Ein weiter Weg zum Patient Empowerment

Berlin, (PresseBox) - Noch rümpfen viele Mediziner die Nase bei der Vision, der Patient solle nicht nur die Hoheit über seine Daten haben, sondern sie auch proaktiv ergänzen, kontrollieren und verwalten. Aber nicht zuletzt aufgrund des Datenschutzes führe kein Weg daran vorbei, so Healthcare IT-Experten.

„Die Interoperabilität kann nur der Patient herstellen“, formulierte es der unabhängige Gesundheitsexperte Peter Waegemann. Er formulierte damit den zunehmenden gesellschaftlichen Zwang, dem Patienten nicht nur de jure, sondern auch praktisch die Verfügung über seine Gesundheitsdaten und damit letztlich über sein eigenes Leben zu geben. Dazu bedürfe es nicht nur einheitlicher IT-Standards, sondern verständlicher Medizin-Sprache.

Die millionenfache Nutzung von Health-Apps eröffne der Medizin große Chancen, sagte Christoph Seidel vom Berufsverband Medizinischer Informatiker (BVMI). Aber die Online-Präsenz des Gesundheitswesens bleibt weit hinter den anderen Branchen zurück und ist lange nicht so auf den „Consumer“ ausgerichtet, wie Wolfgang Lippert von Salesforce, einem amerikanischen Unternehmen für Marketinglösungen, erklärte.

Der oft vorgebrachte Einwand, besonders ältere Patienten seien kaum in der Lage, mit Online-Anwendungen kompetent umzugehen, zieht nach Ansicht von Thomas Pettinger von Thieme Compliance nicht. Sein Unternehmen produziert Patienaufklärungsbögen. „Ältere können es besser“, sagte er, „weil sie IT brauchen, um sich die Bilder ihrer Enkel auf dem Tablet anschauen zu können.“ Die Gesundheitsindustrie tue gut daran, sich bei ihren Strukturen zur  Kommunikation mit Patienten „an WhatsApp zu orientieren“.

Die am Universitätsklinikum Heidelberg entwickelte PEPA (Persönliche einrichtungsübergreifende Gesundheits- und Patientenakte) soll sich weiter zu einer „Gesundheitsdrehscheibe“ entwickeln, wie Antje Brandner von der Klinik hofft. PEPA verknüpft institutionelle Akten mit der persönlichen Gesundheitsakte. Bisher ist sie  noch „arztgeführt“. Patienten können wählen, ob sie der Erstellung einer PEPA zustimmen oder nicht. „90 Prozent haben bisher zugestimmt“, sagte Brandner und sie wollten auch Einblick haben. Im Prinzip müsse der ihnen – nicht zuletzt aus Gründen der informationellen Selbstbestimmung - auch gewährt werden. Noch seien aber „Begleitstrukturen für die Patienten“ nötig. Bisher erstreckt sich der patientengeführte PEPA-Bereich offenbar auf die Beantwortung von Fragebögen zur Lebensqualität in postoperativen Phasen.

Waegemann wagte die These: „Wenn der Patient weiß, worum es geht, wird alles besser.“ Auch die Datenerhebung durch den Patienten habe Vorteile: „Der Manager soll seine Stressdaten im Büro messen und nicht in der Arztpraxis.“ Aber der Weg zum wirklichen „Patient Empowerment“ sei noch weit. So habe er einen Aufschrei der Empörung bei deutschen Ärzten geerntet, als er einen Bostoner Mediziner gelobt habe, der seine Patienten die Einträge in die Patientenakte vor dem Speichern auf Richtigkeit prüfen ließ, sagte Waegemann.

Session 15 | Gesundheits-IT vs. Consumer-IT – Unüberbrückbare Gegensätze oder die Notwendigkeit zum Handeln?

Über die conhIT – Connecting Healthcare IT

Die conhIT richtet sich an Entscheider in den IT-Abteilungen, im Management, der Medizin und Pflege sowie an Ärzte, Ärztenetze und Medizinische Versorgungszentren, die sich über die aktuellen Entwicklungen von IT im Gesundheitswesen informieren, Kontakte in der Branche knüpfen und sich auf hohem Niveau weiterbilden wollen. Als integrierte Gesamtveranstaltung mit Messe, Kongress, Akademie und Networking-Events bündelt sie an drei Tagen die Angebote, die für die Branche attraktiv sind. Die conhIT, die 2008 vom Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg e.V. als Branchentreff der Healthcare IT initiiert wurde und von der Messe Berlin organisiert wird, hat sich mit über 500 Ausstellern und rund 9.000 Besuchern zu Europas wichtigster Veranstaltung rund um IT im Gesundheitswesen entwickelt.

Die conhIT wird in Kooperation von den Branchenverbänden Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg e.V., GMDS (Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie) e.V., BVMI (Berufsverband Medizinischer Informatiker) e.V. sowie unter inhaltlicher Mitwirkung von KH-IT (Bundesverband der Krankenhaus-IT-Leiterinnen/Leiter) e.V. und CIO-UK (Chief Information Officers – Universitätsklinika) gestaltet.

Diese Presse-Information finden Sie auch im Internet: www.conhit.de

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

News abonnieren

Mit dem Aboservice der PresseBox, erhalten Sie tagesaktuell und zu einer gewünschten Zeit, relevante Presseinformationen aus Themengebieten, die für Sie interessant sind. Für die Zusendung der gewünschten Pressemeldungen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse ein.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Vielen Dank! Sie erhalten in Kürze eine Bestätigungsemail.


Ich möchte die kostenlose Pressemail abonnieren und habe die Bedingungen hierzu gelesen und akzeptiert.