Doktorandin am MPI für Informatik erhält Google PhD Fellowship und Frauen MINT Award

Saarbrücken, (PresseBox) - Franziska Müller, seit einem Jahr Doktorandin bei Professor Christian Theobalt am Max-Planck-Institut für Informatik, ist von der Firma Google mit einem "Google PhD Fellowship" ausgezeichnet worden. Mit diesem Preis werden junge Wissenschaftler gewürdigt, von denen Google erwartet, Teil der globalen Elite im Fach zu werden; für 2017 wurden lediglich 33 (nach 39 im Jahr 2016) dieser Stipendien für den Raum Nord-Amerika, Europa und Mittlerer Osten vergeben, davon nur dieses eine nach Deutschland. Gleichzeitig zum Google PhD Fellowship hat Franziska Müller einen von fünf "Frauen-Mint-Award" Preisen gewonnen. Bei dieser von der Deutschen Telekom ausgeschriebenen Auszeichnung wurde ihre Masterarbeit deutschlandweit als beste im Wachstumsfeld "Industrie 4.0" bewertet.

Das Google PhD Fellowship Programm wurde 2009 geschaffen, um verheißungsvolle Informatik-Doktoranden zu unterstützen. Neben finanziellem Support für drei Jahre, steht den Stipendiaten ein Mentor zur Seite, um sie für die ersten Karriereschritte anzuleiten. Dabei bedürfen die Doktoranden der Unterstützung ihrer Universität: Ein offizieller Vertreter der Einrichtung muss bei Google den Vorschlag einreichen, der durch ein research proposal des Doktoranden ergänzt wird. Dabei ist die Anzahl der Vorschläge auf zwei je Universität begrenzt. Google wählt zunächst aus, welche Universitäten ausreichend Reputation besitzen um überhaupt Vorschläge unterbreiten zu können; die Universität des Saarlandes gehört seit Anbeginn dazu. Durch dieses Engagement, das die Doktoranden vor Ort unterstützt, stärkt Google den jeweiligen Standort ohne primär eigene Interessen zu verfolgen oder gar die Forschungsrichtung vorzugeben.

Mit ihrem Forschungsthema "Real-time Hand and Object Tracking in General Scenes From a Single RGB-D Camera" konnte sich Franziska Müller gegen starke internationale Konkurrenten durchsetzen und wurde als einer von fünf Gewinnern in der Kategorie Machine Perception, Speech Technology and Computer Vision ausgewählt.
Auch wenn für sie einen mathematischen Beweis zu führen gleich spannend ist, wie einen Algorithmus zu entwickeln, hatte sich Franziska Müller nach dem Abitur für ein Informatik-Studium an der Universität des Saarlandes entschieden und dies nach eigenem Bekunden nicht bereut. Nach 5 Semestern bis zum Bachelor, erreichte sie in nur einem Jahr den Studienabschluss Master of Science mit der jetzt von der Tele-kom ausgezeichneten Masterarbeit "Real-Time Hand-Object Tracking Using a Single Depth Camera".

Nach heutigen Prognosen wird die Gestenerkennung eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Sowohl bei der Steuerung von Computern, in virtueller und erweiterter Realität oder beim Zusammenspiel mit Robotern kann die Präzision der menschlichen Hand neue Interaktionsmöglichkeiten eröffnen. Voraussetzung dafür ist, dass der Computer die Geste präzise erfasst. Es ist eines der schwierigen Forschungsthemen derzeit, Algorithmen zu entwickeln, die präzise, schnell und zuverlässig erkennen, welche Geste die Hand ausführt.

Während ihrer Masterarbeit in der Arbeitsgruppe Graphics, Vision & Video befasste sich Franziska Müller mit dem Thema, aus Videoaufnahmen die Skelettbewegung einer Hand zu erkennen, wenn diese ein Objekt bewegt. Für einen menschlichen Beobachter sind die Bewegungen von Händen tägliche Routine. Entsprechend leicht fällt es, die Lage jedes Fingers zu erahnen, selbst wenn größere Bereiche verdeckt sind. In ihrer Masterarbeit verwendete Franziska Müller zur Beobachtung der Handbewegung eine Tiefenkamera, die neben dem üblichen zweidimensionalen Bild auch den Abstand der Objekte von der Kamera erfasst. Dass diese computer-basierte Handverfolgung in Echtzeit (auf einem einzelnen gut ausgestatteten Rechner) abläuft ohne dass Markierungspunkte an den Gelenken angebracht sind, oder gar ein spezieller Handschuh getragen werden muss,  bezeugt die meisterliche Qualität des Computeralgorithmus, den Franziska Müller gemeinsam mit ihrem Doktorvater Christian Theobalt und Kollegen entwickelt hat.

Franziska Müllers sehr gute Leistungen wurden schon mehrfach gewürdigt, so hatte sie im ersten Studienjahr ein Deutschlandstipendium und danach bis zu ihrem Master-Abschluss eines der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Für die Masterarbeit erhielt sie die nach dem Nestor der Saarbrücker Informatik Günter Hotz benannte Medaille, die für die jährlich besten Masterabschlüsse der Informatik vergeben wird. Zusammen mit Ihrem Doktorvater Christian Theobalt und dessen Mitarbeitern ist sie bereits auf zwei Veröffentlichungen vertreten, die international in der Spitzengruppe spielen.

In der Arbeitsgruppe von Professor Theobalt, in der Franziska Müller ihre Masterarbeit angefertigt hat und für ihre Doktorarbeit forscht, wird das Erkennen von menschlichen Posen und Gesten durch Computeralgorithmen seit vielen Jahren intensiv erforscht, die Gruppe gehört hierin zu den weltbesten. Christian Theobalt wurde für seine diesbezüglichen Arbeiten mehrfach ausgezeichnet, darunter auch mit einem ERC Starting Grant von der Europäischen Forschungsgemeinschaft.

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