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Pressemitteilung BoxID: 14119 (Medienbüro Sohn)
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Tarifkartell gefährdet IT-Standort Deutschland

Wirtschaftsexperten fordern Reform des deutschen Arbeitsmarktes

(PresseBox) (Hamburg/Frankfurt am Main, ) Die deutsche Konjunktur verharrt immer noch in der Stagnation, viele Unternehmen bauen weiter Personal ab und der internationale Wettbewerbsdruck ist immens. Das gilt besonders für Unternehmen der Telekommunikation und Informationstechnik, auch wenn es einige Anzeichen für ein Ende der Talsohle gibt. Bei der Ursachenanalyse für die Misere in Deutschland sind sich Wirtschaftsweisen, Sachverständigenrat, Bundesbank und auch der Bundeswirtschaftsminister einig: Die Lohnkosten bewegen sich auf hohem Niveau und sind zu wenig nach Qualifikation, Region, Rentabilität der Unternehmen und Tätigkeit differenziert. Ähnliches gilt für die betrieblichen Arbeitszeiten - zu kurz, zu einheitlich.

„Auch wenn Politiker meinen, den Aufschwung herbeireden zu können, fahren die Unternehmen fort, Arbeitsplätze abzubauen oder in sogenannte Niedriglohnländer auszulagern. Ohne einen Abbau der ‚Besitzstände’, die das Tarifkartell auf dem Arbeitsmarkt geschaffen hat, ist eine nachhaltige Überwindung der wirtschaftlichen Stagnation in Deutschland nicht mehr vorstellbar“, so der Frankfurter Fachjournalist Edgar Gärtner http://www.gaertner-online.de. Doch während Vertreter der Bundesregierung und der Opposition noch im Vermittlungsausschuss um Kompromissformeln für die Reform des deutschen Arbeitsmarktes ringen, seien Dienstleistungsunternehmen der Informationstechnik- und Telekommunikationsbranche längst gezwungen, Tatsachen zu schaffen.

So wird Siemens im großen Stil die Software-Entwicklung, Fertigung und Buchhaltungsfunktionen nach Osteuropa auslagern. "Wir müssen uns diesem Trend stellen, wie alle unsere Wettbewerber, und teilweise auch Aktivitäten dorthin verlagern", sagte Siemens-Zentralvorstand Johannes Feldmayer gegenüber der Financial Times Deutschen (FTD) http://www.ftd.de. Sein Konzern müsse die Kostenvorteile und das Potenzial hoch qualifizierter Software-Ingenieure nutzen. "Wir treffen da auf ganz fantastische Mitarbeiter mit hervorragender Ausbildung", so Feldmayer im FTD-Gespräch. Als einen wichtigen Grund nannte der Manager die schlechten Rahmenbedingungen in Deutschland. Feldmayer ist überzeugt davon, dass der in den USA und Großbritannien schon weit vorangeschrittene Trend zum Offshoring den Reformdruck in Deutschland erhöhen wird.

„Alle Beteiligen wissen, dass inzwischen nicht mehr nur einfache Tätigkeiten in asiatische und osteuropäische Länder verlagert werden, sondern auch hochqualifizierte IT-Dienstleistungen. Deshalb sollten wir zu neuen Lösungen gelangen, um den IT-Standort Deutschland attraktiver zu machen,“ erklärt der NextiraOne-Geschäftsführer Helmut Reisinger http://www.nextiraone.de.

Selbst die IG Metall http://www.igmetall.de hat in einem internen Papier darauf hingewiesen, dass Kunden großer Anbieter von IT-Leistungen wie T-Systems bereits wie selbstverständlich Offshore-Anteile in der Angebotskalkulation erwarten und T-Systems dementsprechend Partnerschaften mit den indischen Firmen Syntel und Mascot-Systems eingegangen ist. Schon jetzt betrage der Offshore-Anteil deutscher IT-Firmen etwa drei Prozent des Umsatzes und werde nach Schätzungen von Unternehmensberatern in den nächsten fünf Jahren auf 20 Prozent ansteigen. „Über die konkreten Auswirkungen für die IT-Beschäftigten am Standort Deutschland durch die Aufnahme von Offshore-Leistungen kann derzeit nur spekuliert werden. Problematisch wird es vor allem bei Leistungen, die im Ausland in gleicher Qualität günstiger zu bekommen sind“, stellt die IG-Metall fest. Maßnahmen gegen die Verlagerung ins Ausland könne die Gewerkschaft noch nicht anbieten, man möchte aber einen Beitrag dazu leisten, „die Diskussion voran zu treiben und zu vertiefen“.

In der öffentlichen Diskussion bewirkt die Haltung der Gewerkschaften Kopfschütteln: „Die untergründige Botschaft der IG Metall lautet immer noch: Weiter so! Statt uns dem Weltmarkt anzupassen, glauben unsere Gewerkschaften immer noch, es wäre besser, die ganze Welt richtete sich nach den deutschen Flächentarifen. Es ist aber wenig wahrscheinlich, dass uns die Welt diesen Gefallen tun wird“, zweifelt der Wirtschaftsexperte Edgar Gärtner.