Schneller, transparenter und sicherer – revolutioniert RFID die Logistik?

Hamburger Logistiker: steigendes Interesse an RFID

Hamburg, (PresseBox) - Die Zukunft gehört der Radio-Frequenz-Identifikation (RFID) – darin sind sich viele Experten einig. Nach wie vor wird die Technik jedoch kontrovers diskutiert. Wie sieht es mit den Vor- und Nachteilen aus? Lohnt sich der Einsatz nur für große Logistikunternehmen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich auch der von der Logistik-Initiative Hamburg gegründete Arbeitskreis Future Logistics und untersucht derzeit den RFID-Einsatz im Containerverkehr.

Immer mehr Unternehmen denken über den Einsatz der RFID-Technologie nach, die es ermöglicht, Objekte über Funk zu identifizieren. Diese Technologie basiert auf einem Chip sowie einer Antenne (RFID-Tag) und einem Lesegerät (Scanner). Für viele Logistikunternehmen kann sich eine Investition in RFID lohnen, ebenso für Markenhersteller im Kampf gegen Produktpiraterie, Lebensmittelhersteller, Handelskonzerne und Pharmaunternehmen zur Vermeidung gefälschter Arzneimittel. Auch Hamburger Krankenhäuser denken über die Einführung von RFID bei der Patientenidentifizierung nach. „Die Vorteile von RFID zur Verbesserung wirtschaftlicher Prozesse liegen klar auf der Hand“, sagt Prof. Dr. Peer Witten, Sprecher der Logistik-Initiative Hamburg. „Trotzdem muss in der Öffentlichkeit noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden.“ Den Befürchtungen vieler Endverbraucher, RFID würde sich über Datenschutzbestimmungen hinwegsetzen und sie zum gläsernen, allzeit überwachten Kunden machen, können Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit verstärkter Aufklärung entgegenwirken. Erst eine breite Akzeptanz in der Öffentlichkeit ermöglicht eine flächendeckende RFID-Einführung.

Arbeitskreis Future Logistics: Verbesserung der Logistikprozesse

„Hamburg als wichtige Logistikdrehscheibe muss sich den erhöhten Anforderungen der Logistikbranche stellen“, sagt Prof. Dr. Witten. „Zu diesem Zweck wurde der Arbeitskreis Future Logistics gegründet. Sein Ziel ist die Entwicklung effizienter Logistikprozesse auf Basis innovativer Technologien.“ Zurzeit ist unter anderem der RFID-Einsatz im Containerverkehr ein wichtiges Thema: Die Arbeitskreis-Mitglieder bilden die Prozesskette von internationalen Containertransporten ab, um zu untersuchen, an welchen Stellen und in welcher Form der Einsatz von RFID möglich ist. „Außerdem wollen wir analysieren, wo Einsparpotenziale bestehen“, sagt Prof. Dr. Thorsten Blecker, Leiter des Arbeitskreises Future Logistics und Professor an der Technischen Universität Hamburg-Harburg. „Hier soll jeder einzelne Teilprozess der gesamten Logistikkette detailliert untersucht werden.“ Die Logistik-Initiative Hamburg unterstützt vor allem kleine und mittelständische Logistikunternehmen. Insbesondere für diese Unternehmen bietet der Arbeitskreis eine geeignete Plattform und fördert die Entwicklung von Projekten mit Mittelständlern.

Vorteil Schnelligkeit – Nachteil Kostenfaktor

Im Vergleich zu herkömmlichen Barcodes verspricht die RFID-Technik einige Vorteile: Die Tags (Chip plus Antenne) sind resistenter gegen Verschmutzungen und Beschädigungen. Zwischen dem Lesegerät und dem Tag muss keine Sichtverbindung bestehen. Darauf basiert ein weiterer Vorteil: die Pulkerfassung, also das gleichzeitige Erfassen mehrerer Produkte ist möglich. Doch auch Barcodes entwickeln sich weiter. 2D-Barcodes verfügen ebenfalls über eine große Speicherkapazität. Zudem sind Barcodes systemübergreifend einsatzfähig, da es hier einheitliche Standards gibt. In der RFID-Technik hat sich eine universell einsetzbare Frequenz noch nicht durchgesetzt. „Hochfrequenz-Tags sind global auf 13,59 MHz standardisiert“, sagt Prof. Dr. Thorsten Blecker. „Bei Ultrahochfrequenz-Tags bestehen unterschiedliche Frequenzen von 860 bis 920 MHz, aber die Tags sind mittlerweile alle breitbandig, so dass ein Tag aus den USA auch in Europa gelesen werden kann, allerdings mit einer geringeren Reichweite von rund 20 Prozent.“ Einheitliche Standards sind notwendig, um RFID problemlos in internationalen Logistikketten einzusetzen. Die Standardisierungsorganisation EPCglobal hat kürzlich mit EPCIS (EPC Information Services) einen Schritt in diese Richtung gemacht. Dieser neue Standard soll weltweit in allen Branchen die Transparenz von Warenströmen sichern.

Metalle und Flüssigkeiten wirken sich störend auf die Technik aus, an Lösungen wird jedoch geforscht. Die Kosten für RFID-Systeme und Tags halten noch viele Unternehmen davon ab, diese Technik einzusetzen. Je weiter die Tags entwickelt sind, desto teurer sind sie. Die Günstigsten nähern sich der 10-Cent-Grenze. „Auch die Anschaffung der Lesegeräte und die Anpassung der Logistik-Infrastruktur sind ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor“, sagt Prof. Dr. Thorsten Blecker. „Logistiker sollten daher genau prüfen, wann sich eine Investition in RFID lohnt.“

Unternehmen testen innovative Technologie in Hamburg

Einer der Vorreiter beim Einsatz von RFID ist der Kölner Handelskonzern REWE. Seit 2005 testet REWE die Technik im Lager in Norderstedt, nördlich von Hamburg, und startete im März 2007 die Umsetzung: Die Technologie kommt im Wareneingangs-, Einlagerungs-, Kommissionierungs- und Warenausgangsprozess zum Einsatz – insgesamt 120 Lieferanten wurden angesprochen. REWE setzt auf globale Standards und wird bei der Einführung von der Standardisierungsorganisation GS1 Germany unterstützt. Von Norderstedt aus beliefert REWE 500 Penny- und REWE-Märkte. Die bisherigen Tests umfassten etwa 1.800 Artikel. Ziel ist es nach Angaben des Unternehmens, RFID nur dort zu nutzen, wo es sich tatsächlich lohnt: Vor allem manuelle Abläufe sollen automatisiert und somit beschleunigt werden. Langfristig ist auch der Einsatz im Behältermanagement für REWE ein Thema. Eine permanente Temperaturüberwachung bei Fleischwaren und in der Frischelogistik ist denkbar. Auf Produktebene rechnet der Handelskonzern jedoch in den nächsten Jahren nicht mit einer flächendeckenden Einführung.

Hamburg – Tor nach Europa

In Kürze testet auch der internationale Logistikdienstleister DHL die Steuerung seiner Mitarbeiterbekleidung (Corporate Wear) über RFID. Ein starkes Engagement erfolgt hierbei auch durch die DHL Central Europe Organisation in Hamburg. Gefertigt unter anderem in China und Bangladesh, verteilt das Unternehmen die Bekleidung der DHL Mitarbeiter europaweit über Hamburg-Allermöhe. Insgesamt werden etwa 1,6 Millionen Artikel in Hamburg-Allermöhe umgeschlagen. Von Asien bis Hamburg läuft die Produkterfassung über einen Barcoding-Prozess. Um den Einsatz von RFID zu testen, hat DHL nun im Rahmen des Pilotprojektes Corporate Wear von Hamburg-Allermöhe über Hamburg-Wilhelmsburg bis Troisdorf bei Köln eine RFID-Anwendung installiert. Aufgrund der Anforderungen eines Zollfreilagers müssen die DHL Mitarbeiter in Hamburg jeden Karton auf Vollständigkeit prüfen und Artikelnummern, Größen und Farbcodes kontrollieren. Hier bringt die RFID-Technologie einen Nutzen, da sie die hohen Anforderungen an die Prozesse in der Umsetzung vereinfacht. Auf Basis der Artikelbarcodes erstellen die Mitarbeiter RFID-Tags, die sie wiederum auf die Verpackungen der einzelnen Artikel kleben. Auch auf den Kartons und Paletten befinden sich Tags. Eine Palette mit 20 bis 25 Kartons umfasst insgesamt maximal 500 Artikel. Beim Ausschleusen in Allermöhe, im Warenein- und Ausgang in Wilhelmsburg und beim Eintreffen in Troisdorf kommt die Technologie zum Einsatz. In Troisdorf beispielsweise erfasst ein Tunnelreader auf einem Rollband sowohl die Kartons als auch jeden einzelnen Artikel.

DHL hat mit Ultrahochfrequenz-Tags in diesem Projekt bisher gute Erfahrungen gemacht. Bei den Kartons erreichte der Logistikdienstleister eine 100-prozentige Lesequote. Damit ist gewährleistet, dass alle bestellten Artikel vorhanden sind und komplett an den jeweiligen Mitarbeiter gehen können. DHL sieht in der RFID-Technologie große Vorteile: „Die Wareneingangsprozesse werden beschleunigt und die Fehlerquote minimiert“, sagt Andreas Kruse, Director Industry Standards Fashion / Retail EMEA (Europe, Middle East, Africa). „Um die Logistikkette weiter zu optimieren, sollen die Artikel später bereits in Fernost getagt werden.“ Zurzeit bezieht sich das Projekt nur auf interne Prozesse. DHL kann sich jedoch vorstellen, diesen Service in naher Zukunft auch externen Kunden anzubieten.

Für welche Produkte und Unternehmen eignet sich RFID?

Insbesondere bei Nahrungsmitteln, Markenartikeln, hochwertigen High-Tech-Produkten und wertvollen Kunstwerken ist höchste Sicherheit erforderlich. Dies kann nur eine lückenlose Dokumentation der kompletten Logistikkette garantieren. RFID vereinfacht die Nachverfolgung dieser Produkte und ist ein wirksamer Schutz in der Lebensmittelindustrie, gegen Produktpiraterie und Diebstahl. Da der Produktbestand ständig auf Vollständigkeit geprüft wird, lässt sich der Warenverlust minimieren. „Logistikunternehmen können entlang der gesamten Logistikkette Kosten sparen und ihre Prozessqualität verbessern“, sagt Prof. Dr. Peer Witten. „Schnelligkeit, Zeitersparnis durch Pulkerfassung, ständige Kontrolle und eine transparente Versorgungskette sprechen für einen Einsatz.“ Optimiertes Timing bei der Warenauslieferung und verbessertes Lager- und Bestandsmanagement, das wiederum eine beschleunigte Inventur ermöglicht, sprechen für sich. Diese Vorteile können sich auch für kleine und mittlere Logistikunternehmen auszahlen. Für einige Betriebe werden jedoch Barcodes weiterhin die bessere und ausreichende Lösung sein.

RFID – so funktioniert’s

Die RFID-Technik basiert auf einem Chip sowie einer Antenne (RFID-Tag) und einem Lesegerät (Scanner). Die einzelnen Tags speichern Produktinformationen, und beim Auslesen über Funk können die Nutzer durch eine Verknüpfung mit einer Datenbank weitere Details abrufen. Mit dem elektronischen Produktcode (EPC) wird Produkten eine eindeutige Identität zugewiesen. Die heutigen Tags bedienen unterschiedliche Frequenzen. Zusätzlich unterscheidet man zwischen aktiven, mit einer Batterie ausgestatteten Tags, und passiven, die keine interne Stromversorgung benötigen. Inzwischen sind einige Tags wiederbeschreibbar.

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

Weitere Informationen zum Thema "Software":

Google Cloud bläst zur Attacke

Die Po­si­ti­on des Her­aus­for­de­rers ist für Goog­le ei­ne un­ge­wohn­te Si­tua­ti­on: Im Hy­per­s­ca­ler-Markt spie­len an­de­re die ers­te Gei­ge. Aber die Auf­hol­jagd hat be­gon­nen. 2018 soll die Zahl der Part­ner ver­zehn­facht wer­den. Hala­li!

Weiterlesen

News abonnieren

Mit dem Aboservice der PresseBox, erhalten Sie tagesaktuell und zu einer gewünschten Zeit, relevante Presseinformationen aus Themengebieten, die für Sie interessant sind. Für die Zusendung der gewünschten Pressemeldungen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse ein.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Vielen Dank! Sie erhalten in Kürze eine Bestätigungsemail.


Ich möchte die kostenlose Pressemail abonnieren und habe die Bedingungen hierzu gelesen und akzeptiert.