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Pressemitteilung BoxID: 527992 (Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart)
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Blue Card heißt internationale Fachkräfte willkommen

Dr. Müller: Zuwanderungsregeln noch immer zu bürokratisch

(PresseBox) (Stuttgart, ) "Mit dem heutigen Start der Blue Card wird nach langem Zögern eine wichtige Botschaft von Deutschland in die Welt gesendet. Die Botschaft heißt: Fachkräfte willkommen!", sagt Dr. Herbert Müller, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart. Dr. Müller begrüßt die Regelung für die einfachere Zuwanderung von Fachkräften. Die Politik dürfe aber dabei nicht stehen bleiben. Zwar seien die Regeln der Blue Card verbessert worden, insgesamt seien sie aber immer noch zu bürokratisch und sperrig. Zudem müsse eine echte Willkommenskultur für qualifizierte Zuwanderer in Deutschland erst noch mit Leben gefüllt werden.

Für wirtschaftsstarke Länder in Europa wie Deutschland sei die Blue Card lange überfällig gewesen, denn für die Unternehmen werde es immer schwieriger, die benötigten Fachkräfte auf dem regionalen Arbeitsmarkt zu finden. Bereits 37 Prozent aller Unternehmen in Baden-Württemberg klagen laut IHK über einen akuten Fachkräftemangel. In einigen Branchen sei die Betroffenheit noch sehr viel ausgeprägter: drei Viertel der Betriebe in der Zeitarbeit leiden unter dem Mangel, 67 Prozent in der Rechts- und Steuerberatung, rund 60 Prozent in der Medizintechnik und bei den Architektur- und Ingenieurbüros sowie fast ebenso viele bei den Informations- und Telekommunikationsdienstleistern.

Die Blue Card ist laut Dr. Müller ein Schritt in die richtige Richtung. Mit ihr werden die Einkommensgrenzen für ausländische Fachkräfte deutlich gesenkt. Allerdings ist die Politik mit der Befristung der Aufenthaltsdauer und der Beschränkung des Zuzugs von Familienangehörigen wiederholt hinter den Forderungen der Wirtschaft zurückgeblieben. "Diese Beschränkungen schwächen Deutschland als Einwanderungsland im internationalen Wettbewerb", so Dr. Müller. Für ausländische Absolventen eines Hochschulstudiums und einer beruflichen Ausbildung sei aus Sicht der Wirtschaft eine sofortige Niederlassungsoption sinnvoll. Auch sei die Frist für die Arbeitsplatzsuche von Hochschulabsolventen von 18 Monaten und für Absolventen einer beruflichen Ausbildung von 12 Monaten - gerade in konjunkturell schwierigen Zeiten - immer noch zu kurz. Die Fristen sollten verlängert werden.

Ein weiterer Kritikpunkt des IHK-Präsidenten ist, dass die Blue Card sich vor allem an Akademikern als potenzielle Zuwanderer orientiert. Fakt sei aber - das zeigt zum Beispiel der IHK-Fachkräftemonitor (www.fachkraeftemonitor-bw.de) - dass von den schon in diesem Jahr in Baden-Württemberg 230.000 fehlenden Fachkräften 38.000 auf akademische Berufe entfallen. Den Schwerpunkt des Fachkräfteproblems mit 56 Prozent machen dagegen die nicht-akademischen Berufe mit hoher Qualifikation aus. Dazu zählen Techniker, Fach- und Betriebswirte, Meister und Fachkaufleute.

Allein im Gesundheitsbereich fehlen aktuell 23.000 Fachkräfte. Dr. Müller mahnt bei der Politik daher auch attraktive Zuwanderungsmöglichkeiten für Fachkräfte ohne Hochschulabschluss an. Mehr Transparenz und weniger Bürokratie ließen sich nach Ansicht von Dr. Müller mit einem Punktesystem erreichen.

Befürchtungen, den Unternehmen gehe es bei der Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland auch um Lohndumping, erteilte der IHK-Präsident eine klare Absage. Den Betrieben brenne das Problem auf den Nägeln. Sie hätten volle Auftragsbücher und nicht genügend Fachpersonal. Und an diesen Aufträgen hingen weitere Arbeitsplätze. Dr. Müller: "Qualifizierte Fachkräfte stehen ganz erheblich für unseren Standort. Es geht um nichts Geringeres als um die Sicherung unseres Wirtschaftsstandorts."

Vom 5. bis 25. September 2012 findet die Wahl zur Vollversammlung und zu den fünf Bezirksversammlungen der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart statt. Die Vollversammlung ist das Parlament der Wirtschaft, die Bezirksversammlungen sind deren örtliche Untergliederung. Wahlberechtigt sind alle Mitgliedsunternehmen der IHK Region Stuttgart, die in den Wählerlisten enthalten sind.