Erfolgreiche Verschleißschutztagung des Hauses der Technik in Berlin

Vettelschoss, (PresseBox) - Mehr als 70 Teilnehmer aus der ganzen Welt inklusive den Vereinigten Staaten trafen sich zur Tagung "Verschleißschutz für Anlagen in der Zementindustrie" des Hauses der Technik vom 20. – 21. September 2007 in Berlin. Die Tagung stand unter der Leitung von Michael W. Rokitta, Geschäftsführer bei Kalenborn Kalprotect in Vettelschoss. Die Teilnehmer erlebten zwei Tage im Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis des Verschleißschutzes.

In seinem einleitenden Referat ging Professor Dipl.-Ing. Peter Hilgraf von Claudius Peters in Buxtehude zunächst auf die theoretischen Aspekte des Verschleißes ein. Nach seiner Darstellung ist eine verbesserte Bearbeitung des Themas nur interdisziplinär in der Zusammenarbeit von Verfahrenstechnik, Kontakt- und Bruchmechanik, Werkstoffwissenschaft, Konstruktion und nicht zuletzt der Praxis möglich.

Peter Hilgraf stellte einige Formeln zur Berechnung des Verschleißes vor, die wesentlichen Einblick in die Mechanismen des Verschleißes eröffnen. Aus seiner Sicht macht nur die systematische Bearbeitung der Thematik eine praktische Lösung letztendlich möglich.

Brian Snowdon, Engineering-Director bei Clyde Materials Handling in Doncaster, Großbritannien, setzte das Thema fort.

Auch aus seiner Sicht lässt sich der Verschleiß in Formeln kleiden, allerdings sind in der Praxis so viele Faktoren verschleißbegründend, dass nicht mit einfachen Lösungen zu rechnen ist. Brian Snowdon ging dann auf die verschiedensten Parameter des Verschleißes ein, indem er u.a.Fördergeschwindigkeit, gefördertes Material, Korngröße usw.aufführte.

Aus seiner Sicht gibt die praktische Erfahrung wichtige Hinweise auf tatsächliche Standzeiten, die einerseits unter Berücksichtigung konstruktiver Lösungen und andererseits aufgrund der richtigen Werkstoffauswahl erreicht werden.

Das Thema Werkstoffauswahl stand im Fordergrund des Vortrages von Dipl.-Ing. Wolfgang Leichnitz von Kalenborn Kalprotect in Vettelschoss. Das Unternehmen, das darauf spezialisiert ist, optimale Verschleißschutzlösungen für die verschiedensten Anwendungsfälle in den unterschiedlichen Industriebereichen anzubieten, ist nicht festgelegt auf einen einzigen Werkstoff.

Wolfgang Leichnitz stellte die Vor- und Nachteile der Werkstoffe auf mineralischer, keramischer und metallischer Basis heraus. Nach seiner Auffassung haben die Werkstoffe ihre jeweilige Bedeutung in Abhängigkeit vom individuellen Einsatzfall. Darüber hinaus stellte Wolfgang Leichnitz auch einige Werkstoffe vor, die im Grenzbereich zwischen Verschleißschutz und Gleitförderung angesiedelt sind.

Hierbei handelt es sich wiederum um mineralische Werkstoffe
(Schmelzbasalt), metallische Werkstoffe (Edelstahl) sowie Kunststoffe (Polyethylen und Polyurethan).

Der Vortrag von Wolfgang Leichnitz wurde abgerundet durch verschiedene Befestigungssysteme, die unabdingbar sind für sichere Verschleißschutzlösungen. Hinzu kamen Anwendungsbereiche der Werkstoffe in der Zementindustrie sowie Möglichkeiten von Verschleißschutzsystemen. Hierzu zählen: flexible Rohrbogen, die Integration von Keramik und Gummi sowie das Angebot von Systemen der automatisierten Verschleißüberwachung.

Dipl.-Ing. Harald Heinrici von Schwedes + Schulze Schüttguttechnik in Braunschweig vertiefte das Thema Verschleißschutz und Verbesserung des Fließverhaltens.

Er erläuterte zunächst die Probleme des Kernflusses und die Notwendigkeit der Auslegung von Silos und andere Lagereinrichtungen zur Erreichung von Massenfluss.

Voraussetzungen hierfür sind eine Mindestneigung der Trichterwand unter Berücksichtigung des eingesetzten Trichterwandmaterials sowie eine minimale Auslaufgröße zur Vermeidung von Brückenbildung. In der Praxis liegen umfassende Erfahrungen vor, wie Massenfluss sichergestellt werden kann.

Darüber hinaus stellte Harald Heinrici die prinzipielle Funktionsweise eines Entleerungsrohres in Silosystemen vor, das gleichermaßen sicheren Silofluss und optimalen Verschleißschutz der Anlage gewährleistet.

Einen weiteren Schritt zur Praxis leistete Dipl.-Ing. Peter Fritze vom Zementwerk Ciments Luxembourgeois, Luxemburg, indem er über konkrete Lösungen zur Verlängerung der Standzeiten von Anlagenkomponenten berichtete.

Der Vortrag umfasste Problematiken im Bereich der Rohmehlversorgung sowie der Klinkerhandhabung, des Klinkertransportes im Zementmahlbereich, der Handhabung von Zuschlagstoffen, die Klinkerentstaubung und des Zementtransportes. Peter Fritze war ehrlich genug festzustellen, dass Lösungen oft erst nach erheblichem Lehrgeld erreicht worden sind.

Nach seiner festen Überzeugung lässt sich aber bei entsprechender Beharrlichkeit für die jeweiligen Anlagenkomponenten eine individuelle Lösung finden. Dabei muss auf die richtige Konstruktion der Anlage wert gelegt werden(z. B. im Einbau von Materialpolstern), wie auch auf die Auswahl der entsprechenden Werkstoffe. Ciments Luxembourgeois setzt heute eine Vielzahl von Werkstoffen ein: hierzu zählen Schmelzbasalt, Hartstoffkompound oder Oxidkeramik. Auch metallische Werkstoffe werden mit großem Erfolg genutzt.

Dazu zählen Hartauftragschweißung und Hartguss.

Eine weitere Vertiefung im Bereich praktischer Anwendungen erfuhr die Tagung beim Besuch des Zementwerkes Cemex OstZement in Rüdersdorf. Die Anlage vor den Toren Berlins zählt zu den modernsten Anlagen Deutschlands. Das Werk wurde zunächst von Dipl.-Ing. Ellen Wanzura von Cemex vorgestellt.

An den Vortrag schloss sich eine umfassende Betriebsbesichtigung an. Die Teilnehmer hatten so Gelegenheit, sich vor Ort intensiv mit Verschleißschutzlösungen im praktischem Betrieb auseinander zu setzen.

In einem speziellen Vortrag berichtet Frau Wanzura über den Einsatz von Verschleißschutzprodukten im Zementwerk Rüdersdorf. Auf diese Weise wurde die Verbindung zwischen den besichtigten Anlagen und der Theorie der gefundenen Problemlösungen geschaffen. Das Spektrum des Vortrages reichte von der Rohmaterialaufbereitung über die Klinkerproduktion bis hin zur Zement- und Schlackenvermahlung.

Aus der Sicht von Frau Wanzura machen es sich die Anlagenbauer heute oft zu leicht. Die angebotenen Lösungen erscheinen nicht voll durchdacht, so das erst nach geraumer Zeit und mehreren teils weniger, teils mehr erfolgreichen Versuchen brauchbare Lösungen gefunden werden. In der Praxis stellt sich heraus, dass sich die als Ziel genannte Standzeit von mindestens 12 Monaten bei starkem Verschleiß nur schwer erreichen lässt.

Auf diese Weise ist Verschleißschutz im Werk Rüdersdorf eine ständige Aufgabe. Die Arbeit daran führt schrittweise zu immer besseren Lösungen.

In seiner Zusammenfassung griff Michael W. Rokitta von Kalenborn Kalprotect die von Frau Wanzura aufgegriffene Problematik der diskussionswürdigen Anlagenauslegung auf.

Auch aus seiner Sicht ist es unabdingbar erforderlich, dass Anlagen schon in der Grundausstattung verschleißoptimiert ausgeliefert werden sollten. Allerdings kennt Michael W. Rokitta auch die Problematik des Tagesgeschäftes, wo erhebliche Konkurrenz und erheblicher Preisdruck oft zu Einsparungen in unvertretbarem Maße führen.

Wichtig sind aus seiner Sicht neben der optimalen Anlagenauslegung auch die richtige Materialauswahl. Er rät den Tagungsteilnehmern "Propheten der Universallösungen" nicht zu trauen, da dies keinerlei praktische Begründung hat. Aus der Sicht eines Verschleißschutzlösers haben die verschiedenen Werkstoffe, die heute am Markt zur Verfügung stehen, ihre jeweilige individuelle Bedeutung. Es kommt auf die richtige Auswahl an und auf den richtigen Einsatz.

Auch Werkstoffkombinationen finden heute mehr und mehr Verwendung. Dabei können die Aspekte der optimalen Lebenszeit, wie auch der optimalen Wirtschaftlichkeit aufeinander abgestimmt werden.

Die Verschleißschutztagung des Hauses der Technik in Berlin war ein großer Erfolg, die Reaktion der Teilnehmer mehr als positiv. Dies gilt hinsichtlich der Qualität der Vorträge und auch hinsichtlich des Begleitprogramms. So wurde die Veranstaltung, die im Magnus-Haus gegenüber der Museums-Insel stattfand, begleitet von einem Besuch des Pergamon-Museums sowie eines geführten Stadtrundganges.

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