Hochschulerfindungen mit Zukunftspotenzial: Ministerin Schulze gratuliert Preisträgerinnen und Preisträgern

(PresseBox) ( Mülheim an der Ruhr, )
Drei herausragende Erfindungen aus den Kategorien Lebenswissenschaften, Ingenieur- und angewandte Naturwissenschaften und Fortschritt durch Transfer erhalten den mit jeweils 10.000 Euro dotierten Preis des HochschulWettbewerbs 2016. Gestern ehrte NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze die Erfinder von „Vim 3 Antikörper“, „AFFF-CarboSil“ und „Achsträger in hybrider Bauweise“ persönlich in Düsseldorf.

Bereits zum 13. Mal hat PROvendis gemeinsam mit dem Wissenschaftsministerium Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aufgerufen, exzellente Erfindungen beim Hochschulwettbewerb „ZukunftErfindenNRW“ einzureichen. 136 Bewerbungen sind eingegangen – drei Gewinnerteams aus den Universitäten Köln und Paderborn konnten die hochkarätige Jury überzeugen. Alle Erfindungen leisten nicht nur technologischen Fortschritt, sondern widmen sich auch wichtigen gesellschaftlichen Themen: von der umweltfreundlichen Leichtbaulösung für Kraftfahrzeuge über ressourcenschonenden Löschschaum bis hin zur Möglichkeit, gutartige und bösartige Nierentumore eindeutig zu unterscheiden.

Svenja Schulze, Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen: „Wir brauchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die über die Grenzen ihres eigenen Fachbereichs und die Grenzen der Wissenschaft hinaus-denken. Die Gewinner des Hochschulwettbewerbs zeigen, wie mutige Innovationen dazu beitragen, unsere Zukunft zu gestalten. Mit den Preisen wollen wir daher den Weg dieser Innovationen in die Praxis unterstützen.“

Jürgen Meyer, Juror und Leiter der Patentabteilung bei Hella KGaA Hueck & Co.: „Der Wettbewerb macht das Potenzial von Hochschulpatenten sichtbar: Diese decken nicht nur eine große Bandbreite von Technologiebereichen ab, sondern zeigen auch exemplarisch wie man mit ganz konkreten Anwendungen drängenden gesellschaftliche Fragen begegnen kann. Zudem gewinnt Wissens- und Technologietransfer für Unternehmen immer weiter an Bedeutung.“

Im März finden an den Gewinner-Hochschulen dann die Preisverleihungen statt – hier halten die Teams das Preisgeld von jeweils 10.000 Euro für die Weiterentwicklung ihrer Forschung.

Preisträger in der Wettbewerbskategorie Lebenswissenschaften:

Vim 3 Antikörper - Diagnose von gutartigen Nierentumoren und zur Differentialdiagnose von gut- und bösartigen Nierentumoren

Hochschule: Klinik und Poliklinik für Urologie, Universitätsklinikum Köln und Institut für Molekulare Pathologie Universitätsklinikum Köln, Universität zu Köln

Erfinder: Dr. rer. med. Melanie von Brandenstein, Prof. Dr. Jochen Fries

Das größte diagnostische Problem beim Nierentumor ist die eindeutige Unterscheidung zwischen dem gutartigen Nierentumor, dem Onkozytom, und bösartigen Nierentumor-Subtypen.

Wird bisher ein Protein namens Vimentin im Tumorgewebe mittels Anfärbung nachgewiesen, so lautet die Diagnose bösartiger Tumor. Das Problem hierbei: Bösartige Nierenkrebszellen (RCCs) können gutartige Tumorzellen (Onkozyten) imitieren - mit der Konsequenz, dass kein Krebs, sondern fälschlicherweise ein gutartiger Tumor diagnostiziert wird. Umgekehrt erfolgt der positive Nachweis von Vimentin fälschlicherweise zu 70% auch in gutartigen Nierentumoren. Von der Diagnose hängen folgenschwere Entscheidungen - und letztlich auch das Überleben des Patienten - ab: bösartiger Tumor heißt, die Entfernung der kompletten Niere, gutartiger Tumor bedeutet, das Ausschälen des Tumors bei Erhalt der Nierenfunktion.

Die Wissenschaftler des Uniklinikums Köln Dr. Melanie von Brandenstein und Prof. Dr. med. Jochen Fries können mit Hilfe der verkürzten Variante des Vimentin (Vim3) erstmalig zuverlässig zwischen dem (gutartigen) Onkozytom und bestimmten bösartigen Nierentumor-Subtypen unterscheiden. Nur in Onkozytomen kommt es zu einer signifikanten Erhöhung des Vim3. Eine Anfärbung in den Subtypen des bösartigen Nierentumors, die dem Onkozytom ähneln, erfolgt nicht. Die Methode zur Diagnose ist zum Patent angemeldet.

Preisträger in der Wettbewerbskategorie Ingenieur- und angewandte Naturwissenschaften:

AFFF-CarboSil (Aqueous Film Forming Fluorine-free Extinguishing Foam)

Hochschule: Universität zu Köln

Erfinder: Priv.-Doz. Dr. Dirk Blunk, Dr. Richard Daniel Matthias Meisenheimer, Dr. Kai Oliver Wirz

Miterfinder: Dr. Ralf Helmut Hetzer

Wasserfilmbildende Löschschäume (sogenannte AFFF) sind heutzutage bei Bränden von Flüssigkeiten wie Treibstoffen, Chemikalien oder Lösemitteln in Industrieanlagen, auf Flughäfen und Schiffen standardmäßig im Einsatz. Durch ihre besonderen Eigenschaften ermöglichen diese Hochleistungs-Löschmittel die Ausbildung eines Wasserfilms auf dem Brandgut, welcher es von der Luft abtrennt, den Schaum schnell und leicht gleiten lässt, ihm Selbstheilungsfähigkeiten verleiht und kühlend wirkt. Durch diese besonderen Fähigkeiten wird der Löschvorgang um bis zu 60% beschleunigt. Der große Nachteil ausnahmslos aller bislang eingesetzten AFFF-Löschschäume ist allerdings, dass sie polyfluorierte Tenside (PFT) als Filmbildner enthalten. Solche PFT zeigen giftige Eigenschaften und sind zudem persistent, d.h. sie können nicht abgebaut werden, reichern sich in Ökosphäre und Organismen stetig an und belasten so die Gesundheit und Umwelt.

Die Kölner Erfinder haben durch die Verwendung von Kohlenhydrat-Siloxan- bzw. von Kohlenhydrat-Carbosilan-Tensiden als Filmbildner in Feuerlöschschaum-Konzentraten eine Lösung für dieses Problem gefunden. Diese Tenside kommen ohne die umweltschädlichen PFT aus und werden zum Großteil aus nachwachsenden Rohstoffen (Zucker) hergestellt. Mit Löschschäumen auf Basis der hier beschriebenen neuen Tenside wird es möglich, weltweit Einsatzabläufe und Logistik der Feuerwehren zu vereinfachen, die Sicherheit der Einsatzkräfte zu erhöhen, Umweltschäden zu vermeiden und Einsatz-Folgekosten zu minimieren.

Preisträger in der Wettbewerbskategorie Fortschritt durch Transfer:

Achsträger in hybrider Bauweise

Hochschule: Universität Paderborn

Erfinder: Simon Pöhler, Prof. Dr. rer. nat. Thomas Tröster, Christopher Budde, Prof. Dr.-Ing. Elmar Moritzer

Um den Kraftstoffverbrauch und somit den CO2-Ausstoß und die Umweltbelastung zu reduzieren, besteht im Automobilbau und insbesondere im Bereich der Elektromobilität die klare Anforderung leichtere Fahrzeuge zu entwickeln. Dabei wird verstärkt auf Multimaterialsysteme, auch im Bereich des Fahrwerks, gesetzt. Im Vergleich zur konventionellen Bauweise bieten diese durch die bestmögliche Kombination von Werkstoffen ein extrem hohes Leichtbaupotenzial mit im Einzelfall sogar neutralen Kosten.

Die Paderborner Wissenschaftler entwickelten mit ihrer Erfindung einen solchen multimaterialen „Achsträger in hybrider Bauweise“ aus metallischer Oberschalenstruktur und einer mit Rippen ausgeformten glasfaserverstärkten Unterschale (GFK), welche zur Einstellung der optimalen Steifigkeit dient. Rippen und Unterschale können dabei in einem Fließpressverfahren gemeinsam als ein Bauteil oder als separate Einzelteile hergestellt werden. Durch den lokalen Einsatz von Faserverbundwerkstoffen in der Unterschale und der Rippenstruktur wird ein weiterer Gewichtsvorteil geschaffen und durch den gezielten Einsatz des Werkstoffs ein äußerst kostengünstiger Achsträger erzeugt, der zudem sehr gut recycelt werden kann.

Der erfolgreiche Wissens- und Technologietransfer von der Wissenschaft in die Wirtschaft in Form einer Kooperation und engen Zusammenarbeit zwischen der Universität Paderborn und BENTELER Automobiltechnik der BENTELER-Group sowie der Quadrant Plastic Composites AG ist ausschlaggebend für die Auszeichnung in dieser Kategorie.
Der innovative Achsträger ist in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen entstanden und mit zukünftiger Erlösbeteiligung an BENTELER und Quadrant verkauft worden. Auch nach Ende des Kooperationsvertrages wurde die Innovation in enger Zusammen-arbeit zwischen der Universität Paderborn und dem Unternehmen in Richtung Marktreife entwickelt.
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