Sanders Kolumne: Sind Webinare die neuen Tupperparties für’s Büro?

Kleines Kaffeekränzchen am Arbeitsplatz, Wurststulle in der Hand und nettes Pläuschchen mit der sympathischen Stimme am Telefon. Und wenn der Chef komisch guckt, dann zeige ich ihm gediegen, „sorry, bin mitten im Webinar“. Er ist happy und ich auch!

(PresseBox) ( Ludwigsburg, )
Mein bester Freund Google ist wunderbar. „Webinar“ eingegeben und zack, gleich zig neue Webinare gefunden, an denen ich unbedingt teilnehmen muss. Fortbildung quasi. Zuerst hat der Chef ja eine Flunsch gezogen, weil das ja wertvolle Arbeitszeit sei. Aber als ich ihm mit Advertiser, Paradigmenwechsel, Influencer und Chat Bots komme, war er erst mal stark beeindruckt.

Webinare auf Englisch kommen bei meinem Chef richtig gut an. Und mein Englischstatus profitiert ganz klar! Der Kaffeekonsum ist letztens etwas gestiegen, denn Kaffee beim Webinar ist ja schon Pflicht. Kekse dabei sind ganz schlecht, die sind zu laut beim Essen. Am liebsten finde ich die Stelle mit „haben Sie noch Fragen?“, denn dann kann man sich ganz ungezwungen über Gott und die Welt unterhalten. Danach brauche ich erst mal einen Kaffee und eine Pause, ist ja auch anstrengend.

Jetzt kommt doch mein Chef auf die blöde Idee, ich könnte selber ein Webinar anbieten. Ich sei da ja der Experte, nach soooo vielen Teilnahmen. Ganz blöde Idee! Dass er mir damit eine mega zusätzliche Arbeit aufgehalst hat, ist ihm recht schnuppe. Mein letzter Rettungsanker sind die hohen Kosten für eine passende Webinarsoftware. Das funktioniert ja immer, denn kosten darf es schließlich nix. Gerade noch mal die Kurve gekriegt! Sorry, habe jetzt keine Zeit mehr, das nächste Webinar fängt gleich an. Ich muss noch meinen Kaffee holen und meine Telefonstimme für die Steffi ölen…
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