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Pressemitteilung BoxID: 528985 (Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart)
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IHK fordert Schulentwicklungsplan für Berufsschulen

Wirtschaft muss in Entscheidungen eingebunden werden

(PresseBox) (Stuttgart, ) "Ohne eine ordentliche Standortplanung für die Schulentwicklung geht es nicht", kommentiert Dr. Herbert Müller, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart, die Absicht der Landesregierung, Kleinklassen an Berufsschulen zu schließen. Angesichts sinkender Schülerzahlen könne man zwar vor dieser Notwendigkeit nicht die Augen verschließen. "Allerdings muss die Landesregierung für solche Standortentscheidungen ein Gesamtkonzept vorlegen", fordert der IHK-Präsident und bietet gleichzeitig Hilfe an: "Wir unterstützen die Kultusministerin gerne dabei, die Standortplanung für die Schulen mit den Ausbildungsbetrieben abzustimmen."

Würden Berufsschulklassen geschlossen, bedeutet das für die Auszubildenden längere Wege. Werden die Entfernungen zu groß, tauchen Fragen der Unterbringung und deren Finanzierung auf, die schnell dazu führen, dass die duale Ausbildung in bestimmten Berufen für alle Beteiligten unattraktiv wird. "Vor allem in Berufen mit wenigen Azubis und für kleine Betriebe auf dem Land kann die Schließung von Berufsschulklassen so zu einem unüberwindbaren Hindernis für die duale Berufsausbildung werden", so Dr. Müller. Als weitere mögliche Folge sieht er die Gefahr, dass die Jugendlichen auf wohnortnahe Vollzeitschulen ausweichen. "Dies kann nicht im Sinne der Regierung sein, da die Vollzeitschulen deutlich höhere Kosten verursachen, als die Berufsschulen", beanstandet Dr. Müller. Außerdem vermittelten sie teilweise Qualifikationen und Abschlüsse, die in der Wirtschaft so nicht nachgefragt würden. "Berufsfachschulen und Berufskollegs müssen deshalb genauso auf den Prüfstand wie Kleinklassen an Berufsschulen", ergänzt der IHK-Präsident.

Auch der chronische Lehrermangel an den Berufsschulen bereitet dem IHK-Präsidenten Sorge. Denn anstatt, wie noch in der Oppositionsrolle von SPD und Grünen gefordert, zusätzliche Lehrerstellen an Berufsschulen zu schaffen, ist momentan nicht einmal die Nachfolge ausscheidender Lehrkräfte gesichert.

Einsparen will die Landesregierung auch 92 Stellen im Bereich der Evaluation von Berufsschulen beim Landesinstitut für Schulentwicklung. "Es wäre ein verheerendes Signal, in der jetzigen Situation an der Qualitätsentwicklung in den Berufsschulen zu sparen, die erst vor wenigen Jahren eingeführt wurde", warnt Dr. Müller. "Die Regierung kann nicht erwarten, dass sich die Wirtschaft im Rahmen der Fachkräfteallianz und anderer Bündnisse engagiert, wenn sie selbst ihre Hausaufgaben nicht macht und am falschen Fleck spart."

Dass sich die Wirtschaft ihrerseits an getroffene Vereinbarungen mit der Landesregierung hält, zeigt auch der Erfolg beim Ausbau der Bildungspartnerschaften. In einer 2008 geschlossenen und 2012 erneuerten Vereinbarung haben sich die Wirtschaftsverbände verpflichtet, zur besseren Berufsorientierung der Schüler jeder allgemeinbildenden weiterführenden Schule in Baden-Württemberg ein Unternehmen als Bildungspartner aus der Wirtschaft zur Seite zu stellen. Die IHK Region Stuttgart unterstützt Schulen und Betriebe bei der Anbahnung und dem Aufbau solcher Kooperationen und kann dabei große Erfolge verbuchen. In der Region haben bereits über 350 der knapp 400 Schulen mindestens eine Bildungspartnerschaft geschlossen. "Die Bildungspartnerschaften sind sehr gewinnbringend für Schulen und Unternehmen. Die letzten Prozent sind zwar die schwierigsten, aber ich bin zuversichtlich, dass wir uns der 100-Prozent-Marke weiter nähern werden.", sagt IHK-Präsident Dr. Müller und fügt hinzu: "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, das Gleiche erwarten wir jetzt von der Landesregierung."

Vom 5. bis 25. September 2012 findet die Wahl zur Vollversammlung und zu den fünf Bezirksversammlungen der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart statt. Die Vollversammlung ist das Parlament der Wirtschaft, die Bezirksversammlungen sind deren örtliche Untergliederung. Wahlberechtigt sind alle Mitgliedsunternehmen der IHK Region Stuttgart, die in den Wählerlisten enthalten sind.