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Pressemitteilung BoxID: 201589 (Medienbüro Sohn)
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IFA: Geräteindustrie betreibt Feature-Fetischismus

"Absolute Verbraucherorientierung" noch ein Lippenbekenntnis

(PresseBox) (Bonn, ) Vorabmeldung des Magazins NeueNachricht, www.ne-na.de, bei Quellen-Nennung zur Veröffentlichung frei.

Laut aktueller IBM CEO-Studie 2008 http://www-935.ibm.com/services/de/bcs/html/ceostudy.html betrachten Top-Manager anspruchsvolle Verbraucher nicht als Bedrohung, sondern als Chance zur Differenzierung. "Sie investieren mehr Zeit und Geld in Aktivitäten und Programme, um die Aufmerksamkeit und das Wohlwollen dieser besser informierten und insgesamt kritischeren Kunden zu gewinnen", teilt IBM in einer Presseaussendung mit. Das gelte auch für die Vorstandschefs der Unterhaltungsindustrie. Um insgesamt 23 Prozent wollen sie ihre Ausgaben für entsprechende Maßnahmen innerhalb der nächsten drei Jahre erhöhen. Besonders die Themen Corporate Social Responsibility und Umweltschutz stehen dabei im Fokus: Hier sollen die Investitionen sogar um 44 Prozent wachsen. "Wir erreichen die Ära einer absoluten Verbraucherorientierung in der CE-Industrie. Die Zeiten, in denen es reichte, einfach nur neue Technologie oder das neueste elektronische Spielzeug in den Markt zu pumpen, sind endgültig vorbei", sagt IBM-General Manager Bruce A. Anderson.

"Die 'absolute Verbraucherorientierung' halte ich bei vielen Herstellern von Endgeräten und Software für ein Lippenbekenntnis. Auch wenn vielfach von 'User Experience' gesprochen wird, können die wenigsten Unternehmen für sich in Anspruch nehmen, dass ihre multimedial und funktional überladenen Endgeräte dem Nutzer in seinen Bedürfnissen und kognitiven Möglichkeiten gerecht werden. Zumindest immer dann, wenn auch Zielgruppen über 30 Jahre erreicht werden sollen", kritisiert Bernhard Steimel, Sprecher der Voice Days http://www.voicedays.de und Geschäftsführer der Unternehmensberatung Mind Business Consultants http://www.mind-consult.net, im Gespräch mit NeueNachricht http://www.ne-na.de.

So sei der "Feature-Fetischismus" bei Handyherstellern besonders abschreckend. "Die Geräte präsentieren sich als ultimative Alleskönner mit Kamera, MP3-Player, E-Mail-System und vielen anderen Anwendungen. Die meisten Funktionen gehen aber am Otto-Normal-Verbraucher vorbei", moniert Steimel. Ein Intel-Forscher habe es kürzlich auf den Punkt gebracht: "Mein Handy ist zu klein für meine Finger, wenn ich damit Filme schauen oder Mails lesen will."

Apple habe sicherlich mit dem iPhone eine Revolution gestartet. "Steve Jobs hat gezeigt, wie einfach und intuitiv die Bedienung eines Multifunktionsgeräts sein kann. Aber auch Touchscreens haben Nachteile: Wenn man beim Telefonieren schwitzt und dabei eine Funktion aktiviert. Aus unserer Sicht spricht daher einiges dafür, dass die Sprachsteuerung als natürliches Interface als Bedienungsmodus zum Einsatz kommt, um die Mensch-Maschine-Interaktion zu verbessern", so das Fazit von Steimel zum Ende der Internationalen Funkausstellung (IFA).

Ob Sprachsteuerung oder Tastatureingabe am Bildschirm - die elementaren Prinzipien für gutes Interface-Design sind nach Ansicht des Sprachdialogexperten Lupo Pape immer dieselben. "Auf einen Nenner gebracht: Anstatt darum zu kämpfen, die Maschine zu verstehen, wollen wir uns von der Maschine verstanden fühlen", so Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge http://www.semanticedge.de in Berlin. Er setzt darauf, dass dies demnächst im wörtlichen Sinne gilt. Schon jetzt benutzt er seinen persönlichen Assistenten im Mobiltelefon, dem er einfach sagt, wen er als nächstes anrufen möchte. Professor Norbert Bolz von der TU-Berlin wirbt um Verständnis angesichts mancher Auswüchse an Zusatzfunktionen und Untermenüs. Denn gerade das Einfache sei inzwischen so schwer geworden. "Die Verführung durch die unendlich vielen technischen Möglichkeiten ist heute natürlich so groß wie nie zuvor. Deshalb gehört schon geradezu Askese dazu, auf irgend etwas verzichten zu können, sowohl als User zu verzichten auf das, was technisch möglich wäre mit einem bestimmten Gerät, aber vor allen Dingen natürlich auch, als Ingenieur darauf zu verzichten, alles, was technisch möglich wäre, auch in ein Gerät hineinzubauen."