Neue Therapiemöglichkeiten bei Schlaganfall und erhöhtem Herzinfarktrisiko

(PresseBox) ( Hamburg, )
Der Preis der Werner Otto Stiftung zur Förderung der medizinischen Forschung geht in diesem Jahr an den Neurologen Dr. med. Mathias Gelderblom und den Kardiologen Dr. med. Mahir Karakas. Beide Wissenschaftler sind am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig.
Sie erhalten die Ehrung für ihre herausragenden medizinischen Ergebnisse im Bereich der Grundlagenforschung und der Klinischen Forschung, die in Zukunft unter anderem zu besseren Therapiemöglichkeiten bei der Behandlung von Schlaganfällen und bei erhöhtem Herzinfarktrisiko führen können.

Im Rahmen einer Feierstunde wurden die beiden Forscher heute von Dr. Michael Otto, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Otto Group und Vorsitzer des Kuratoriums der Werner Otto Stiftung, ausgezeichnet.

„Es ist mir eine große Freude, zwei hervorragende Fachleute aus dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf mit dem Preis der Werner Otto Stiftung zu ehren. Mit ihrem Engagement schaffen sie die Grundlage für neue Therapiemöglichkeiten“, erklärte Dr. Michael Otto. In einer immer älter werdenden Gesellschaft ist dies unverzichtbar, zum Wohle der Menschen, aber auch - das darf man nicht vergessen - aus wirtschaftlichen Gründen. Denn unser Gesundheitssystem kann aufgrund des zunehmenden Alters der Menschen nur dann überleben, wenn wir alle möglichst lange gesund und fit bleiben.“

Die Laudatio auf den Preisträger im Bereich der Grundlagenforschung, Dr. Mathias Gelderblom, hielt Prof. Dr. med Guido Sauter, stellvertretender Vorsitzer des Kuratoriums der Werner Otto Stiftung und Direktor des Instituts für Pathologie am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf. Die Laudatio auf den Preisträger im Bereich der Klinischen Forschung, Dr. Mahir Karakas, hielt Prof. Dr. Markus Graefen, ebenfalls Mitglied des Kuratoriums der Werner Otto Stiftung und Ärztlicher Direktor der Martini-Klinik am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf.

Der Preis der Werner Otto Stiftung zur Förderung der medizinischen Forschung wird alle zwei Jahre für hervorragende wissenschaftliche Leistungen in der Grundlagenforschung und in der Klinischen Forschung an in Hamburg tätige Forscher und Ärzte verliehen. Die Preisverleihung findet in diesem Jahr bereits zum 20sten Mal statt.

Mit dem Preis soll der Einsatz für neue, lebenswichtige Behandlungsmöglichkeiten und -methoden gewürdigt werden. Die beiden Preisträger erhalten jeweils ein Preisgeld in Höhe von 8.000 Euro.

Kurze Zusammenfassung der wissenschaftlichen Arbeiten beider Preisträger:

1. Grundlagenforschung im Bereich der Schlaganfall-Therapie
Dr. med. Mathias Gelderblom

Der ischämische Schlaganfall (Hirninfarkt) ist die zweithäufigste Todesursache und die häufigste Ursache für dauerhafte Behinderung in der westlichen Welt. Alleine in Hamburg gibt es jedes Jahr rund 9000 Todesopfer in diesem Bereich.

Im Rahmen eines solchen Schlaganfalls folgt die Schädigung des Gehirns in zwei Phasen. Der initiale Zelltod, verursacht durch Sauerstoff- und Glukose-Entzug, definiert zunächst den Infarkt-Kern. Auf diesen frühen Schaden folgt ein sekundäres Wachstum des Schlaganfall-Areals, für das eine lokale und systemische sterile Entzündungsreaktion ursächlich ist. Während die Mechanismen der frühen Gewebsschädigung in den vergangenen 20 Jahren Gegenstand intensiver neurowissenschaftlicher Forschungen waren, sind die Ursachen und Konsequenzen der sekundären Entzündungsreaktion weitgehend unklar. Die vorgelegten Publikationen beschäftigen sich mit den immunologischen Mechanismen der schädigenden Entzündungsreaktion.

Ziel der Arbeiten war es, innerhalb der Entzündungs-Kaskaden Bestandteile zu identifizieren, deren Aktivierung zentral für die Auslösung der entzündlichen Gewebsschädigung im Gehirn ist. Dies ist beispielsweise für den Botenstoff IL-17 gelungen.
Im zweiten Schritt wurde das therapeutische Potential untersucht, das in der Beeinflussung der identifizierten Mechanismen liegt. In den hierfür durchgeführten Experimenten konnte gezeigt werden, dass die Neutralisierung von IL-17 mit einer positiven Beeinflussung der Gewebsschädigung und damit einem verbesserten neurologischen Resultat verbunden ist.

Dr. Gelderblom ist es in seinen Studien gelungen, neue therapeutische Möglichkeiten für die Behandlung des ischämischen Schlaganfalls aufzuzeigen, die in nächsten Schritten auf die Anwendbarkeit am Menschen hin überprüft werden können.

2. Klinische Forschung im Bereich des Herzinfarktes:
Dr. med. Mahir Karakas:

In Deutschland leiden knapp vier Millionen Patienten an chronischen Herzerkrankungen. Etwa ein Viertel der betroffenen Patienten zeigt dabei eine rasche Verschlechterung bis hin zum plötzlichen Herztod. Bisher hatten die Ärzte keine Möglichkeit, diese gefährdeten Patienten von vornherein zu identifizieren. Das kann sich mit den nun vorliegenden klinischen Forschungsergebnissen von Dr. Karakas ändern.

Nur knapp zwei Prozent unseres menschlichen Erbgutes kodieren eine genetische Information – etwa den Bauplan für Proteine und Organe. Bei den restlichen 98% handelt es sich um nicht-kodierende Erbinformation – von Forschern lange Zeit verächtlich auch als „Junk“, Abfall, bezeichnet. Dieses „Junk“ genannte Erbgut enthält keine Bauanleitung für körpereigene Proteine. Deshalb haben Forscher der Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie am Universitären Herzzentrum Hamburg unter der Leitung des Preisträgers Dr. Karakas dieses „nichtkodierende“ Erbgut nun genauer untersucht. Ihr Interesse galt dabei insbesondere den sogenannten Micro-RNAs. Micro-RNAs sind kleine Gen-Schnipsel, die - so belegen es Studien - über die Jahrmillionen der Evolution in unserem Erbgut konserviert wurden. Die Untersuchungen zeigten, dass es sich bei den Micro-RNAs keineswegs um nutzlose Überbleibsel der Evolution handelt, sondern dass deren Funktion in der Regulation der Gene liegt. Die Micro-RNAs fungieren dabei als eigentliche Schaltzentralen der genetischen Entwicklung. Aktuell sind knapp 2.000 individuelle „Gen-Regulatoren“, Micro-RNAs, bekannt.

Dr. Karakas und seine Kollegen konnten nachweisen, dass bestimmte Micro-RNAs „in Gefahrensituationen“ aus der Zelle, in der sie lokalisiert wurden, freigesetzt werden und frei im Blut zirkulieren. Aus den beschriebenen 2.000 Micro-RNAs identifizierten die Forscher diejenigen acht, die bei Herzerkrankungen eine Rolle spielen. Im ersten Schritt des Forschungsprojektes gelang es, mittels der Bestimmung von acht herzspezifischen Micro-RNAs über eine simple Blutabnahme am Unterarm, die akute Diagnose des Herzinfarktes deutlich zu verbessern. Im zweiten Schritt wurde überprüft, ob diese Micro-RNAs auch zur individuellen Prognose bei herzkranken Patienten dienen. Dazu bestimmte das Forscher-Team bei über 1.000 Patienten mit akutem oder überlebtem Herzinfarkt die acht herzspezifischen Micro-RNAs und beobachtete diese Patienten im Durchschnitt über vier Jahre lang. Das Ergebnis der Studie zeigte, dass erhöhte Blutspiegel von Micro-RNAs hochspezifisch kardiovaskuläre Todesereignisse nach Entlassung aus dem Krankenhaus vorhersagen: Bei Herzinfarkt-Patienten etwa, die erhöhte Blutspiegel von Micro-RNA „19b“ (eines der acht identifizierten herzspezifischen Micro-RNAs) aufwiesen, war das Risiko, binnen der nächsten vier Jahre an einer kardiovaskulären Erkrankung zu versterben, um 359 % erhöht.

Dr. Karakas und sein Team konnten in der Studie belegen, dass herzkranke Patienten mit erhöhten Blutspiegeln für diese herzspezifischen Micro-RNAs eine massiv verschlechterte Prognose haben. Ihnen ist erstmals der Nachweis gelungen, dass Micro-RNAs wichtige Werkzeuge in der Risikoanalyse sind und genutzt werden können, um Hochrisiko-Patienten unter den Herzkranken zu identifizieren. Diese sollen in Zukunft engmaschig überwacht und strenger therapiert werden.

Nähere Informationen zur Werner Otto Stiftung finden Sie im Internet unter www.werner-otto-stiftung.de

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