App ist nicht gleich App

Berlin, (PresseBox) - Mit zunehmender Verbreitung von Apps im Gesundheitswesen stelle sich immer stärker die Frage nach ihrer Qualität – so der Tenor einer conhIT-Podiumsdiskussion. Eine mögliche Zertifizierung als medizinisches Gerät stelle die Industrie vor große Herausforderungen, während der Patient erwarte, dass die App absolut zuverlässig arbeite und nicht erst nach mehreren Updates eine seriöse Nutzung ermögliche. Andererseits müsse nicht jeder Schrittzähler im Wellnessbereich klinisch geprüft sein.

Die erste Erkenntnis in dieser Sache: Es sind bereits mehr als 100.000 Gesundheits-Apps im Einsatz, und nicht immer ist ihre Qualität befriedigend. Andererseits könnte eine Überregulierung vielen Start-ups den Garaus machen, gab Katrin Keller von Samedi zu bedenken. Sie plädierte dafür, die Apps zu typologisieren. Wolfgang Lauer vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gab zwar zu, dass die Regulierungsverfahren in Deutschland vor allem hinsichtlich ihrer Dauer hinter der App-Entwicklung herhinkten: „Die Regulierer haben noch viele Hausaufgaben zu machen.“ Aber er meinte auch, es sei nicht denkbar, dass für Apps, die als medizinische Geräte dienen sollen, keine Zugeständnisse bei den Qualitätsstandards gemacht werden dürften, da die Konsequenzen gravierender sein könnten als bei Wellness-Apps. Es spreche im Übrigen nichts dagegen, wenn Hersteller oder Verbände zusätzliche Qualitätssiegel vergäben. Nur ersetzen könnten sie die gesetzliche CE-Zertifizierung nicht.

Ralph Molner von der Barmer sagte, auch die CE-Zertifizierung bedeute nicht automatisch eine Kostenübernahme durch die Kassen. Das Zertifikat bescheinige lediglich, dass das Gerät so arbeite wie es der Hersteller beschreibe, und dass bestimmte Gefahren ausgeschlossen seien. Der Kasse gehe es letztlich nicht darum, als moderner Anbieter möglichst digital auf dem Markt in Erscheinung zu treten, sondern die Versorgung zu verbessern. Nach Ansicht von Urs-Vito Albrecht von der Medizinischen Hochschule Hannover, die vor einem Jahr eine Qualitätsstudie zu Gesundheits-Apps veröffentlichte, ist trotz der hohen Zahl von Apps auf dem Markt die Zeit noch nicht reif, um sagen zu können, in welchen Versorgungsebenen die Apps zur Verbesserung beigetragen hätten.

Für das Bundesgesundheitsministerium sagte der Leiter der Abteilung eHealth, Nino Mangiapane: „Die App schlechthin gibt es nicht.“ Die Intensität der Qualitätsprüfungen vor der Zulassung beziehungsweise der Marktreife hänge von dem Einsatzgebiet ab. „Die Versorgung unterliegt ganz anderen Kategorien als die Prävention“, schloss sich Molner der Argumentation an. Einig waren sich alle Teilenehmer, dass sich mit der bereits vom EU-Parlament verabschiedeten neuen Medizinprodukteverordnung die Anforderungen an die Qualitätsprüfung erhöhen. Ob das zu einer Marktverdrängung kleiner Unternehmen führe, sei noch offen.

Podiumsdiskussion: Qualität von Apps in der medizinischen Versorgung

Über die conhIT – Connecting Healthcare IT

Die conhIT richtet sich an Entscheider in den IT-Abteilungen, im Management, der Medizin und Pflege sowie an Ärzte, Ärztenetze und Medizinische Versorgungszentren, die sich über die aktuellen Entwicklungen von IT im Gesundheitswesen informieren, Kontakte in der Branche knüpfen und sich auf hohem Niveau weiterbilden wollen. Als integrierte Gesamtveranstaltung mit Messe, Kongress, Akademie und Networking-Events bündelt sie an drei Tagen die Angebote, die für die Branche attraktiv sind. Die conhIT, die 2008 vom Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg e.V. als Branchentreff der Healthcare IT initiiert wurde und von der Messe Berlin organisiert wird, hat sich mit über 500 Ausstellern und rund 9.000 Besuchern zu Europas wichtigster Veranstaltung rund um IT im Gesundheitswesen entwickelt.

Die conhIT wird in Kooperation von den Branchenverbänden Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg e.V., GMDS (Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie) e.V., BVMI (Berufsverband Medizinischer Informatiker) e.V. sowie unter inhaltlicher Mitwirkung von KH-IT (Bundesverband der Krankenhaus-IT-Leiterinnen/Leiter) e.V. und CIO-UK (Chief Information Officers – Universitätsklinika) gestaltet.

Diese Presse-Information finden Sie auch im Internet: www.conhit.de

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

News abonnieren

Mit dem Aboservice der PresseBox, erhalten Sie tagesaktuell und zu einer gewünschten Zeit, relevante Presseinformationen aus Themengebieten, die für Sie interessant sind. Für die Zusendung der gewünschten Pressemeldungen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse ein.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Vielen Dank! Sie erhalten in Kürze eine Bestätigungsemail.


Ich möchte die kostenlose Pressemail abonnieren und habe die Bedingungen hierzu gelesen und akzeptiert.