TV-Konsum weckt Konsumwünsche - Im Tal der Ahnungslosen war man weniger materialistisch

(PresseBox) ( Halle (Saale), )
Fernsehkonsum beeinflusst unsere materiellen Präferenzen. Zu diesem Ergeb­nis kommt eine Untersuchung des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Um den Effekt methodisch einwandfrei identifizieren zu können, machen sich die Autoren der Studie ein einzigartiges natürliches Ex­pe­riment innerhalb der DDR zunutze. Aufgrund von topographischen Gegeben­heiten konnten die Menschen in bestimmten Regionen der DDR wie im Bezirk Dresden kein West­fernseh­­programm empfangen, während es andernorts mög­lich war. Die Analyse von Umfragedaten des Zentral­instituts für Jugend­forschung der DDR aus den Jahren 1988/1989 belegt, dass Bevölke­rungs­gruppen, die Westfernsehen konsumierten, höhere Ansprüche an Konsum und Einkommen hatten als die Bewohner im Dresdner „Tal der Ahnungslosen“.

Gemäß der ökonometrischen Analyse erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person hohe Konsumansprüche äußert, von 9% auf 14%, falls die Person statt niemals täglich Westfernsehen genoss. Das heißt, in der Gruppe der täglich Westfernsehenden war die Anzahl der Personen mit hohem materiellen Anspruchs­niveau um mehr als 50% größer als in der Gruppe, die wohnortbedingt auf jeglichen Westfernsehkonsum verzichten musste. Eine Kontrollanalyse basierend auf Erhe­bungen aus den frühen 1970er Jahren, als Westfernsehen noch nicht so sehr verbreitet war, konnte keine Unterschiede zwischen den Regionen der DDR hinsicht­lich der Einkommensansprüche feststellen.

Die Autoren der Studie begründen den Einfluss des Westfernsehens auf die Präferenzen mit der unterschiedlichen inhaltlichen Ausrichtung des Fernsehpro­gramms in Ost- und Westdeutschland. Das DDR-Fernsehen war nicht konsum­orientiert und ab dem Jahr 1975 mangels Produktwettbewerb frei von Werbung. Die dargestellten Figuren verfolgten keine individualistischen Präferenzen. Materielle Werte wurden eher in ein negatives Licht gerückt. Im Westfernsehen dagegen wurde in Werbung und Game-Shows eine Vielfalt an Produkten angepriesen. Materielle Werte, Wohl­stand als Weg zum Glück und individuelle Lebensstile dominierten Filme und Serien. Ein erheblicher Teil der Charaktere lebte in einer Traumwelt umgeben von Luxus und Wohlstand.

Die Untersuchungsregion umfasste acht Bezirke der DDR einschließlich Dresden. Das Durchschnittsalter der Probanden betrug 23 Jahre. Die Umfrage liefert Informa­tionen zur tatsächlichen Nutzung westdeutscher Fernsehsender und zu Konsum- und Einkommenswünschen – etwa zur Wertschätzung größeren persönlichen Besitzes (Grundstück, Haus, teures Auto), außerdem zum Wohnort und zu etlichen sozioökonomischen Faktoren.

Veröffentlichung:

Hyll, Walter; Schneider, Lutz: Der Einfluss des Fernsehkonsums auf unsere Präferenzen, in: IWH, Wirtschaft im Wandel, Jg. 19 (2), 2013, 26-29.
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