Mangelnde Ausbildungsreife ernsthaftes Problem für Betriebe

IHK unterstützt Betriebe bei Förderung Jugendlicher

Stuttgart, (PresseBox) - "Die mangelnde Ausbildungsreife von Schulabgängern ist zunehmend ein ernsthaftes Problem für die Wirtschaft", kommentiert Dr. Herbert Müller, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart, die Ergebnisse des heute veröffentlichten Bildungsmonitors des Instituts der Deutschen Wirtschaft.

"Die IHK-Ausbildungsbetriebe bestätigen, dass Baden-Württemberg hier Nachholbedarf hat", so der IHK-Präsident. In einer aktuellen IHK-Umfrage erklärt jeder Dritte befragte Unternehmer aus der Region Stuttgart, dass sich mangelnde Qualifikationen von Schulabgängern als Ausbildungshemmnis negativ auf seinen Betrieb auswirken würden. Rund 70 Prozent derjenigen Befragten, die Ausbildungsplätze nicht besetzen können, geben als Grund an, dass keine geeigneten Bewerbungen vorliegen. Demnach mangelt es Schulabgängern vor allem an mündlichem und schriftlichem Ausdrucksvermögen, elementaren Rechenfertigkeiten, Disziplin sowie Leistungsbereitschaft und Motivation.

"Diese Ergebnisse sind alarmierend", sagt Dr. Herbert Müller, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart. "Sie zeigen, dass sich das Problem des Fachkräftemangels nicht nur aufgrund des demografischen Wandels verschärft. Die häufig unzureichende Ausbildungsreife von Schulabgängern führt zu einem zusätzlichen Mangel an Fachkräften." Dass es den Unternehmen überhaupt noch gelingt, einen Zuwachs an Ausbildungsverträgen zu erzielen, sei vor allem dem ungebrochen hohen Engagement der Unternehmen zu verdanken.

Die IHK fordert von der Bildungspolitik, dass keine Lehrstelle mehr wegen mangelnder Ausbildungsreife unbesetzt bleibt. Um das zu erreichen, müssen ausreichende Lehrerversorgung sichergestellt und Qualität sowie Praxisorientierung des Unterrichts verbessert werden. "Die Schulen sollten sich auf die Beseitigung der klar erkennbaren Defizite konzentrieren, Basiswissen sowie grundlegende Werte und Einstellungen vermitteln", fordert Dr. Müller. Die Unternehmen müssten sich darauf verlassen können, dass Elternhaus und Schule eine stabile Grundlage schaffen, auf der die Ausbildung aufbauen kann. "Die Wirtschaft allein kann das Problem mangelnder Ausbildungsreife nicht lösen, auch wenn viele Betriebe durch eigene Maßnahmen versuchen, der Entwicklung entgegenzuwirken."

So haben zahlreiche Unternehmen beispielsweise ihr Angebot an Praktikumsplätzen für Schüler und Lehrer erhöht, ihre Kooperationen mit Schulen verstärkt und Angebote für lernschwächere Bewerber gemacht. Die IHKs unterstützen, beraten und begleiten die Betriebe dabei und bringen Initiativen zur Verbesserung der Ausbildungsreife ein.

Unterstützt wird dies mit einer Reihe von Projekten. Im Projekt "Ausbildungsbotschafter" der IHKs in Baden-Württemberg gehen Auszubildende in Schulen, berichten über ihren Ausbildungsberuf und werben damit für die duale Ausbildung. Die IHK stellt dafür regionale Koordinatoren bereit, welche die Aufgabe übernehmen, die Auszubildenden als Botschafter zu gewinnen und zu schulen, die Kontakte zu den Schulen, den Berufsberatungen der Bundesagentur für Arbeit und Betrieben zu organisieren und die Einsätze zu steuern. Das Projekt "Ausbildungsbotschafter" wird vom Landesministerium für Finanzen und Wirtschaft gefördert.

Mit der Initiative "Bildungspartnerschaften - jeder Schule ein Partnerbetrieb" - auf Grundlage einer Vereinbarung der Landesregierung und den IHKs in Baden-Württemberg - konnte erreicht werden, dass landesweit über 1500 Schulen eine Kooperation mit mindestens einem Unternehmen eingegangen sind. Die Bildungspartnerschaft zwischen Schule und Betrieb fördert Praxisbezug des Unterrichts und Berufsorientierung.

Ein besonders erfolgreiches Projekt ist die Einstiegsqualifizierung mit den Praktikumsangeboten EQ und EQ Plus. Durch EQ können Jugendliche ein sechs- bis zwölfmonatiges Praktikum in einem Unternehmen durchführen und dabei Teile eines anerkannten Ausbildungsberufs absolvieren. Seit 2004 wurden in der Region Stuttgart rund 8500 EQ-Verträge eingetragen. Mehr als 60 Prozent der Absolventen eines solchen Praktikums werden im Anschluss in eine Berufsausbildung übernommen oder finden anderweitig eine Lehrstelle. Im Projekt EQ Plus erhalten Praktikanten zusätzlich gezielte Unterstützungsangebote, zum Beispiel eine sozialpädagogische Betreuung. EQ Plus zielt darauf ab, Jugendlichen mit eingeschränkten Vermittlungsperspektiven zu einer Berufsausbildung zu verhelfen.

Durch das Projekt "ABba plus" (Ausländische Betriebe bilden aus), das die IHK Region Stuttgart zusammen mit dem Caritasverband Stuttgart, Fils-Neckar-Alb, Ludwigsburg-Waiblingen-Enz und Schwarzwald-Gäu e. V. betreibt, konnten von Januar 2009 bis Mai 2012 insgesamt 91 neue Ausbildungsstellen für Jugendliche bei Unternehmern mit ausländischer Herkunft geschaffen werden. Diese zusätzlichen Ausbildungsstellen wurden zu ca. 90 Prozent mit Jugendlichen besetzt, die einen Migrationshintergrund haben.

Vom 5. bis 25. September 2012 findet die Wahl zur Vollversammlung und zu den fünf Bezirksversammlungen der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart statt. Die Vollversammlung ist das Parlament der Wirtschaft, die Bezirksversammlungen sind deren örtliche Untergliederung. Wahlberechtigt sind alle Mitgliedsunternehmen der IHK Region Stuttgart, die in den Wählerlisten enthalten sind.

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