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Pressemitteilung BoxID: 438195 (ROBIN WOOD e.V.)
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Stuttgart 21 ist nicht stressfest

"Bahn rechnet im Stresstest mit menschenleeren Zügen" / "Tunnelaufträge dürfen nicht vergeben werden"

(PresseBox) (Hamburg, ) Aktive von ROBIN WOOD kommentieren heute demonstrativ zusammen mit tausenden Stuttgartern beim Public Viewing auf dem Rathausplatz den heute der Öffentlichkeit präsentierten Stresstest für das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21: "Wo bleibt der Stress im Stresstest?" steht auf dem Transparent, das die Aktiven mit sich führen. Sie kritisieren, dass sich die Fahrplan-Simulation isoliert nach der Gleisauslastung richtet, statt von den Menschen auszugehen, die die Züge benutzen. Sie fordern, der von der DB AG angekündigten sofortigen Vergabe von Tunnelbauaufträgen für bis zu 750 Millionen Euro einen Riegel vorzuschieben.

Die DB AG versucht mit dem als Ergebnis der Faktenschlichtung im letzten Herbst vereinbarten Stresstest nachzuweisen, dass die Investition von mehr als vier Milliarden Euro in die Tieferlegung des Stuttgarter Bahnhofs eine Leistungssteigerung bei guter Betriebsqualität bringen wird. Das Projekt wird nach DB-Angaben viermal soviel kosten wie der Neubau des vor fünf Jahren eröffneten Berliner Hauptbahnhofs. Trotzdem gelingt nach Ansicht von ROBIN WOOD der rechnerische Nachweis eines Nutzens für den Bahnverkehr nicht.

Zentrales Ergebnis des Stresstestes ist, dass es möglich sei, 49 Züge innerhalb einer Stunde durch den geplanten Tunnelbahnhof zu schleusen. Dies erfolgt rechnerisch mit Haltezeiten von teilweise weniger als zwei Minuten, einer Doppelbelegung der Gleise bei der Hälfte der Züge und unter Annahme eines gänzlich störungsfreien Bahnbetriebes. "Die Bahn kalkuliert mit menschenleeren Zügen", sagt Kei Andrews, aktiv bei ROBIN WOOD Stuttgart. "Für die Fahrgäste ist auf den engen Bahnsteigen des unterirdischen Bahnhofs Chaos und Gefahr vorprogrammiert."

Während auf der einen Seite die Leistung von S 21 nicht nachweisbar ist, werden auf der anderen Seite immer höhere Kosten bakannt. Die Bahn hat nach Medienberichten vor Unterzeichnung der Finanzierungsvereinbarung im April 2009 eine explosionsartige Kostensteigerung im Tunnelbau um über 140 Prozent verschwiegen. Ausgerechnet für diese beiden Projekte, den Fildertunnel und den Tunnel Obertürkheim, will sie nun unmittelbar nach Präsentation des Stresstestes Aufträge vergeben. "Damit schafft die Bahn neue Ansprüche von privaten Baufirmen auf Steuergelder für ein politisch nicht legitimiertes Projekt", sagt Monika Lege, ROBIN WOOD- Verkehrsexpertin. "Das käme einer Veruntreuung gleich, denn noch ist die Bahn im Besitz des Bundes und damit dem Gemeinwohl verpflichtet."