Region Stuttgart führender Innovationsstandort in Europa

IHK warnt: Arbeitsplätze bei Spitzentechnologien brechen weg

Stuttgart, (PresseBox) - Die Region Stuttgart ist ein europaweit führender Innovationsstandort und Motor der wissensbasierten Branchen in Baden-Württemberg und Deutschland. Mehr als die Hälfte aller Beschäftigten arbeiten in wissensintensiven Branchen. Der Ballungsraum Stuttgart ist die wirtschaftliche Kernregion des Landes, in der rund 30 Prozent des baden-württembergischen Bruttosozialproduktes (BIP) erwirtschaftet werden. Rund 7,1 Prozent des regionalen BIP investierten die Unternehmen 2009 in Forschung & Entwicklung (F&E). Das ist deutlich mehr als im Landesdurchschnitt (3,8 Prozent). Eine aktuelle Studie über regionale Branchen- und Technologiestrukturen in der Region Stuttgart des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag der Industrie- und Handelskammern (IHK) belegt diese herausragende Stellung, zeigt aber auch Schwächen auf und gibt Handlungsempfehlungen an die Politik.

"Die Leistungsfähigkeit der Unternehmen in der Region Stuttgart wird vor allem durch ihre hohe Innovationskraft und die gut qualifizierten Fachkräfte gesichert. Darauf basiert ein Großteil des Wohlstands von Land und Region", erklärt IHK-Präsident Dr. Herbert Müller. Damit das so bleibt fordert er von der Landespolitik, den Wissenstransfer zwischen Forschung und Wirtschaft zu verbessern. Vor allem für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sei es häufig schwer, den Anschluss an neue Technologien und deren Weiterentwicklung zu bekommen oder aufrecht zu erhalten.

Außer den klassischen Stärken Fahrzeugbau, Elektrotechnik und Maschinenbau weist die Region Stuttgart laut Studie einen überdurchschnittlich hohen Anteil wissensintensiver Branchen auf. Seit 1998 hat beispielsweise die Beschäftigtenzahl bei den wissensintensiven Dienstleistungen in der Region - etwa bei Ingenieur- und IT-Dienstleistern, Unternehmensberatern, Architekturbüros und in der Kreativbranche - um etwa ein Viertel zugenommen. Die Region Stuttgart hat zudem ein recht breites technologisches Profil mit Stärken in den Bereichen Fahrzeuge, Werkzeugmaschinen, Energiemaschinen, elektrische Maschinen und Anlagen, Metallprodukte sowie Mess- und Regeltechnik.

Problematisch sei die rückläufige Dynamik in einigen Spitzentechnologien. So stellt die Untersuchung fest, dass die Zahl der Arbeitsplätze im Bereich Mess-, Steuer- und Regelungstechnik/Optik und der Elektrotechnik/IT-Hardware zurückgegangen ist. Seit 1998 ist nahezu jeder dritte Arbeitsplatz weggefallen. Auch bezüglich der Spitzenstellung der Region Stuttgart bei den Patentanmeldungen und den Forschungsausgaben müsse berücksichtigt werden, dass diese hauptsächlich wenigen großen Technologiekonzernen zu verdanken sei. Kleine und mittlere Unternehmen seien hier deutlich unterrepräsentiert.

"Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken ist das Land gut beraten, das Innovationssystem Region Stuttgart zu stärken", so Dr. Müller. Beispielsweise durch eine Optimierung der Schnittstellen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Mit der Arbeit von Technologietransferbeauftragten bei den IHKs, die vom Finanz- und Wirtschaftsministerium gefördert wird, sei ein erster Schritt getan. Das kostenfreie Technologietransfer-Angebot der IHKs richtet sich gezielt an KMU. Insbesondere an jene, die keine eigene Forschungs- und Entwicklungskapazitäten besitzen oder bisher kaum Erfahrung in der Kooperation mit Hochschulen oder anderen Unternehmen sammeln konnten. Ein entsprechendes Pendant auf der Forschungsseite, um die Suche nach dem richtigen Wissenschaftler für ein Technologietransferprojekt zu beschleunigen, fehle bisher aber.

Auch fordert die IHK vom Land, technologische Neugründungen besser zu fördern, da auch hier die Region Stuttgart im Vergleich mit anderen Metropolregionen stetig an Vorsprung verloren hat. Weiter müssten die vom Innovationsrat des Landes Baden-Württemberg vorgelegten Vorschläge zur Verbesserung der Innovationsfähigkeit der Unternehmen und des Technologietransfers rasch umgesetzt werden, wie etwa die Einrichtung eines Innovationsforums und der Aufbau einer Kommunikationsplattform. Erste Schritte wurden durch das Wissenschaftsministerium des Landes bereits eingeleitet, die konkrete Umsetzung lasse jedoch weiter auf sich warten.

Eine Gefahr sieht das Fraunhofer ISI auch in der Zersplitterung der Clusterlandschaft: Der aktuelle Clusteratlas des Landes weist derzeit etwa 240 Cluster, Clusterinitiativen und Netzwerke aus. Davon sind etwa 70 regionale und landesweite Initiativen allein in der Region Stuttgart angesiedelt. Teilweise gibt es zu gleichen Branchenfeldern mehrere Initiativen, was oft zu Verwirrung bei den Unternehmen führt. Um eine weitere Zersplitterung der Clusterlandschaft zu vermeiden, müsse die Zielsetzung der Cluster geschärft, Synergieeffekte besser genutzt und eine stärkere Sichtbarkeit der Cluster in die Region hinein hergestellt werden.

Vom 5. bis 25. September 2012 findet die Wahl zur Vollversammlung und zu den fünf Bezirksversammlungen der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart statt. Die Vollversammlung ist das Parlament der Wirtschaft, die Bezirksversammlungen sind deren örtliche Untergliederung. Wahlberechtigt sind alle Mitgliedsunternehmen der IHK Region Stuttgart, die in den Wählerlisten enthalten sind.

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