Mehr Optimismus trotz wachsendem Fachkräftemangel und Kostendruck

Frühjahrsumfrage der norddeutschen M+E-Industrie

Hamburg, (PresseBox) - Die Konjunkturlage in der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie hat sich seit dem Herbst 2016 deutlich verbessert: 82 % der M+E-Betriebe beurteilen die gegenwärtige Geschäftslage als gut oder befriedigend, rund zehn Prozentpunkte mehr als vor einem halben Jahr. 58 Prozent erwarten, dass sich die Situation in den kommenden sechs Monaten nicht verändert, 30 % rechnen mit einer Verbesserung, nur 12 % mit einer Verschlechterung.

Allerdings sehen 57 % der Unternehmen keine Perspektive auf Umsatzsteigerungen, weswegen auch nur 21 % Personal suchen. 54 % beurteilen das Angebot an Fachkräften am Arbeitsmarkt als schlecht oder unbefriedigend, was einer Zunahme gegenüber dem Frühjahr von 10 % entspricht. 40 % der Betriebe gelang es gar nicht, 56 % nur teilweise, Kostensteigerungen am Markt mit Preiserhöhungen abzufangen.

Das sind die wichtigsten Ergebnisse der Frühjahrsumfrage 2017 unter den M+E-Arbeitgebern im Norden. Das Bündnis aus NORDMETALL, dem AGV NORD und drei weiteren Arbeitgeberverbänden hat 660 Unternehmen mit rund 150.000 Beschäftigten um ihre Konjunktureinschätzung gebeten.

Thomas Lambusch, Präsident von NORDMETALL, sieht für den gewachsenen Optimismus der Betriebe einen entscheidenden Grund: „Trotz der weltpolitischen Unsicherheiten hat sich die deutsche Industrie gut im Weltmarkt behauptet, vor allem M+E-Produkte werden weiter stark nachgefragt. Das lässt viele Unternehmen hoffnungsvoller in die Zukunft blicken. Es trübt aber nicht die Erkenntnis, dass die Industrie gerade im Norden mit zahlreichen ungelösten Problemen konfrontiert ist. Vor allem der Mangel an geeigneten Fachkräften macht  immer größere Sorgen, ebenso der weiter steigende Kostendruck: 96 Prozent der Firmen bleiben ganz oder teilweise auf den Kostensteigerungen sitzen, können sie nicht über höhere Preise an die Kunden weitergeben. Das schmälert Gewinnmargen und damit die Voraussetzungen für Investitionen und Arbeitsplätze.“

Diese ungelösten Probleme sind auch Ursache für eine große Zurückhaltung der Unternehmen bei der Aufstockung der Belegschaften: Nur 21 % planen dies, 71 % wollen das Beschäftigungsniveau halten, 8 % die Mitarbeiterzahl verringern.  NORDMETALL-Präsident Thomas Lambusch sieht hier hohen Handlungsbedarf. „Die Gewerkschaften müssen abseits ihrer Maiaufrufe zur Kenntnis nehmen, das wir gerade in der M+E-Branche mit durchschnittlichen Jahreseinkommen von 59.000 Euro in der weltweiten Spitze liegen. Wenn wir noch teurer werden, wird sich für viele Unternehmen die Standortfrage immer unausweichlicher stellen. Das Gleiche gilt für den immer schlimmer werdenden Fachkräftemangel: Wenn der Bund und die Länder nicht endlich wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung dieses Problems auf den Weg bringen, wird es viele Betriebe nicht in Deutschland halten.“

Die Unternehmen sehen die hohen Arbeitskosten mit 75 % als größtes Problem des Standortes Deutschland an. 15 % erwägen deshalb Produktionsverlagerungen ins Ausland. Stark gewachsen ist auch die Sorge über steigende Energiekosten im Land: Lag sie im letzten Herbst noch bei 28 %, so treibt sie nun 41 % der Unternehmen um. 32 % betrachten höhere Materialkosten als erschwerenden Wirtschaftsfaktor (Herbst 2016: 23 %), 39 % der Betriebe schätzen neue Gesetze als Wachstumshemmnis ein (Herbst 2016: 36 5).

Auch die Präsidentschaftswahl in Frankreich am kommenden Sonntag beunruhigt die norddeutschen Unternehmen: 39 % verkaufen dort ihre Waren, 30 % machen dort zwischen fünf und zehn Prozent ihres Umsatzes. 71 % befürchten, dass eine Wahl Marine Le Pens zur Präsidentin diese guten Beziehungen schädigen könnte.

Die M+E-Arbeitgeber im Norden befragen ihre Mitgliedsunternehmen halbjährlich nach Geschäftslage und Zukunftserwartungen. In diesem Frühjahr  nahmen 158 Unternehmen mit ca. 105.000 Beschäftigten daran teil.

Die Einzelergebnisse nach Bundesländern sowie Grafiken finden Sie unter der Pressemitteilung unter www.nordmetall.de/konjunktur.

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