Sektorengrenzen überwinden: Wie weg von der "Projektitis"?

Berlin, (PresseBox) - Gesundheits-IT-Lösungen können dazu beitragen, dass Patienten ganzheitlich versorgt werden und Silo-Denken im Gesundheitswesen aufgebrochen wird. Das muss aber auch politisch gewollt und mit Maßnahmen hinterlegt sein, die sektorenübergreifende Konzepte in die Regelversorgung bringen.

Aus Sicht der Krankenkassen sei es ein wichtiges Ziel, mit Gesundheits-IT-Lösungen die Qualität der medizinischen Versorgung zu verbessern, betonte Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK Gesundheit, in einer hochkarätig besetzten Diskussionsrunde im Networking-Programm der conhIT. Ein Grundproblem dabei sei aber, dass die Mauern zwischen den einzelnen Sektoren – ambulante Medizin, Krankenhauswelt und Pflegesektor – nach wie vor relativ solide sind. „Unsere Hoffnung ist, dass durch die Digitalisierung die Sektorengrenzen durchlässiger werden“, so Storm.

Strukturierte, kassenspezifische Versorgungsverträge, in denen IT-Werkzeuge genutzt werden, sind für den Kassenmanager dabei ein wichtiges Werkzeug – sowohl bei der Abwicklung der Versorgung als auch bei der Kommunikation mit dem Versicherten: „Wir haben auch deswegen ein so großes Interesse an elektronischen Patientenakten, weil sie eine Plattform sein können, mit der die Angebote einer Krankenkasse für die Versicherten transparenter gemacht werden können.“

Insgesamt müsse der Transfer bewährter Versorgungskonzepte aus dem Selektivvertragsumfeld in die Regelversorgung effizienter werden, so Storm. Er plädierte deswegen für eine deutliche Ausweitung sektorenübergreifender Versorgungsformen. Statt heute 1 bis 2 Prozent des GKV-Budgets sollten perspektivisch 10 bis 20 Prozent in solche Versorgungskonzepte fließen. Ziel seiner Krankenkasse sei, dass aus den Projektfinanzierungen des Innovationsfonds ein dauerhaftes „Innovationsbudget auf deutlich höherem Niveau“ werde.

Diese Vision blieb nicht unwidersprochen. Dr. Jan Neuhaus von der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft warnte davor, viele Millionen oder gar Milliarden Euro in Inselprojekte zu stecken, die letztlich Konkurrenzprojekte zur nationalen Telematikinfrastruktur sind und dieser indirekt sogar Geld entzögen. Bei kassenspezifischen Versorgungsverträgen bestehe immer die Gefahr, dass selbst gute Projekte nicht in die Regelversorgung übernommen würden, weil die gesundheitspolitischen Regularien das nicht hergäben.

Storm gab demgegenüber zu bedenken, dass Anwendungen, wie etwa eine innovative, IT-gestützte Wundversorgung, die die DAK heute schon anbietet, Jahre benötigen würden, um überhaupt eingesetzt werden zu können, wenn vorher erst einmal ein gesundheitssystemweiter Konsens angestrebt werden muss. Pilotprojekte seien deswegen auf Dauer der erfolgversprechendere Weg, sofern es gelinge, einen Mechanismus zu etablieren, über den erfolgreiche Projekte verpflichtend in Richtung Regelversorgung weiterentwickelt werden.

Dass hier Verbesserungsbedarf besteht, sieht auch die Politik so. Nötig seien Verfahrenswege, die es erlaubten, digitale Innovationen schneller in die Regelversorgung zu bekommen, betonte Stefan Bales vom Bundesministerium für Gesundheit: „Damit muss sich Politik beschäftigen.“ Umgekehrt müssten aber auch jene, die jetzt elektronische Patientenakten entwickeln, darauf achten, dass die Konzepte so gestaltet sind, dass sie zu den von der gematik zu definierenden Rahmenbedingungen passen.

Podiumsdiskussion: Scheitern die Systemakteure an ihren eigenen Sektorengrenzen?

Über die conhIT – Connecting Healthcare IT

Die conhIT richtet sich an Entscheider in den IT-Abteilungen, im Management, der Medizin und Pflege sowie an Ärzte, Ärztenetze und Medizinische Versorgungszentren, die sich über die aktuellen Entwicklungen von IT im Gesundheitswesen informieren, Kontakte in der Branche knüpfen und sich auf hohem Niveau weiterbilden wollen. Als integrierte Gesamtveranstaltung mit Messe, Kongress, Akademie und Networking-Events bündelt sie an drei Tagen die Angebote, die für die Branche attraktiv sind. Die conhIT, die 2008 vom Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg e.V. als Branchentreff der Healthcare IT initiiert wurde und von der Messe Berlin organisiert wird, hat sich mit über 500 Ausstellern und rund 9.000 Besuchern zu Europas wichtigster Veranstaltung rund um IT im Gesundheitswesen entwickelt.

Die conhIT wird in Kooperation von den Branchenverbänden Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg e.V., GMDS (Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie) e.V., BVMI (Berufsverband Medizinischer Informatiker) e.V. sowie unter inhaltlicher Mitwirkung von KH-IT (Bundesverband der Krankenhaus-IT-Leiterinnen/Leiter) e.V. und CIO-UK (Chief Information Officers – Universitätsklinika) gestaltet.

Diese Presse-Information finden Sie auch im Internet: www.conhit.de

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

News abonnieren

Mit dem Aboservice der PresseBox, erhalten Sie tagesaktuell und zu einer gewünschten Zeit, relevante Presseinformationen aus Themengebieten, die für Sie interessant sind. Für die Zusendung der gewünschten Pressemeldungen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse ein.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Vielen Dank! Sie erhalten in Kürze eine Bestätigungsemail.


Ich möchte die kostenlose Pressemail abonnieren und habe die Bedingungen hierzu gelesen und akzeptiert.