PresseBox
Pressemitteilung BoxID: 527493 (Kummer:Umweltkommunikation)
  • Kummer:Umweltkommunikation
  • Gebrüder-Grimm-Str. 17
  • 53619 Rheinbreitbach
  • http://www.beate-kummer.de
  • Ansprechpartner
  • Beate Kummer
  • +49 (2224) 9011-480

PV-Module: Optionen für Recycling und Ressourcenschonung 1

Henning Friege und Beate Kummer

(PresseBox) (Bad Honnef, ) Die Installation von Photovoltaik-Anlagen hat einen enormen Aufschwung genommen. Neben Abfällen aus der Produktionsphase sind daher künftig steigende Mengen an gebrauchten Photovoltaik (PV)-Modulen zu entsorgen. Eine Studie aus dem Jahre 2007 [ÖKOPOL 2007] ging davon aus, dass bis 2020 etwa 35.000 Tonnen alter Module aus dem haushaltsnahen Bereich zu entsorgen sind. Nach [Wambach et al. o.J.] ist aus Produktionsabfällen, Bruch bei Transport bzw. Installation für 2010 mit einer Abfallmenge von rd. 2000 Mg in Deutschland zu rechnen. Angesichts der geringen Installation von PVModulen in den meisten anderen Ländern Europas dürfte die Abfallmenge aus PV-Modulen in Europa insgesamt kaum höher liegen. Gleichzeitig lassen zunehmende Produktion und Installation von Solarmodulen und Solarzellen in den nächsten Jahren den Bedarf an Rohstoffen weltweit weiter steigen. Die spezifischen Kosten liegen mittlerweile nur noch knapp über 1 US-$ je W installierte Leistung [Bazilian et al. 2012]. Die wertvollen Inhaltsstoffe von PV-Anlagen, vor allem die mit hohem Energieaufwand hergestellten hochreinen Halbleiter, erfordern aus ökologischer wie ökonomischer Sicht eine Wiederverwertung. Mit einer durchschnittlichen Lebensdauer von ca. 25 Jahren besteht für die Hersteller bis heute kein erheblicher Druck, sich um eine ordnungsgemäße Entsorgung der Module nach Ablauf der Lebensdauer zu kümmern. Die Initiative PV Cycle, ein Zusammenschluss von Herstellern, die sich zur Rückführung von PV-Modulen und einer Recyclingquote von 85 % der eingesammelten Module verpflichtet haben [Kummer 2011], geht davon aus, dass bis 2020 lediglich etwa 18.000 Mg aus dem endverbrauchernahen Bereich als Abfall in der EU anfallen (Abb. 1).

WEEE-Richtlinie
Mit der soeben novellierten WEEE-Richtlinie [EG 2012] wurden PV-Module als Elektronikgeräte definiert und damit in den Geltungsbereich der Richtlinie aufgenommen. Die Erfahrungen mit der Umsetzung der im Jahr 2002 erlassenen Richtlinie in die nationale Gesetzgebung und deren Vollzug lassen wenig Erfolg erkennen, was die Wiedergewinnung knapper Ressourcen angeht [Friege 2012a], obwohl die Europäische Kommission die Ressourcenstrategie in den Vordergrund ihrer Rohstoffpolitik gestellt hat [EG 2011]. Nach erster Sicht der novellierten Richtlinie ist zu erwarten, dass trotz einiger wesentlicher Verbesserungen eine Reihe von Problemen weiterhin ungelöst bleiben, aus die aus dem Vollzug der Vorgänger-Richtlinie bekannt sind [Friege 2012a, Friege 2012b]. PV-Module wurden in der bisherigen WEEE-Richtlinie nicht erfasst, so dass hierfür noch keine Erfahrungen vorliegen. Es ist daher zu klären,
- wie die Rückgewinnung auch der seltenen NE-Metalle aus PV-Modulen etabliert werden kann,
- welche Pflichten auf Hersteller und Besitzer von PV-Modulen mit der WEEE-Novelle zukommen,
- welche Lösungsmöglichkeiten dafür in Frage kommen.

Aufbau und Recycling von Solarzellen
Der Zubau an elektrischer Leistung betrug in Europa (EU-27) im Jahr 2010 13 GW, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Die Ausbaugeschwindigkeit wird daran deutlich, dass die kumulierte installierte Leistung in Europa damit auf 28 GW anstieg [EPIA 2011]. Dementsprechend wird eine zunehmende Menge an PV-Modulen zu entsorgen sein. Für 2030 wird für die EU ein Anfall von ca. 130.000 Mg pro Jahr prognostiziert [Ökopol 2007]. Die Module sind für eine Lebensdauer von mindestens 10 bis 15 Jahren ausgelegt, können aber auch 25 Jahre verwendet werden, wobei der Wirkungsgrad der Solarzellen über diesen Zeitraum um etwa 20% abnimmt; entsprechende Leistungsgarantien werden von den meisten Modulherstellern gegeben. Aus einer "Absterbekurve" für PV-Anlagen auf Dächern [Sander et al. 2007] lässt sich ein Nutzungsende für 50% der Anlagen nach 30 Jahren angeben. Auf Grund ihrer Größe und Zusammensetzung sind sie grundsätzlich wieder verwertbar: Sie bestehen zumindest zu 75% aus Glas und zu etwa 10% aus Aluminium. Weitere Einzelheiten sind Tab. 1 zu entnehmen. Grundsätzlich werden folgende Typen von Solarzellen auf Grund ihres Basis-Halbleiters unterschieden:
- Monokristallines Silizium
- Polykristallines Silizium
- Amorphes Silizium
- Kupfer-Indium-Diselenid (CIS) - Cu[In]Se2 sowie Kupfer-Indium- Gallium-Diselenid (CIGS) - Cu[In,Ga]Se2
- Cadmiumtellurid (CdTe)

Für die Silizium-Zellen gilt ein genereller Trend zu dünneren Si-Wafern bei gleich bleibender oder gesteigerter Energieausbeute. Bei den drei zuletzt genannten Typen handelt es sich um Dünnschichtmodule, die in der Herstellung deutlich billiger sind als kristalline Module, aber im Betrieb einen schlechteren Wirkungsgrad zeigen. Die monokristallinen Module erreichen bis über 20% Energieausbeute, während die Dünnschichtmodule max. 13% erreichen; unter den zuletzt genannten sind die CdTe-Zellen am effizientesten, bleiben aber weit hinter den Zellen aus kristallinem Si zurück. Die wesentlich effizienteren Galliumarsenid-PV-Zellen, die sogar Wirkungsgrade über 40% erreichen, werden im Wesentlichen in der Raumfahrt eingesetzt und spielen wegen ihrer hohen Kosten auf dem irdischen Markt nur bei kleinflächigen Anwendungen eine Rolle.

Tab. 1: Zusammensetzung von PV-Zellen; angegeben sind die Anteile in % (Daten aus [BINE Informationsdienst 2010]; weitere Einzelheiten bei [Sander et al. 2007]). Es ist von einem durchschnittlichen Gewicht von 25 kg/m2 bzw. 15 bis 20 kg pro Modul auszugehen

Der Bedarf an seltenen Metallen für die CIS-Module und CIGS-Module steigt und wird gemäß einer brancheninternen Prognose für 2030 bei 185 Mg Indium und 251 Mg Gallium (Falk 2006, zitiert nach [Kummer 2011]) liegen. Zu den sehr seltenen Elementen im Bereich PV-Module gehört auch Tellur. Hinsichtlich GaAs und dem mittlerweile für PVDünnschichtzellen stark genutzten CdTe gibt es unterschiedliche toxikologische und ökotoxikologische Bewertungen. Angesichts der bekannten hohen Toxizität von Arsen und Cadmium gibt es erhebliche Bedenken gegen die großräumige Verwendung; andererseits ist die Stabilität der beiden Verbindungen so hoch, dass der Rückgriff auf die Kenntnisse zu Ca bzw. As als zu kurz gegriffen erscheint. Für GaAs wie CdTe bleibt die CLP-Einstufung abzuwarten.

PV-Zellen auf Basis organischer Farbstoffe sowie polymerer Halbleiter sind für erste Anwendungen mit noch sehr niedrigen Wirkungsgraden verfügbar; Halbleiter auf Basis kleinerer organischer Moleküle befinden sich noch im Entwicklungsstadium.

Bisher werden PV-Zellen, insbesondere Produktionsabfälle, meist zusammen mit Altglasabfällen aufbereitet. In Bezug auf das PV-Modul-Recycling gibt es im Wesentlichen drei Prozessschritte:

1. Shreddern und Brechen
2. Leichtstofftrennung
3. Metallsortierung.

Der Glas-Folienverbund muss aufgebrochen werden, um die Folie abtrennen zu können. Für die weiteren Prozessschritte muss zudem durch Shreddern eine einheitliche Partikelgröße hergestellt werden. Bei diesem Arbeitsschritt entstehen Stäube, die je nach Zusammensetzung der Module kritische Stoffe enthalten können. Eine Ausbreitung der Stäube in der Anlage muss schon aus Gründen des Arbeitsschutzes vermieden werden. In weiteren Prozessschritten werden freie Leichtstofffraktionen aus dem Glasstrom abgesaugt (z.B. Folie, Papier). Im Anschluss erfolgt die Entfernung von metallischen Verunreinigungen (z.B. über Magnete, Wirbelstromabscheider). Kleine Metallpartikel aus den Elektronikkomponenten können nur bei geringerer Durchsatzleistung ausgeschleust werden. In der Flachglas-Aufbereitungsanlage Torgau dürften seit 2009 pro Jahr bis zu 9.000 Mg Produktionsabfall an PV-Modulen verwertet worden sein [Reiling / Pohl 2011], diese Mengen werden 2012 weiter ansteigen. Die Glasaufbereitungsanlage hat einen Gesamtumsatz von etwa 120.000 Mg Flach- und Behälterglas pro Jahr. Die aus dem Produktionsabfall stammenden Mengen an PV-Modulen sind zur Zeit noch wesentlich höher als die Mengen, die bisher bei öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern abgegeben werden2.

Erste Ansätze zur Rückgewinnung der metallischen Rohstoffe wurden beim Rückbau bzw. der Erneuerung von Anlagen auf Basis kristalliner Si-Zellen aus den 80er Jahren mit dem Ziel unternommen, neben Glas auch Silizium und Aluminium zurückzugewinnen. Ziel universeller Verfahren ist es, nicht nur aus Si-Zellen, sondern parallel auch aus Dünnschichtzellen Rohstoffe mit hohen Recyclingraten zurück zu gewinnen [Palitzsch / Loser, 2011]. Der wesentliche Schritt für die Si-Zellen wird in der Entmetallisierung gesehen. In einem ersten Schritt werden daher Kunststoffe thermisch entfernt. Die aus Aluminium bestehende Rückfront wird mittels einer Aluminiumchloridlösung aufgelöst und zu einem basischen Polyaluminiumchlorid weiter verarbeitet, das in der Papierindustrie oder bei der Abwasserreinigung Anwendung finden kann. Danach erfolgen die Entfernung des Silbers sowie eine abschließende Reinigung des Siliziums. Der Recyclingprozess bei Siliziumzellen soll eine Ausbeute von etwa 95% Glas, 70 bis 75% Silizium und bis zu 100% Kupfer jeweils bezogen auf den Gesamtgehalt der Stoffe im Modul erbringen. Die Sekundärrohstoffe können weiter verwendet werden, auch das Silizium, dessen Reinheit durch den Prozess nicht wesentlich beeinträchtigt wird. Für auf dem Markt befindliche Dünnschichtzellen unterschiedlicher Zusammensetzung befindet sich ein universelles Verfahren zur Rückgewinnung von Rohstoffen in der Entwicklung [Palitzsch / Loser 2011]: Der chemische Prozess erfolgt bei Raumtemperatur. Die Glasmatrix wird separiert und muss in höchstmöglicher Reinheit zurück gewonnen werden, damit eine Verwertung in der Flachglasindustrie erfolgen kann. Bei Pilotversuchen mit 3000 l Extraktionsmittel bisher nicht publizierter Zusammensetzung konnte aus 10 Mg Abfall aus der Produktion von CdTe-Zellen eine Lösung erhalten werden, die neben etwas Zink (0,99 mg/l), Kupfer (2,3 mg/l), im Wesentlichen Cadmium (2100 mg/l), Tellur (890 mg/l) und Molybdän (800 mg/l) enthielt. Eine Abtrennung und Verwertung des CdTe selbst ist bisher nicht möglich. Bei der weiteren Entwicklung soll auch die stoffliche Verwertung der Klebefolien (Ethylvinylacetat, Polyvinylbutyral) gewährleistet werden.

Der bei FirstSolar entwickelte Prozess beginnt mit dem Shreddern, um dadurch die Bindung zwischen Glas und Laminaten zu lösen. Danach wird der Halbleiter durch Waschen mit Schwefelsäure und Wasserstoffperoxid herausgelöst und Natronlauge ausgefällt. Die dabei entstehenden Filterkuchen gehen in die Sekundärmetallaufbereitung. Bei diesem Prozess können nach Herstellerangaben 90% des Glases und ca. 95% an Cd und Te zurück gewonnen werden [Larsen 2009].

Für das Recycling von PV-Modulen ist außerdem ein Verfahren in Entwicklung, bei dem die mechanische Zerkleinerung und Vortrennung metallischer Werkstoffe von Folien usw. bei etwa 80 K vorgenommen und die Metalle dann sauer aufgeschlossen werden [Lobbe, 2012].

Bei dem Saperatec-Verfahren sollen die dünnen Metall-Schichten durch einen "Tensid- Cocktail", dessen Zusammensetzung nicht öffentlich zugänglich ist, vom Glas abgetrennt werden; die erreichten Recyclingraten sind ebenfalls unveröffentlicht. Die Tensid-Lösung ist nach Aussage des Unternehmens wiederverwendbar, sie wird gereinigt und zirkuliert in einem geschlossenen Kreislauf. Die Aufbereitung konzentriert sich noch auf die Rückgewinnung der Wertstoffe aus Dünnschichtmodulen aus CdTe und CIGS-Halbleitern in einer Technikumsanlage [Schwarzburger 2011].

Kommt es zu einem Durchbruch der organischen PV-Zellen im Gebäudebereich, so bedarf es auch hier der Entwicklung von Separations- und Aufbereitungstechniken, was wegen der geplanten Integration der PV-Zellen in Wände und Fenster eine zusätzliche Herausforderung darstellt.

Rückführung von PV-Zellen nach WEEE
Mit der Novelle der WEEE-Richtlinie ist die Auseinandersetzung um die Aufnahme von PVModulen oder eine alternative freiwillige Lösung der Hersteller zunächst beendet. Die WEEERichtlinie gibt keine spezifischen Ziele für einzelne Warengruppen oder Stoffströme vor, sondern fokussiert nunmehr ab 2016 auf eine Rückführungs-Quote von 45% bezogen auf die in drei Jahren zuvor durchschnittlich verkaufte Menge. Ab 2019 steigt diese Quote auf 65%, alternativ kann das Ziel auch auf 85% des jährlich anfallenden Elektroschrotts festgelegt werden.

Durch die Aufnahme in die WEEE-Richtlinie entsteht in Folge der Rücknahmepflicht ein Rückstellungsbedarf bei den Herstellern. Dies ist im Hinblick auf die Sicherung der Aufbereitung nach Gebrauchsende ein wesentlicher Fortschritt.

Eine Reihe von Herstellern hat sich in der Organisation PV Cycle3 zusammengeschlossen und will eine Rücknahme gebrauchter PV-Module in Europa von über 65% der als Abfall zu entsorgenden Module sowie eine Recyclingquote der gesammelten Module von 85% garantieren. Damit würden die PV-Module parallel zur WEEE-Richtlinie freiwillig ähnlichen Zielen unterworfen. Rücknahmesysteme werden nach Kenntnis der Autoren von den Unternehmen Deutsche Solar und First Solar angeboten. Aus dem "Resolar-Projekt" wurde die Forderung nach einer Kennzeichnung erhoben, um eine Getrennthaltung der Module nach Typen zu ermöglichen [Kummer 2011]. Diese Überlegung ist zielführend. Darüber hinaus erscheint es sinnvoll, die räumliche Position der ortsfesten PV-Anlagen zu dokumentieren, weil es die Rückführung erleichtert und damit ein Kataster verwertbarer Anlagen samt Altersangabe darstellt. Dies kann angesichts des Netzanschlusses der meisten dieser Anlagen problemlos durch Weitergabe der bei den Netzbetreibern vorhandenen Daten auf die Ebene der für Abfallwirtschaft verantwortlichen Körperschaften erfolgen. Da PV-Module mittlerweile auch zur Verkleidung von Außenwänden bzw. versuchsweise als transparente Wände sowie integriert in die Bedachung eingesetzt werden, müsste ihre Zusammensetzung auch etwa in einem Gebäudepass dokumentiert werden, der noch nicht verpflichtend vorgegeben ist. Dies ist gerade wegen der heute absehbaren Nutzung der in das Gebäude integrierten PV-Zellen zur eigenen Stromversorgung - also ohne Einspeisung ins Netz - von hoher Bedeutung. Offen bleibt die Frage, wie man - siehe die Erfahrungen mit EEAG [Friege 2012a, 2012b] - den Diebstahl wertvoller Teile von Modulen bzw. Anlagen verhindern will, vor allem dann, wenn die Gebäude verlassen oder die Anlagen außer Betrieb genommen werden. Es ist daher zu klären, wie die WEEERegelung national und im Dialog mit den relevanten Akteuren, also vor allem den international agierenden Produzenten bzw. Importeuren für PV-Module am besten umgesetzt werden kann. Um den Vollzug der Rückführung zu erleichtern, bedarf es einer Definition, ab wann PV-Module als Abfall anzusehen sind ("end of life-Kriterium"). Dies könnte neben der Demontage, die einen Entledigungswillen dokumentiert, auch die Unterschreitung einer bestimmten Effizienzgrenze als technisches Kriterium sein. Damit würde gleichzeitig Druck in Richtung auf Erneuerung alter PV-Anlagen entstehen.

Bei der Aufbereitung wird es zusätzlich erforderlich sein, einen verpflichtenden Nachweis für die weitere Verwendung der dabei erzeugten Produkte bzw. Reststoffe einzuführen. Diese Stoffstromanalyse auf betrieblicher Ebene kann im gesamten System aggregiert werden und so zeigen, ob es relevante Lücken oder Fehlsteuerungen (z.B. Verschleppung von Cadmium in andere Abfälle oder Sekundärrohstoffe) gibt. In jedem Fall sind folgende Herausforderungen aus heutiger Sicht für eine ordnungsgemäße Rückführung und hochwertige Verwertung zu meistern:
- Kennzeichnung der Module nach Modularten,
- Weiterleitung der notwendigen Stoff-Informationen über die Zusammensetzung der Dünnschichtmodule an die Recyclingwirtschaft (gemäß REACh-Verordnung),
- Einführung eines Sammelsystems für Module aus verschiedenen Anwendungen (Dächer, Freiflächen, Produktionsanlagen, Gebäudeverkleidungen ....)
- Sicherstellung der Finanzierung je nach Herkunft (öffentlich-rechtliche oder private Entsorgungsverantwortung),
- Mitteilung über alle freiwillig eingerichteten Sammelstellen (z.B. PV Cycle) an die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger
- Entwicklung von Recyclingverfahren, die auch die wertvollen Halbleiter erfassen.

Schlussfolgerungen für das Produktmanagement von PV-Zellen
Nach den bisherigen Erfahrungen mit Elektroaltgeräten sind folgende Faktoren für den Erfolg des Recyclings entscheidend: Aufbau einer funktionierenden Logistik für die Rückführung mit entsprechenden Garantien der Hersteller (Rückstellungen und Bürgschaften), klare Regelung der Verantwortung der Besitzer für Betrieb und Entsorgung in Zusammenarbeit mit den Herstellern, Kennzeichnung und Verortung der Geräte, Recyclingverfahren mit Fokus auf die kritischen Komponenten. Dies bedeutet eine wesentlich stärkere Kooperation einiger Akteure als bisher üblich. Die Diskussion über den Verzicht auf CdTe muss Chancen und Risiken des Einsatzes von u.U. toxischen Stoffen in Abwägung zu technischen Vorteilen berücksichtigen. Analog gilt dies für die Lösung der Frage, ob man In und Ga weiterhin in PV-Modulen einsetzen soll: dem Risiko eines dissipativen Ressourcenverlusts stehen u.U. die Chancen höherer energetischer Effizienz von Photovoltaik gegenüber. Sofern der Standort der Module dokumentiert und eine Rückführung zu nahezu 100% geregelt wird, dürfte dies nicht mehr so kritisch gesehen werden. Die Recyclingverfahren für PV-Module (abgesehen vom Glas) stecken noch in der Labor- bzw. Technikumsphase. Die Rückgewinnung von Glas mag bereits die auf Masse basierenden Anforderungen der WEEE-Richtlinie erfüllen. Für den Erfolg ist jedoch die Rückgewinnung von hochreinem Si bzw. von Ne-Metallen (Cu, Al, In,...) entscheidend. Die noch nicht breit im Markt eingeführten "organischen" PV-Module sollten frühzeitig in gleicher Weise untersucht werden. Leider gibt die WEEE-Richtlinie dafür kaum eine Handhabe.

Die Vorgaben der neuen WEEE-Richtlinie sind für PV-Module angesichts der Nutzung über ca. 25 Jahre und des in der Regel ortsfesten Einbaus wenig geeignet. Hinzu kommen der hohe Wert der sich darin befindlichen Halbleiter und die Problematik toxischer Inhaltsstoffe. Die pauschale Regelung der Richtlinie wird der Problematik einzelner Gerätegruppen nicht gerecht. Bei einer erneuten Änderung der WEEE-Richtlinie oder deren Umsetzung in deutsches Recht sollte dies verbessert werden.

Literaturverzeichnis

Bazilian, M. et al. (2012): Re-considering the Economics of Photovoltaic Power, Bloomberg New Energy Finance, http://bnef.com/PressReleases/view/216, recherchiert 20.6.2012

BINE Informationsdienst (2010): Recycling von Photovoltaik-Modulen, http://www.bine.info/hauptnavigation/publikationen/publikation/recycling-von-photovoltaikmodulen/, recherchiert 21.6.2011

Breyer, A. (2011): Solar Novus Today; Internet-news, http://www.solarnovus.com/index.php?option=com_content&view=article&id=3770:pvrecycling- the-need-to-be-double-green-&catid=63:business-features&Itemid=242

EG (2011): Grundstoffmärkte und Rohstoffe: Herausforderungen und Lösungsansätze, Mitteilung der Kommission, KOM (2011) 25 endgültig, Brüssel.

EG (2012): Recast of the WEEE Directive, http://ec.europa.eu/environment/waste/weee/index_en.htm, recherchiert 21.6.2012

EPIA - European Photovoltaic Industry Association (2011): http://www.epia.org/fileadmin/EPIA_docs/documents/press/Market_Outlook_2010.pdf recherchiert 25.6.2011

Friege, H. (2012a): Ressourcenschonung am Beispiel der Elektro- und Elektronikaltgeräte. I. Grenzen des WEEE-Ansatzes, Müll und Abfall 44(2), 80-93

Friege, H. (2012b): Ressourcenschonung am Beispiel der Elektro- und Elektronikaltgeräte. II. Ansätze für einen effizienteren Umgang mit nicht erneuerbaren Ressourcen, Müll und Abfall 44(6), 307-317

Kummer, B. (2011): Resolar-Projekt mit interessanten Ergebnissen abgeschlossen, Müll und Abfall 43 (5), 234-240, sowie http://beate-kummer.de/fileadmin/user_upload/PDF/110125EPIA_Conferencel.pdf recherchiert 30.5.2011

Larsen, K. (2009): End of life PV: then what? Recycling solar PV panels, http://www.renewableenergyfocus.com/view/3005/endoflife-pv-then-what-recycling-solar-pvpanels/, recherchiert 21.6.2011.

Lobbe (2012): Entsorgungsunternehmen stellt Weichen für Recycling von Photovoltaik- Modulen, Müll und Abfall 44 (2), 109.

Ökopol u.a. (2007): Studie zur Entwicklung eines Rücknahme- und Verwertungssystems für photovoltaische Produkte, gefördert durch das BMU, Förderkennzeichen 03MAPO92, Palitzsch, W., Loser, U. (2011): Recyclingstrategien der Loser Chemie GmbH, ACAMONTAZeitschrift für Freunde und Förderer der TU Bergakademie Freiberg 18, 27-29; siehe auch www.loserchemie.de Reiling, B. und Pohl, R, (2011), REILING Unternehmensgruppe: Persönliche Mitteilung.

Sander, K., Reichmuth, W., Schröder, G., Zangl, St. (2007): Entsorgung von Fotovoltaikmodulen, Müll Handbuch (Hrsg.: Bilitewski, Schnurer, Zeschmar-Lahl), Kz. 8527.2, Lfg. 6/07.

Schwarzburger, H., (2011): Lob für Recycling-Cocktail, Erneuerbare Energien, http://www.erneuerbareenergien.de/lob-fuer-recyclingcocktail/150/406/32582/, siehe auch www.saperatec.de , recherchiert 15.5.2012.

Wambach, K., Schlenker, S., Müller, A., Konrad, B. (o.J.): A Voluntary Take Back Scheme and Industrial Recycling of Photovoltaic Modules, http://www.bnl.gov/pv/files/PRS_Agenda/3_4_PV-Module-RecyclingWambach.pdf

1 Die Langfassung dieser Arbeit findet sich in der September-Ausgabe der Zeitschrift Müll und Abfall (Erich Schmidt Verlag) unter dem Titel: "Ressourcenschonung am Beispiel der Elektro- und Elektronikaltgeräte III. Photovoltaik-Module".

2 Eine Umfrage bei den einschlägigen Annahmestellen in Düsseldorf ergab, dass im Jahr 2011 weder bei den im Auftrag der Landeshauptstadt betriebenen Recyclinghöfen, noch beim Sonderabfall- und Elektronikschrott-Zwischenlager noch bei den Anlagen zur Aufbereitung von Gewerbeabfällen bzw.

3 PV Cycle beschreibt den Vereinszweck wie folgt: "...to implement the photovoltaic industry's commitment to set up a voluntary take back and recycling programme for end-of-life-modules and to take responsibility for PV modules throughout their entire value chain". http://www.pvcycle.org