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Pressemitteilung BoxID: 646043 (Leipziger Messe GmbH)
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Fortschrittliche Materialien, Problemfeld Hygiene

Neues aus der Materialforschung sowie Aktuelles zur Hygiene im Kongressprogramm der OTWorld 2014

(PresseBox) (Leipzig, ) Allergien bei Kontakt mit Metallen oder Kunststoffen sowie Multi-Resistente Erreger (MRE-Keime) gehören zu den wachsenden Herausforderungen in der Orthopädie-Technik. Neue Materialien sind eine sinnvolle Möglichkeit, allergische Reaktionen zu vermeiden und Infektionen in Zeiten von MRSA & Co. einzudämmen oder zu verhindern. Zudem wirkt der hygienische Umgang mit wiederverwendbaren Hilfsmitteln in der OT-Praxis dem Verbreiten von Problemkeimen entgegen, schützt Patienten und Mitarbeiter. Neuen Ansätzen in der Materialforschung sowie dem Thema Hygiene widmen sich die Symposien "Problemfeld Hygiene in der Orthopädie-Technik", "Hilfsmittelversorgung und Infektionen" sowie "Kontaktallergien bei der Verwendung von Hilfsmitteln" im Kongressprogramm der OTWorld 2014 (13. bis 16. Mai). Zielgruppe sind Ärzte, Orthopädietechniker sowie Orthopädieschuhmacher.

"Mit Sorge beobachten wir die Zunahme bei den Metallallergien, hervorgerufen vor allem durch Modeschmuck und Piercing", berichtet Professor Dr. Wolfram Mittelmeier, Direktor der Orthopädischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Rostock, Kongresspräsident der OTWorld 2014 und Initiator des Themenbereichs Materialforschung, Allergie und Hygiene im Kongressprogramm. "Bis zu 20 Prozent der jungen Frauen in Deutschland reagieren zum Beispiel allergisch auf Werkstoffe verschiedenster Art, bei den älteren sind es etwa zehn Prozent." Hinzu kämen immer öfter auftretende Kunststoffallergien. Dies habe Konsequenzen für die in der Prothetik und bei anderen Hilfsmitteln einsetzbaren Materialien. "Wir haben internationale Experten aus der Materialforschung eingeladen, die über Tendenzen und Fortschritte bei der Entwicklung neuer Werkstoffe informieren", unterstreicht der Mediziner. Dies werde den Kongress der OTWorld 2014 um neue Aspekte bereichern.

Hypoallergene und belastbare Werkstoffe gefragt, die Infektionen vorbeugen

"Zahlreiche Hilfsmittel werden direkt auf der Haut getragen, müssen reißfest, gut zu reinigen und desinfizierbar sein. Darin liegt eine große Herausforderung", erklärt Prof. Dr. Mittelmeier. Arm-, Bein- oder Handprothesen seien beispielsweise oft hohen mechanischen Belastungen sowie Hitze und Schweiß ausgesetzt. "Der Trend geht zu hautfreundlicherem, leichterem und atmungsaktiverem Material, das weniger Reibung an Kontaktflächen verursacht", betont er. So würden moderne Carbon-Verbundwerkstoffe, die Kunststoff mit Kohlenstofffasern kombinieren, zunehmend biegsamer und belastbarer. In letzter Zeit sei ebenso ein enormer Wandel hin zu mehr Infektionsschutz zu verzeichnen: "Bei Wundverbänden werden Silberionen als Schutz gegen Bakterien eingesetzt. Bei Implantaten dagegen wird Kupfer verwendet." Der ganz große Durchbruch im Hinblick auf unproblematische Materialien fehle bislang allerdings. "Deshalb freuen wir uns, in Leipzig von den Materialforschern Neuheiten unter anderem zu Verträglichkeit, zum Schutz vor Allergien und zur Infektionsprävention zu erfahren", so der Kongresspräsident.

Bewusstsein für Hygiene schärfen

"Der Bereich Hygiene in der Praxis der Orthopädietechnik zählt ebenfalls zu den Grundsatzthemen des Kongresses der OTWorld im kommenden Jahr", sagt Prof. Dr. Mittelmeier. Multiresistente Erreger - MRE-Keime - seien auf dem Vormarsch, begünstigt durch zu häufig eingesetzte Antibiotika. Um gegen immer speziellere Problemkeime besser anzukämpfen, müsse das Bewusstsein dafür geschärft werden. "So sind zum Beispiel die Infektionsgrade in Pflegeheimen hoch. Deshalb müsse gerade der Umgang mit wiederverwendbaren Hilfsmitteln hohen hygienischen Anforderungen genügen", hebt Prof. Dr. Mittelmeier hervor. Jeder Arzt genauso wie jeder Orthopädietechniker, der sich nicht hygienisch verhalte, erhöhe das Risiko einer Weiterverbreitung.

Von Schutzkleidung bis Impfung

Die Orthopädietechnik-Branche für praktische Hygiene zu sensibilisieren, gehört auch zu den Zielen von Matthias Bauche, Vizepräsident des Bundesinnungsverbands für Orthopädie-Technik (BIV-OT) und Mitglied im Programm-Komitee des Kongresses. "Eine Hygieneschulung für die Mitarbeiter sollte in jedem OT-Betrieb etabliert sein", so der Geschäftsführer der Orthopädie Technik Bauche GmbH, der beim Symposium "Problemfeld Hygiene in der Orthopädie-Technik" über "Infektiöse Oberflächen in der OT-Werkstatt" sprechen wird. "Das Spektrum reicht vom korrekten Säubern und Desinfizieren zurückgebrachter Hilfsmittel über Staubfilter, Schutzkleidung und -masken in der Werkstatt - vor allem bei Reparaturen oder beim Beschleifen schon getragener Orthesen und Prothesen - bis zum Verbot von Nahrungsmitteln am Arbeitsplatz." Das Minimum sei eine Händehygiene, um eine mögliche Kontaminationsflora abzutöten und den Arbeitskittel vor dem Gang zum Patienten auszuziehen. Dies alles diene nicht nur dem Schutz der Kunden und Patienten, sondern zugleich der Sicherheit der Mitarbeiter. Ein weiterer Gesichtspunkt ist für Matthias Bauche der Impfschutz: "Wünschenswert wäre, dass alle Mitarbeiter gegen Hepatitis geimpft sind."

Nutzen-Risiko-Abwägung beim Material

"Den Stein der Weisen haben wir noch nicht gefunden", konstatiert Matthias Bauche. "Polsterschäume bestehen aus saugfähigem Material mit poröser Oberfläche und sind damit keimanfällig. Leder ist ein gern genutzter Naturstoff, kann je nach Gerbung allerdings Allergien auslösen. Kunststoffe lassen sich einfach abwischen und sind somit schneller clean - andererseits schwitzt man unter Kunststoff schnell." Infolgedessen müsse der Orthopädietechniker im Einzelfall stets den Nutzen, den zum Beispiel zusätzliche Mobilität bringe, mit den Risiken abwägen. Desgleichen fordert der Fachmann, beim Einsatz antibakterieller Stoffe ein gesundes Maß zu wahren: "So werden Silver-Shield-Materialien bei Verbänden, in Bezugsmaterialien und Kunststoffplatten verwendet. In Kompressionsstrümpfen werden Silberfäden und in Silikon-Linern Silberionen eingesetzt. Aber es ist völlig ungeklärt, was der permanente Kontakt mit den Silberionen auf Dauer im Körper bewirkt." Bei Diabetes-Patienten, bei Patienten mit offenen Wunden oder mit einem geschwächten Immunsystem und künftig vielleicht im Gießharz für Prothesenschäfte seien solch neuartige Materialien jedoch eine "spannende Alternative".

Die Symposien zu Material, Allergie und Hygiene im Überblick:

Problemfeld Hygiene in der Orthopädie-Technik
Vorsitz: Baldur Berg, PD Dr. Eike Eric Scheller
Dienstag, 13. Mai 2014, 15.00 bis 16.15 Uhr

Hilfsmittelversorgung und Infektionen
Vorsitz: Dr. Philipp Bergschmidt
Dienstag, 13. Mai 2014, 16.45 bis 18.00 Uhr

Kontaktallergien bei der Verwendung von Hilfsmitteln
Vorsitz: Prof. Dr. Klaus Jandt, Prof. Dr. Emil Reisinger
Mittwoch, 14. Mai 2014, 11.00 bis 12.15 Uhr

Über die OTWorld

Der Weltkongress und die Internationale Fachmesse OTWorld wenden sich mit einem einzigartigen Angebot an Orthopädie-Techniker, Orthopädieschuhmacher, Reha-Techniker, Therapeuten und Ärzte, Ingenieure, den medizinischen Fachhandel und Mitarbeiter der Kostenträger. 2012 zog die OTWorld (vormals ORTHOPÄDIE + REHA-TECHNIK) 19.500 Besucher aus 93 Ländern sowie 537Aussteller aus 39 Nationen an. Ideeller Träger der OTWorld ist der Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik. Veranstalter des Kongresses ist die Confairmed GmbH. Die Fachmesse verantwortet die Leipziger Messe GmbH.