Ohne Hast zur Digitalen Dividende 2

Beteiligte wollen frühzeitig tragfähige Gesamtlösung erarbeiten

(PresseBox) ( Berlin / Stuttgart, )
Ab dem Jahr 2020 wird der Bedarf an schnellem Funkinternet so wachsen, dass weitere Rundfunkfrequenzen für LTE oder Nachfolgetechnologien genutzt werden müssen (digitale Dividende 2). Da die aktuellen Frequenzen für das mobile Internet noch einige Jahre ausreichen, ist aber keine Eile geboten und damit genügend Zeit, um eine austarierte Gesamkonzeption zu entwerfen, in die alle Beteiligten eingebunden werden können. Am Ende soll eine pragmatische Lösung stehen, die sich am Bedarf der einzelnen Player orientiert. Das ist das Ergebnis eines Workshops der Akademie ländlicher Raum in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg und der Clearingstelle neue Medien im ländlichen Raum Baden-Württemberg in Berlin, an der unter anderem Vertreter des Bundes, der Länder und Kommunen, der Mobilfunkbetreiber und Rundfunkveranstalter, aber auch Mikrofonhersteller und Kabelnetzbetreiber teilgenommen haben.

Der Trend ist eindeutig: Immer mehr Bewegtbildinhalte werden über mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablet PCs abgerufen. Neben WLAN wírd zunehmend Funkinternet mit ständigen wachsender Kapazität genutzt, so Harald Geywitz, Leiter Government Relations von EPlus. Abgehängt von schnellen Bandbreiten ist aber nach wie vor der ländliche Raum in Deutschland, wie Dr. Klaus Ritgen vom Deutschen Landkreistag beklagte. 120.00 Haushalte in Deutschland verfügten nicht einmal über einen Anschluss von 1 MBit, nur etwa 26 Prozent der Haushalte im ländlichen Raum könnten auf mindestens 50 MBit zugreifen (54 Prozent in Deutschland). Vor diesem Hintergrund sieht der Landkreistag gerade im Funkinternet eine wichtige Technologie für breitbandiges Internet. "Bereits 50 Prozent der ländlichen Regionen sind mit LTE versorgt", so Ritgen.

Mobile Technik kann den Glasfaserausbau allerdings nicht ersetzen, darauf wies der technische Leiter der Landesanstalt für Kommunikation (LFK), Walter Berner, hin. Modellprojekte und Untersuchungen in Baden-Württemberg hätten gezeigt, dass die Funkzellen zu groß seien und zu viele Nutzer darin, so dass höhere Bandbreiten, die gerade für freie Berufe oder den Mittelstand nötig seien, über LTE nicht verfügbar sind. "Die letzten Lücken im ländlichen Raum müssen die Satellitenbetreiber mit ihren Internetangeboten schließen und nicht die Mobilfunkanbieter." Eine Einschätzung, die auch von E-Plus getragen wird; hier sieht man LTE primär für mobile Geräte statt als Ersatz für stationäres Breitband.

Vor dem Hintergrund des zunehmenden Konsums mobilen Contents kann sich Heiko Zysk, Vice President Governmental Relations bei ProSiebenSat.1, eine intensivere Zusammenarbeit mit den Mobilfunkanbietern vorstellen, um etwa über intelligente Bezahlmodelle auch Programminhalte über LTE anzubieten. Allerdings prognostizierte er kein schnelles Ende von DVB-T, da für die Sendergruppe die Verträge noch bis 2018 laufen. "Die müssen erfüllt werden, da können die Frequenzen vorher nicht einfach neu verteilt werden". Dazu machte er deutlich, dass Fernsehen auch ein Kulturgut und durch die Rundfunkfreiheit geschützt sei und damit bei der Frequenzverteilung nicht nur ökonomische Interessen des Mobilfunks zum Zuge kommen dürften.

Mit ganz anderen Problemen haben Mikrofonhersteller und auch Kabelnetzbetreiber durch das Funkinternet zu kämpfen. Nobert Hilbich, Vertretet von Sennheiser warnte vor den Auswirkungen einer erneuten Abschmelzung des Frequenzspektrums für Kultur- und Sportveranstaltungen, auf denen dann nur noch eingeschränkt Funkmikros genutzt werden könnten. "Olympische Spiele mit 18.000 drahtlosen Mikros sind dann nicht mehr möglich". Bereits heute sei es schwierig, gerade bei Großevents genügend freie Frequenzen zu finden. Er forderte für die Zukunft ein gesichertes Frequenzspektrum für Drahltlos-Mikrofone. Und auch die Störungen des Kabelfernsehempfangs durch das Funkinternet sind nach Ansicht von Kabelverbands-Chef Heinz-Peter Labonte (FRK) noch nicht abschließend aufbereitet. Auch hier müssten pragmatische Lösungen gefunden werden, gerade auch bei der Störungsbeseitigung.

Dass man aus den Erfahrungen der Digitalen Dividende 1 gelernt hat, darauf verwies Reiner Wegner vom Bundeswirtschaftsministerium. "Wir sprechen mit allen Beteiligten frühzeitig und ohne Eile." Klar sei, dass man gerade bei den Ausbau-Vorgaben im ländlichen Raum gemeinsam mit den Ländern konkretere Ziele für die Mobilfunkanbieter erarbeiten werde. Und auch bei den möglichen Versteigerungserlösen sollen diesmal die Länder angemessen beteiligt werden, so Wegner.
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