist, Energie zu erzeugen, diese auch bedarfsgerecht seinen Bewohnern zur Verfügung stellen kann. Ob in Form von Wärme, Strom, Treibstoff oder aber auch zur Konservierung in innovativen Speichersystemen. Die Bewohner - das ist eine dreiköpfige Architektenfamilie aus Burghausen: Vater Andreas Lippert (37), Mutter Martina Schindler (35) und Sohn Sebastian (2) beziehen das Haus zum 1. Dezember. Sie sorgen dann für reale Wohnbedingungen während der 24 Monate der Evaluierungsphase. Familie Schindler/Lippert wurde aus einer Vielzahl von Bewerbern ausgewählt.

Am 21. November wurde mit allen am Bauprojekt Beteiligten die Fertigstellung des Plusenergiehauses gefeiert. Zentraler Akt der Feierstunde war neben der Vorstellung der Mieterfamilie die Schlüsselübergabe durch den Bauherren Johannes Edmüller (geschäftsführender Gesellschafter Schlagmann Poroton). Damit ist das Haus zusammen mit dem zum Forschungsprojekt gehörenden Elektrofahrzeug für die nächsten beiden Jahre offiziell an seine Bewohner übergeben. Mit feierlichen Grußworten wandten sich die Projektträger - Bauherr Johannes Edmüller und Robert Zellmeier, Leiter Sparte Baustoffe der BayWa AG - an die rund fünfzig geladenen Gäste. Danach führte der Straubinger Architekt Georg Dasch die Gäste durch das Haus. Laut Dasch, der seit beinahe zwanzig Jahren erfolgreich Sonnenhäuser plant und baut, stellte das Effizienzhaus Plus eine besondere Herausforderung in Bezug auf neue Anforderungen an Baustoffe und Energietechnik dar.

Das "Effizienzhaus Plus Schlagmann/BayWa" ist ein ganz besonderes Haus. Es soll die Energie, die zum Wohnen und darüber hinaus zum Betreiben des Elektroautos Audi A1-etron nötig ist, soweit wie möglich selbst erwirtschaften. Rein rechnerisch wird das Haus mit Keller und Garage zukünftig mindestens 85 Prozent des Jahreswärme- sowie 50 Prozent des Jahresstrombedarfs seiner Bewohner aus eigener Produktion decken können. Daneben sind alle Anlagen und Hausgeräte auf einen sparsamen Verbrauch ausgerichtet. Diese werden bedarfsorientiert in einem hauseigenen Energiemanagement durch den Sunny Home Manager gesteuert, der damit für eine optimale Nutzung des Solarstroms sorgt.

Zur Stromversorgung selbst trägt eine auf Haus- und Garagendach installierte Photovoltaikanlage bei, die mit einer Leistung von insgesamt 10,76 Kilowattpeak (kWp) arbeitet. Grundlage der Wärmegewinnung ist eine 51 Quadratmeter große solarthermische Kollektorfläche auf dem Hausdach. Die Speicherung der Energie übernehmen einerseits innovative Systeme wie zwei Lithium-Batterien für den Strom (Haushalt und Auto) und der zweiteilige Schichtenspeicher von 48 Kubikmeter Wasser, in dem rund 4.000 Kilowattstunden Wärme eingelagert werden können. Auf der anderen Seite steht eine optimale Gebäudehülle des Hauses: Sie wurde - in traditioneller, monolithischer Bauweise - massiv aus hochwärmedämmendem Ziegelmauerwerk errichtet und dient mit ihrer Speichermasse als großes Energiedepot. "Ziegelhäuser aller KfW-Effizienzhausklassen sind generell nichts Neues," betonte Johannes Edmüller, "aber dass in massiver, einschaliger Ziegelbauweise in Kombination mit Solartechnik, innovativen Energiespeichersystemen und revolutionären Haushaltsgeräten ein Gebäude realisiert werden kann, das mehr Energie erzeugt als es verbraucht - das ist eine echte Zukunft für den Traditionsbaustoff Ziegel."

Als kritisch kann sich bei einer modernen, energieeffizienten Bauweise die dichte Gebäudehülle erweisen. Damit kann zwar weniger Wärme, aber auch weniger schadstoffhaltige Luft entweichen. Aus diesem Grund wurde das "Effizienzhaus Plus Schlagmann/BayWa" nach den Kriterien der Wohngesundheit gemäß den strengen Vorgaben des Sentinel Haus Instituts errichtet: Der Einsatz geprüft schadstoffarmer Baumaterialien - wie der perlitgefüllte Poroton-T7 von Schlagmann - sowie die Vermeidung von Emissionen bereits bei den Bauarbeiten tragen dazu bei, dass den Bewohnern eine gesunde Raumluft zur Verfügung steht. Eine abschließende Messung durch das Sentinel Haus Institut nach Beendigung der Bauarbeiten bestätigte eine hervorragende Innenraumluftqualität von 126 µg/m³ TVOC (Summe der flüchtigen organischen Verbindungen; Empfehlung Umweltbundesamt < 1.000 µg/m³) und nachweislich nicht messbarem Formaldehyd (Empfehlung Umweltbundesamt < 60 µg/m³). Die eingebaute Lüftungsanlage mit Mischgassensor führt zudem selbstständig Messungen durch und greift sogleich regulierend durch Frischluftzufuhr ein, wenn die Kohlendioxid- und TVOC-Konzentration in den Wohnräumen zu hoch wird. Die Aushändigung einer Plakette für das Haus, die die Einhaltung der strengen Raumluftgrenzwerte bestätigt, nahm Peter Bachmann vom Freiburger Sentinel Haus Institut im Rahmen der Einweihung vor.

Bauherr ist das mittelständische und familiengeführte Ziegelunternehmen Schlagmann Poroton, Zeilarn, Landkreis Rottal-Inn. Kooperationspartner ist die BayWa AG, München, die das Projekt fördert und darüber hinaus ihre Kompetenz, Erfahrung und marktübergreifende Präsenz in den Bereichen Baustoffe, Haustechnik, erneuerbare Energien und wohngesundes Bauen einbringt.

Das Bauvorhaben an der Abt-Emanuel-Straße in Burghausen-Raitenhaslach ist allen Beteiligten aufgrund ihrer regionalen Verbundenheit und nachhaltigen Ausrichtung ein wirkliches Anliegen. Geht es doch darum, zu zeigen, dass eine konventionelle Bauweise, wie sie in der Region üblich ist, im Zusammenspiel mit Solartechnik und innovativen Speichersystemen neue Maßstäbe in puncto energiesparender Bauweise erreichen kann. Das Projekt tritt damit den Beweis an, dass die kulturell verankerte Bauweise, ausgeführt vom traditionellen Bauhandwerk mit regionalen Baumaterialien, als nachhaltiges Modell für zukünftiges Bauen mehr als wettbewerbsfähig ist. Von den Ergebnissen erwartet man sich unter anderem Erkenntnisse für die Weiterentwicklung innovativer Produkte sowie zukunftsfähiger Hauskonzepte. Das Projekt kann als Impulsgeber für mehr Klimaschutz und Energieeinsparung im Hausbau beitragen.

Laut Kalkulation ist das "Effizienzhaus Plus Schlagmann/BayWa" eines der Häuser mit den niedrigsten Verbräuchen im Gebäude-Portfolio der Forschungsinitiative "Zukunft Bau". Wie das Haus in der Praxis abschneiden wird, wird ab Dezember das zweijährige Monitoring zeigen. In diesem Zeitraum wird das "Effizienzhaus Plus Schlagmann/BayWa" von der Hochschule Deggendorf wissenschaftlich begleitet und alle Verbrauchs- und Umweltdaten werden genau aufgezeichnet. "Wir sind mit Begeisterung und Überzeugung bei diesem zukunftsweisenden Forschungsprojekt dabei. Mit Spannung werden wir die Ergebnisse des Monitorings verfolgen," fasste Robert Zellmeier die Stimmung aller Beteiligten an diesem Tag treffend zusammen.

Aktuelle Werte des Monitorings finden sich auf der Seite des Bundesbauministeriums oder ab Frühjahr 2014 auf der Website www.ehp-schlagmann-baywa.de.

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