Vom Acker ins Erdgasnetz

(PresseBox) ( Berlin, )
Die begrenzten Ressourcen an fossilen Energieträgern und die drastische Zunahme von klimaschädlichen CO2-Emissionen erfordern ein Umdenken. Die deutsche Gaswirtschaft setzt daher zunehmend auf regenerativ erzeugtes Biomethan, das fossiles Erdgas ersetzen kann. Dies könnte nicht nur in der Strom- und Wärmeerzeugung, sondern auch im Straßenverkehr zukünftig zu erheblichen CO2-Reduzierungen führen.

Die Bundesregierung hat in ihrem im August 2007 verabschiedeten Paket zum Klimaschutz betont, dass Biogas als Kraftstoff für sie eine besondere Rolle spielt und will ein Biogaseinspeisegesetz auf den Weg bringen. Damit soll die Einspeisung erleichtert, die Importabhängigkeit bei Erdgas verringert und Impulse für klimaschonende Energieerzeugung gegeben werden.

Der Prozess klingt eigentlich recht einfach: Aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais oder Grünschnitt und organischen Abfällen, Gülle oder Klärschlamm wird durch Vergärung zunächst Biogas hergestellt. Das Rohbiogas wird anschließend in speziellen Aufbereitungsanlagen zu Biomethan veredelt. Dieses veredelte Gas hat die gleiche Qualität wie das fossile Eine Gemeinschaftskampagne von: 2 Erdgas – darum wird es auch BioErdgas genannt – und kann daher in das Erdgasleitungsnetz eingespeist werden. So gelangt es dann sowohl in die Haushalte als auch zu den Erdgastankstellen. Erdgasfahrzeuge können mit beliebigen Mischungen aus BioErdgas und Erdgas ebenso wie mit reinem BioErdgas betrieben werden. Der CO2-Vorteil ist je nach BioErdgasanteil und Art der zur Herstellung eingesetzten Biomasse erheblich: Bis zu 90 Prozent Reduktion können erreicht werden. Und damit im Produktionsprozess nichts ungenutzt bleibt, wird der Gärrest bei der Biogaserzeugung als Biodünger ausgebracht oder im Gärrestlager gasdicht verschlossen nachgegärt, um auch noch das daraus entstehende Biogas zu nutzen. Damit ist die Produktion und Verwendung von BioErdgas ein perfekter, geschlossener CO2-Kreislauf zum Schutz von Klima und Ressourcen.

Auf dem Weg von der Theorie zur Praxis sind zwar noch einige Hürden zu überwinden, doch die Perspektive ist sehr realistisch, wie erste Beispiele zeigen. Erstmals wurde im Dezember 2006 das Einspeisen von BioErdgas ins Erdgasnetz Realität. In Pliening bei München nahm Bayerns größte BioErdgasanlage den Betrieb auf. Seitdem fließt im Rahmen eines Pilotprojekts aufbereitetes Biogas ins Erdgasnetz der Stadtwerke München. So kann bereits an zwei Münchener Tankstellen Erdgas als Kraftstoff mit einem Anteil von 20 Prozent BioErdgas getankt werden.

Doch noch ist der „grüne“ Kraftstoff Mangelware. Um Biogas in großen Mengen herzustellen, sind über die Eine Gemeinschaftskampagne von: 3 derzeit rund 3.500 überwiegend landwirtschaftlichen Biogasanlagen hinaus mehr und größere Produktionsanlagen sowie entsprechende Aufbereitungskapazitäten für BioErdgas nötig. Mehrere Gasversorgungsunternehmen investieren bereits. Der Regensburger Energieversorger Rewag zum Beispiel will zusammen mit der Schwandorfer Schmack Energieholding in den nächsten Jahren für rund 50 Millionen Euro fünf Biogasanlagen mit einer Leistung von jeweils fünf Megawatt bauen. Bei einem Einsatz nur für die Kraftstoffproduktion würde jede dieser Anlagen ausreichen, um täglich 400 Pkw mit Biomethan zu betanken. Die neue E.ON Bioerdgas GmbH in Essen will sechs Anlagen errichten; eine davon soll noch in diesem Jahr den Betrieb aufnehmen. Im brandenburgischen Rathenow ist der Bau einer BioErdgasanlage der EMB Erdgas Mark Brandenburg GmbH geplant, deren BioErdgas ab dem Frühsommer 2008 unter anderem die 13 Berliner Erdgastankstellen des Berliner Gasversorgers Gasag versorgen soll.

Von Biogas zu Biomethan Zwischen der Produktion des Rohgases und der Einspeisung ins Leitungsnetz liegt die Aufbereitung, die technisch aufwändig und kapitalintensiv ist. Rohbiogas hat einen Methangehalt von zirka 55 Prozent. Der Rest sind Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff, Stickstoff und Sauerstoff. Die Methanmoleküle, die eigentlichen Energieträger im Biogas, unterscheiden sich in keiner Weise von denen im Erdgas aus Sibirien oder den Tiefen der Nordsee. „Aufpeppen“ lässt sich die Energie vom Acker in der Aufbereitungsanlage: In unterschiedlichen Verfahren, zum Beispiel mittels Eine Gemeinschaftskampagne von: 4 Druckwechseladsorbtion, wird das Biogas vom Kohlendioxid getrennt, entschwefelt, getrocknet sowie verdichtet und so zu Biomethan veredelt. Mit einem Methangehalt von knapp 96 Prozent hat es in chemischer Hinsicht Erdgasqualität und kann dieses ersetzen.

Nicht nur die Aufbereitung zu BioErdgas ist eine anspruchsvolle technische Aufgabe, sondern auch die Einspeisung in das Leitungsnetz. Denn die Eigenschaften von Erdgas, wie zum Beispiel der Brennwert und die Dichte, variieren je nach Herkunft. So hat Nordseegas eine andere Beschaffenheit als Gas aus Russland. „Damit Biomethan in das Erdgasnetz eingespeist werden kann, darf es sich nicht mehr von Erdgas unterscheiden. Nur so sind reibungslose Anwendungen, die alle genau auf die lokal vorhandene Gasqualität eingestellt sind, und die Abrechnungsgerechtigkeit gewährleistet“, erläutert Gerhard Hülsemann von RWE Transportgas. Derzeit ist die Einspeisung ins Erdgasnetz noch mit zahlreichen Herausforderungen verbunden, die sich aus den Aspekten Wirtschaftlichkeit, Vertrieb, Gasmengen-Bilanzierung und Qualitätskontrolle ergeben.

Dennoch ist die Gaswirtschaft optimistisch, diese Herausforderungen zu bewältigen. Einen BioErdgasanteil von zehn Prozent am heutigen Absatz von Erdgas als Kraftstoff – das entspricht rund 100 Milliarden Kilowattstunden – hat die Gaswirtschaft in einer freiwilligen Selbstverpflichtung zugesagt. Bis 2020 soll dieser Anteil sogar auf 20 Prozent verdoppelt werden.
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