Gebrauch oder Missbrauch?

Ein Appell an den gesunden Menschenverstand als Einwurf in die mittlerweile sehr abgehobene Datenschutz-Diskussion um personenbezogene Daten

(PresseBox) ( Bonn, )
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- Ein Beitrag von Eckhard Georgi, Marketingleiter von infas GEOdaten
Im Fokus der Medien stehen die populären Fälle des Missbrauchs personenbezogener Daten. Zu Recht. Allerdings wird auch deshalb die öffentliche Diskussion zunehmend moralisch und rückt ganze Branchen in die Nähe des "Bösen". Allzu gerne wird mit dem Knüppel auf den prall gefüllten Sack gehauen. Deshalb steckt die Diskussion in der Sackgasse. Versuchen wir es doch mal mit der Beantwortung der Kernfragen auf Basis des gesunden Menschenverstandes:

1. Was ist ein personenbezogenes Datum?

Der gesunde Menschenverstand folgert: Es muss sich um eine Information handeln, die sich konkret und unmittelbar auf ein menschliches Individuum bezieht.

Demnach können Geodaten schon mal keine personenbezogenen Daten sein, denn eine Koordinate, eine Grenze, ein Geoschlüssel oder auch ein Baum, ein Haus oder eine Straßenkreuzung sind zuerst einmal an sich vollkommen unpersönlich. Persönlich wird es noch nicht einmal dann, wenn Geodaten mit beschreibenden Marktinformationen verknüpft werden und bestimmte Regionen (nicht Personen!) z. B. nach bestimmten Produkt-Affinitäten untersucht werden. Persönlich wird eine Analyse erst dann, wenn daraus Rückschlüsse auf ein konkretes Individuum in dieser Region gezogen werden.

Und das ist zuerst einmal positiv, denn Marktanalysen und Zielgruppenscorings haben bisher zum Ziel, Angebot und Nachfrage möglichst effektiv und zielgenau zusammenzuführen. Unternehmen reduzieren so z. B. ihre Werbeausgaben - und wir Verbraucher bekommen nur die Angebote, die zu uns passen. Also gibt es hier nur Gewinner und keinen Geschädigten. Kein Ansatz für den Datenschutz.

Ähnlich sieht das übrigens auch die Bundesregierung, wenn sie einen Personalausweis mit biometrischen Daten einführen möchte oder eine "elektronische Gesundheitskarte" vorschreibt, die sämtliche ärztliche Unterlagen auf dem Chip abspeichern kann. Auch das ist übrigens ungemein praktisch und kann bei einem Unfall sogar Leben retten.

2. Ab wann ist die Verwendung eines personenbezogenen Datums missbräuchlich?

Der gesunde Menschenverstand würde definieren: Missbrauch besteht dann, wenn einer Person ein konkreter Schaden zugefügt wird.

Ein Schaden wird in der öffentlichen Diskussion angenommen, wenn z. B. jemand auf Grund eines Scorings eine bestimmte Information oder ein bestimmtes Produkt nicht erhält, obwohl man es gerne gehabt hätte und auch dafür affin und geeignet gewesen wäre. Grundsätzlich im Einzelfall vielleicht ein Verlust, aber sicher kein Schaden.
Gerne angeführt wird das Beispiel von Banken, die angeblich an einzelne Personen auf Grund eines negativen "Geoscorings" keinen Kredit vergeben. In der Realität entscheiden seriöse Banken bei Privatkrediten anhand eines umfassenden Faktenkataloges von konkreten Gehaltsnachweisen über eine SCHUFA-Auskunft bis hin zum persönlichen Eindruck. Da kann eine Wohnumfeldanalyse höchstens eines von vielen Mosaikteilchen sein. Wohl kaum ausreichende Grundlage für den Datenschutz.

Ein Schaden kann auch nicht grundsätzlich die Abgrenzung einer Person oder einer Personengruppe gegenüber einer anderen sein. Geradezu grotesk mutet hier die Verwendung des Begriffes "Diskriminierung" an. Was soll daran diskriminierend sein, dass man als Mann vielleicht nicht die Angebote für Damenmode bekommt?

In der Regel ist die Verwendung personenbezogener Daten von den Verbrauchern ja sogar gewünscht: Als mündige Bürger in einer Welt von Web 2.0 stricken wir unsere individuellen Netzwerke, hinterlassen überall ganz bewusst unsere Vorlieben, Meinungen und Profile, weil wir zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort mit zu uns passenden Informationen, Angeboten und Menschen versorgt werden möchten. Das spart uns nämlich eine Menge Zeit und Geld.

3. Wo ist ein verstärkter Schutz vor Missbrauch erforderlich?

Der gesunde Menschenverstand würde vermuten: Da wo Missbrauch betrieben wurde, müssen die Sicherheitsvorkehrungen verbessert werden.

Richtig. Und ein klarer Schaden liegt dann vor, wenn persönliche Daten gestohlen oder etwa unauthorisiert Konten geplündert werden. Genau hier liegt die eigentliche Herausforderung für den Datenschutz: Die Optimierung der Schutzmechanismen vor unbefugtem Zugriff auf personenbezogene Daten.

Dabei sollte man nicht den Bock zum Gärtner machen: Wer Geodaten oder Marktanalysen an sich anprangert, der könnte auch die Medizin in Frage stellen, weil lebenserhaltende Medikamente auch als Drogen verwendet werden könnten.

Eine solche Diskussion ist absurd. Das sagen schon Augenmaß und gesunder Menschenverstand.

Der Autor:

Eckhard Georgi war in führenden Positionen bereits für viele Unternehmen und Werbeagenturen tätig. Mit einer eigenen Marketing- und Werbeagentur betreut er seit vielen Jahren Kunden u. a. aus den Branchen Gesundheit, Tourismus und Dienstleistungen. Sein inhaltlicher Schwerpunkt liegt auf der strategischen Marketingberatung. Heute ist er unter anderem Marketingleiter bei infas GEOdaten und in dieser Funktion seit vielen Jahren einer der Vordenker und Treiber des Geomarketing. Er ist Dozent zu den Themen "Marketing" und "Geomarketing" und ist in einigen Veröffentlichungen zu diesen Themen vertreten.

ZUM THEMA GEOMARKETING IN KÜRZE:

Jeder Kontakt zwischen (potenziellem) Kunden und Unternehmen hat einen räumlichen Aspekt. Geomarketing ergänzt die kompletten klassischen Marketinginstrumente Produkt-, Preis-, Distributions- und Kommunikationspolitik um die geographische Komponente. Geomarketing beantwortet mikrogeographisch genau (also hausgenau) die Frage nach dem "Wo", also etwa:
Wo hat welches Produkt welche Absatzchancen?
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Wo befinden sich geeignete Standorte bzw. Vertriebsgebiete?
Wo leben Kunden und Zielgruppen und wo macht folglich Werbung Sinn?
Wo sind gute/schlechte Standorte/Vertriebsgebiete und warum?
Durch die Beantwortung dieser Fragen optimiert Geomarketing das komplette Bestandsgeschäft und lokalisiert präzise die Potenziale für Up-Selling, Cross-Selling oder New Business. Dadurch hat es sich in Europa zu einem unverzichtbaren strategischen Management-Instrument für viele Unternehmensbereiche entwickelt wie etwa Geschäftsführung, Vertrieb, Marketing, Controlling, Expansionsplanung, Produktentwicklung, Versorgungsplanung und Logistik, u.v.m.
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