Energiewende verbessert Lebensqualität

KlimaPartner Oberrhein legen Pilotergebnisse zum Energiewende-Index vor / Wegweisendes Vorgehen für Gestaltung der Energiezukunft mit Kommunen

(PresseBox) ( Freiburg, )
Die Menschen am südlichen Oberrhein sind deutlich stärker als im übrigen Deutschland bereit, sich aktiv an der Energiewende zu beteiligen. Zwischen Hochrhein und Nordschwarzwald herrscht außerdem eine überdurchschnittliche Akzeptanz der Energiewende: Dies sind zwei bemerkenswerte Ergebnisse einer Pilotstudie, die der Verein KlimaPartner Oberrhein in den letzten Wochen in ausgewählten Gemeinden erarbeitet hat. Diese Studie soll gebietsscharf für jede Gemeinde und alle Landkreise im kommenden Frühjahr im ganzen Südwesten durchgeführt werden und dann in die Erhebung eines Energiewende-Index münden. Mit diesem Energiewende-Index schafft der Verein KlimaPartner Oberrhein ein bundesweit einmaliges und wissenschaftlich fundiertes Instrument zur Beurteilung, Steuerung, Unterstützung und Akzeptanz der Energiewende. Das Projekt ist am Donnerstag (22. November) im Rahmen einer Verbandsversammlung des Regionalverbandes Südlicher Oberrhein erstmals öffentlich vorgestellt worden.

Die Pilotstudie für den Energiewende-Index ist in der Region Oberrhein und in den Gemeinden Breisach am Rhein, Lörrach und Kirchzarten durchgeführt worden; parallel dazu wurden Vergleichsdaten für Baden-Württemberg und Deutschland erhoben. Ab 2013 soll der Energiewende-Index in insgesamt 161 Kommunen im südlichen Baden einmal jährlich ermittelt werden. Er soll Kommunen und Landkreisen als Basis für die Ausgestaltung der Energiewende mit Bürgerbeteiligung dienen. "Die Akzeptanz und Identifikation der Bürger mit der Energiewende ist eine elementare Voraussetzung für deren Gelingen", sagte Dr. Thorsten Radensleben, Vorsitzender des Vereins KlimaPartner Oberrhein, zur Motivation des Projekts. "Die Energiewende klappt unseres Erachtens nur von unten nach oben, und auch nur dann, wenn die Kommunen in der Region etwas davon haben. Sie und die Bürger sind der Schlüssel für erfolgreichen Klimaschutz", meinte er weiter. "Um die Weichen dafür regional entsprechend stellen zu können, brauchen wir belastbare Daten zu den Bedürfnissen und Einstellungen der Menschen. Diese Datenbasis schaffen wir jetzt mit dem Energiewende-Index auf Gemeindeebene." Mit der dezentralen Energiewende Analyse ist der Verein KlimaPartner Oberrhein wieder einmal Vorreiter in Deutschland, was die Gestaltung und Messung einer ökologisch verantwortungsvolleren Energiezukunft betrifft. Weil die Untersuchung sehr umfangreich und vielschichtig ist, hat der Verein in einem ersten Schritt eine Pilotbefragung in drei Gemeinden und der Region Oberrhein durchgeführt. Vergleichsmessungen in Baden-Württemberg und Deutschland fanden zeitgleich statt. An der Pilotstudie nahmen insgesamt 1.666 Personen teil, an der Hauptuntersuchung, die im Januar 2013 starten soll, werden es um die 20.000 sein.

Die eigentliche Herausforderung sei nicht der Atomausstieg, sondern der drohende Klimawandel, gab Thorsten Radensleben zu bedenken. "Der Verein KlimaPartner Oberrhein und seine Vorläufer setzen sich schon seit 2006 dafür ein, nukleare und fossile Energien durch erneuerbare zu ersetzen und die Energieeffizienz zu erhöhen", betonte er. "Wichtig ist uns, dass die Energiewende regional passiert, weil Menschen und Wirtschaft am Oberrhein davon profitieren sollen." Bereits heute gehören 60 Prozent der installierten Kraftwerksleistung in Deutschland Bürgern, Landwirten, Kommunen und Stadtwerken. Das belegt die These des Vereins.

Der Verein KlimaPartner Oberrhein ist aus einer Initiative des Regionalverbands Südlicher Oberrhein und der Handwerkskammer Freiburg hervorgegangen. Er sieht sich als überparteiliches Netzwerk von Kommunen, Verbänden, Unternehmen und Bürgern mit dem Ziel, die Energiewende in der Region voranzubringen. Im Vorstand vertreten sind: Regionalverband Südlicher Oberrhein, Handwerkskammer Freiburg, Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau, Volksbank Freiburg, badenova AG, EWM Mittelbaden. Schirmherr des Vereins ist der baden- württembergische Umweltminister Franz Untersteller, Präsidentin ist Bärbel Schäfer, Regierungspräsidentin des Regierungsbezirks Freiburg.

Die Partner beim Energiewende-Index sind die EWI GmbH mit Geschäftsführer Stefan Eckart und die Forschungsgruppe Lebensqualität der Ludwig-Maximilian-Universität München unter der Leitung von Professor Dr. Anton Meyer. Die EWI GmbH ist auf Monitoring und die Erhebung von Energiewende-Indizes spezialisiert; Professor Meyer setzt sich seit über 25 Jahren mit Fragen der Kundenorientierung und Lebensqualität sowie der ressourcen- und marktorientierten Unternehmensführung auseinander.

Ergebnisse: wertvolle Basis für Gestaltung der Energiezukunft

In die Pilotuntersuchung sind die Antworten von 1.666 Personen zwischen 18 und 87 Jahren eingeflossen; die Daten der Pilotgemeinden basieren auf den Antworten von 196 Befragten, die der Region Oberrhein auf Rückmeldungen von 433 Personen. Für die Vergleichswerte sind 504 Bürger aus Baden-Württemberg und 533 aus Deutschland befragt worden. Auffallend ist, dass die Energiewende am Oberrhein in nahezu allen Punkten deutlich positiver gesehen wird als im Landes- oder Bundesdurchschnitt. Das gilt sowohl für das Engagement von Kommunen, in eigene Anlagen zur Erzeugung von Ökostrom zu investieren, als auch für die Akzeptanz solcher Anlagen in unmittelbarer Umgebung. Die Mehrheit der Befragten am Oberrhein und in den Pilotgemeinden ist davon überzeugt, dass die Energiewende die Lebensqualität in ihrer Gemeinde verbessert. "Und für deren Ausgestaltung soll der Energiewende-Index künftig eine solide Basis liefern", erläuterte Professor Meyer. "Keine Gemeinde kann die Energiezukunft für sich allein lösen. Sie braucht dafür eine Gemeinschaft in der Region." Thorsten Radensleben sieht die Vorteile des kommunalen Energiewende-Index für Landräte und Kommunen darin, dass der Verein ihnen unentgeltlich alle relevanten Daten und Fakten für eine Weichenstellung der Energiezukunft liefert, die im Einklang mit der Bürgermeinung ist. Der große Vorteil für die Bürger sei, dass sie an den Entwicklungen beteiligt sind und die Energiezukunft aktiv mit gestalten können. "Die Bürger müssen mitmachen wollen. Ohne sie geht gar nichts", sagte Professor Meyer.

Messung: Wie der Energiewende-Index ermittelt wird

Der Energiewendeindex basiert auf vier Dimensionen: Die Dimension "Ökologie" erfasst den Stand der regenerativen Energieerzeugung und der Energieeffizienz in der Region. Die Dimension "Ökonomie" misst die dadurch ausgelöste Steigerung der Wertschöpfung am Standort. Die Dimension "Verantwortung" analysiert die Akzeptanz der Energiewende und der Beteiligungsbereitschaft der Bürger. Und die Dimension "Lebensqualität" ermittelt den Zusammenhang zwischen Energiewende und gefühlter Lebensqualität. Die Daten zur Bevölkerung und Infrastruktur stammen aus Erhebungen der Landratsämter, der Statistischen Landesämter, Energieagenturen und Umweltministerien von Bund und Ländern. Die subjektiven Daten werden durch Umfragen erhoben; gefragt wird nach der persönlichen Einstellung zur Energiewende, dem konkreten persönlichen Verhalten und dem Einfluss der Energiewende auf die persönliche Lebensqualität.

Den Energiewende-Index will der Verein KlimaPartner Oberrhein ab 2013 einmal jährlich erheben und zwar in 161 Kommunen der Landkreise Ortenaukreis, Emmendingen, Freiburg, Lörrach und Breisgau-Hochschwarzwald. Befragt werden sollen jeweils bis zu 20.000 Personen online. Die Vergleichsmessungen in Baden-Württemberg und Deutschland sollen alle zwei Jahre erfolgen. "Die erste Hauptuntersuchung 2013 ist die Nullmessung, 2014 folgt dann die erste Vergleichsmessung", erklärte Professor Meyer das Verfahren.

KlimaPartner Oberrhein: Pioniere des Klimaschutzes

Am Oberrhein hat man sich früher als anderswo Gedanken um eine umwelt- und ressourcenschonende Energiezukunft gemacht: Bereits 2005 hat der Regionalverbrand Südlicher Oberrhein einen Energieatlas erstellt, den ersten in Deutschland. Darin wurden regionale Energiewende-Ziele und regionale Wertschöpfungspotenziale definiert. Im Jahr 2011 hat der Regionalverband mit den regionalen Energieagenturen ebenfalls erstmals in Deutschland ein regionales Energie-Monitoring entwickelt und vorgelegt. "Wir sind froh, dass unser Regionalverband schon sehr frühzeitig und umfassend die Themen Klimawandel und zukunftsfähige Energieversorgung kompetent aufgegriffen hat. Auf dieses Grundkapital können wir nun aufbauen und mit Projekten wie dem Energiewende-Index weiter entwickeln", betonte der Vereinsvorsitzende Thorsten Radensleben.

"Mit der Verbindung objektiver Daten und den subjektiven Ansichten der Bürger bietet der Energiewende-Index die Möglichkeit, den Stand der Energiewende im Sinne eines ganzheitlichen Monitorings abzugeben", erläuterte Thorsten Radensleben, "dadurch können für die Zukunft Handlungsfelder aufgedeckt werden, die durch bisherige Monitoring-Verfahren nicht abgebildet werden konnten." Der Regionalverband Südlicher Oberrhein zählt zu den Pionieren einer aktiven Energiewende mit herausragenden Ergebnissen für den Klimaschutz.
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