Q.CELLS: Gläubiger stimmen Verkauf an Hanwha zu

Bitterfeld-Wolfen, (PresseBox) - Die Gläubiger der Q-Cells SE haben auf ihrer heutigen Versammlung in Dessau-Roßlau dem Verkauf des Geschäftsbetriebs an den südkoreanischen Mischkonzern Hanwha mit großer Mehrheit zugestimmt. Insolvenzverwalter Henning Schorisch hatte den Vertrag am vergangenen Sonntag unterzeichnet.

Im Rahmen einer 'übertragenden Sanierung' übernimmt die Hanwha Gruppe rund 1.250 der rund 1.550 Mitarbeiter sowie den weitaus größten Teil der gesamten Q.CELLS Gruppe: in Deutschland den Standort in Bitterfeld-Wolfen mit Forschung, Entwicklung und Produktion von Solarzellen und -modulen sowie den Verwaltungsstandort Berlin; im Ausland den Produktionsstandort in Malaysia mit unverändert rund 500 Mitarbeitern sowie einige der internationalen Vertriebsgesellschaften. Ein Abbau von Arbeitsplätzen im Zuge der Integration wird überwiegend in der Verwaltung von Q.CELLS erfolgen, da zahlreiche Dopplungen mit der Organisation der Hanwha Gruppe bestehen.

Der Kaufpreis setzt sich aus der Übernahme von betriebsbezogenen Verbindlichkeiten in niedriger dreistelliger Millionenhöhe sowie einem Bar-Kaufpreis in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe zusammen, wobei der Bar-Kaufpreis abhängig ist vom Umfang noch weiter zu übernehmender Verbindlichkeiten. Der Kaufvertrag steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden. Die Transaktion wurde von Deloitte & Touche Corporate Finance GmbH als exklusivem M&A-Berater des Insolvenzverwalters und der Gesellschaft betreut.

'In diesem für Q.CELLS extrem schwierigen wirtschaftlichen und politischen Umfeld ist es ein großer Erfolg, dass es gelungen ist, nicht nur Forschung und Entwicklung, sondern auch die Produktion am Standort Bitterfeld-Wolfen zu erhalten', betonte Schorisch heute in Bitterfeld-Wolfen am Hauptsitz von Q.CELLS. 'Zwar bedauere ich den Verlust von Arbeitsplätzen. Doch freue mich sehr, dass Q.CELLS mit Hanwha einen starken Partner gefunden hat, der über die nötigen Mittel verfügt, Unternehmen, Marke und Mitarbeitern wieder eine langfristige Perspektive zu geben.'

Mit der Übernahme von Q.CELLS plant Hanwha, seine Position als eines der weltweit führenden Unternehmen der Photovoltaik-Branche auszubauen. Hanwha gehört zu den größten südkoreanischen Konzernen mit einem Umsatz von 31,6 Mrd. US-Dollar (2011). Das Unternehmen ist u.a. in den Branchen Chemie, Versicherungen, Banken, Maschinenbau, Pharma und Bau tätig und beispielsweise mit dem chinesischen Tochterunternehmen Hanwha SolarOne bereits in der Photovoltaik engagiert.

Schorisch lobte erneut das enorme Engagement der Arbeitnehmer. 'Der Wert des Unternehmens und der Marke Q.CELLS beruht auf dem Know-how und der Loyalität der Mitarbeiter', sagte er. 'Der erfolgreiche Verkauf wäre nicht möglich gewesen, wenn die Beschäftigen dem Unternehmen während dieser schwierigen Zeit nicht die Stange gehalten hätten. Natürlich bedauere ich es deshalb, dass nicht alle Mitarbeiter übernommen werden können.' Schorisch bedankte sich auch beim Management; der Q.CELLS-Vorstand habe sich stets professionell und loyal verhalten und habe bis zuletzt am Erhalt des Unternehmens mit aller Kraft mitgearbeitet.

Schorisch hat bereits die Gespräche mit dem Betriebsrat zum Abschluss eines Interessenausgleichs und eines Sozialplans wegen der erforderlichen Personalanpassungsmaßnahmen begonnen. Der Insolvenzverwalter hat zudem Mittel in Aussicht gestellt, um eine Transfergesellschaft einzurichten. Dort können die betroffenen Beschäftigten Weiterbildungsangebote in Anspruch nehmen und werden bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen unterstützt.

Die Q-Cells SE hatte am 3. April 2012 Insolvenz angemeldet, nachdem der in den Monaten davor angestrebten Finanzrestrukturierung durch eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Frankfurt die rechtliche Grundlage entzogen worden war. Insolvenzverwalter Henning Schorisch von der Kanzlei hww wienberg wilhelm war es schnell gelungen, den Geschäftsbetrieb so zu stabilisieren, dass während des Insolvenzverfahrens keine Entlassungen ausgesprochen werden mussten. Zudem hatte er umgehend mit der Investorensuche begonnen.

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