Nutzung des Internets: Balanceakt zwischen Privatsphäre und Unachtsamkeit

Aktuelle Studie zeigt, dass die Deutschen immer noch (zu) sorglos mit dem Thema Datenschutz umgehen

(PresseBox) ( Berlin, )
SSL-verschlüsselte Webseiten, zugriffssichere WLAN-Router, Onlinebanking – wenn es um das Thema Datenschutz im Internet geht, können die Sicherheitsstandards für deutsche Nutzer nicht zu hoch sein. Eine Studie* des Marktforschungsinstituts GfK, die der europäische Suchmaschinenanbieter Qwant in Auftrag gegeben hat, zeigt jedoch ein anderes Nutzungsverhalten. Befragt nach ihren Gewohnheiten bei der Suche im Internet und der Nutzung von Suchmaschinen sind die Deutschen eher liberal und sorglos eingestellt.

Des Deutschen liebstes Gut ist seine Privatsphäre - so sagt er
In einer Frage sind sich deutsche Männer und Frauen einig: Vier von fünf Befragten (82 %) möchten die Kontrolle über ihre persönlichen Daten behalten. Dass sich 70 % am liebsten anonym im Netz bewegen, ist ebenfalls wenig überraschend, denn Datenschutz ist in Deutschland ein viel diskutiertes Thema, nicht nur politisch, sondern auch gesellschaftlich. Was der Deutsche im Internet sucht, möchte er für sich behalten. Besonders kritisch betrachtet daher auch jeder Zweite (54 %), dass sein Suchverhalten eventuell mit Dritten geteilt wird. Die Speicherung und Weitergabe von persönlichen Daten an Dritte zu Zwecken der Werbung oder Marktforschung ist der Mehrheit der Deutschen nicht immer bewusst. Und auch wenn es dem Nutzer bewusst ist, so hat er keine Chance, sich einen Einblick zu verschaffen, wie seine Daten verwendet (und ggf. verkauft) werden. Ebenso mangelt es an Transparenz darüber, wie genau Algorithmen, Indexe und Co. arbeiten, um Nutzer zu identifizieren und deren Nutzungsverhalten auszuwerten. Der Datenschutz bleibt demnach ein sensibles Thema für die Deutschen, die hinreichende Aufklärung indes fehlt.

Ambivalentes Verhalten: Privatsphäre versus Individualität
Mehr als ein Drittel der Befragten (36 %) geht einerseits davon aus, dass ihnen alle Suchergebnisse objektiv und neutral angezeigt werden, unabhängig vom Suchmaschinenanbieter und ihrem persönlichen Nutzungsprofil. Andererseits befürwortet die Hälfte der Befragten (55 %), dass lediglich die Ergebnisse mit ihnen geteilt werden, die sie wirklich interessieren – also gefilterte, personalisierte Treffer. Es existiert eine Informationslücke darüber, was mit den Nutzerdaten passiert und vor allem für welchen Zweck. So fühlen sich die Deutschen nur wenig im Internet beobachtet oder sogar verfolgt (22 %). Zugleich nutzt über die Hälfte der Befragten (51 %) ihre Suchmaschine bedenkenlos als Quelle auch für sensible Informationen. Ein Ergebnis, das vor dem Hintergrund von Wikileaks und NSA-Skandalen auch Nico Bödeker, General Country Manager von Qwant in Deutschland, verwundert: „Wir waren überrascht, dass vielen Nutzern nicht bewusst ist, wieviel sie bereits bei der Suchanfrage von sich preisgeben. Geht es um den Schutz privater Daten, denken viele an Bank- oder Kreditkartendaten. Dass Informationen wie sexuelle Präferenzen, Gesundheitsfragen oder politische Einstellungen ebenfalls vor dem Zugriff Dritter geschützt werden sollten, scheint vielen nicht klar zu sein.“

Alternative Suchmaschinen sorgen für mehr Privatsphäre
Die Forderung nach mehr Privatsphäre und Datenschutz im Internet einerseits und die unbekümmerte Nutzung von Suchmaschinen und Webseiten andererseits legen einen inneren Widerspruch offen. Die Nutzer hinterlassen oft aus Unachtsamkeit oder Unwissenheit ihre Spuren im Internet, bisweilen um den Preis ihrer Privatsphäre. Das soll sich ändern: Den Anfang macht dabei die Verwendung des Inkognito-Modus im Browser. Den nutzen bereits 59 % der Befragten von Zeit zu Zeit, um anonym im Internet surfen zu können. Eine große Mehrheit der Deutschen steht außerdem einer neuen Generation von Suchmaschinen positiv gegenüber: 75 % der Befragten würden den Anbieter wechseln, wenn der Neue ihre Daten besser schützt.

*= GfK eBUS, "Datenschutz im Internet", Juni/Juli 2017, n=500 Männer und Frauen ab 14 Jahre
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