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Pressemitteilung BoxID: 234481 (Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald)
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Wachsendem Risikoumfeld mit Selbstvertrauen begegnen

Konjunktur im Nordschwarzwald

(PresseBox) (Pforzheim, ) Die Konjunktur ist weltweit ins Schleudern geraten. Der Welthandelsmotor, von dem auch die Wirtschaft in der Region Nordschwarzwald über lange Zeit profi-tierte, stottert. Dies hat zu Jahresbeginn auch in der regionalen Industrie Spuren hinterlassen. Dennoch berichten bei der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald zu Jahresbeginn - an der sich rund 400 Unternehmen beteiligten - erfreulicherweise noch 30 Prozent von einer guten Geschäftslage, 44 Prozent geben befriedigende Geschäfte an. Die nach wie vor hohe Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft, sin-kende Energiepreise sowie das Ende des Euro-Höhenflugs haben die Auswirkungen der vom Finanzsektor ausgehenden wirtschaftlichen Eintrübung zum Teil abfedern können. Stabilisierend wirkt darüber hinaus die aktuelle Stimmung im Einzelhandel und bei den unternehmensorientierten Dienstleistungen in der Region.

Die Politik musste in einer solchen Situation handeln - das verabschiedete zweite Konjunkturpaket hilft bei aller berechtigter Kritik in Einzelpunkten wieder mehr Vertrauen zu schaffen, den Blick nach vorne zu richten. Mehr öffentliche Investitionen in die Infrastruktur, Konsumanreize für die Verbraucher sowie die Entlastung der Unternehmen bei den Personalkosten können kurzfristig die Wirtschaft stabilisieren und langfristig Wachstumsimpulse auslösen.

Lage in ausgewählten Wirtschaftszweigen

Verarbeitendes Gewerbe

Die Industrie der Region wurde zu Jahresbeginn überdurchschnittlich stark vom nicht vorhersehbaren Ausmaß der weltweiten Finanzkrise getroffen. Dennoch geben noch 20 Prozent der Industriefirmen gut laufende Geschäfte an, 44 Prozent berichten von einer noch befriedigenden Geschäftslage.

Am besten stellt sich die Situation bei den Herstellern von Investitionsgütern dar. Hier können 55 Prozent der Firmen auf noch befriedigende Geschäfte verweisen. In der insgesamt jedoch verschlechterten Einschätzung der aktuel-len Ertrags- und Auftragslage werden die Auswirkungen der globalisierten Weltwirtschaft deutlich.

Zu Jahresbeginn sind die Produktionskapazitäten zu 74 Prozent ausgelastet. Zurückgegangen sind auch die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate. Die Europäische Union wird auch im laufenden Jahr ein wichti-ger Exportmarkt für die regionale Industrie bleiben. Knapp 40 Prozent der Unternehmen beabsichtigen, im Inland ihr Investitionsniveau in den nächsten zwölf Monaten nicht zu verringern. Allerdings erwartet eine Mehrheit einen Rückgang der Beschäftigtenzahl im Laufe des Jahres.

Maschinenbau

Im Vergleich zur letzten Befragung im Herbst 2008 bewegt sich auch der Ma-schinenbau der Region in einem konjunkturell schwierigeren Fahrwasser. Mit 54 Prozent berichtet zwar noch eine Mehrheit von einer befriedigenden Geschäftslage, die Kapazitäten sind mit 78 Prozent noch stärker ausgelastet als im Durchschnitt der regionalen Wirtschaft. Allerdings trübt die verschlech-terte Auftragssituation zu Jahresbeginn die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate merklich ein. Die weitere Kostenentwicklung berei-tet der Branche ebenso Sorgen wie die künftige weltwirtschaftliche Entwick-lung, was wiederum die Exporterwartungen dämpft.

Vorrangiges Investitionsmotiv in 2009 ist die Deckung des Ersatzbedarfs.Die meisten Unternehmen der Branche versuchen, im laufenden Jahr die Zahl ihrer Beschäftigten zu halten.

Metallerzeugung und -bearbeitung und der Herstellung von Metaller-zeugnissen

Die weltwirtschaftlichen Abhängigkeiten zeigen sich auch bei den Unterneh-men aus der Metallerzeugung und -bearbeitung und der Herstellung von Metallerzeugnissen. Knapp die Hälfte berichtet von schlecht laufenden Ge-schäften, die Auslastung der Kapazitäten bewegt sich mit 67 Prozent auf nied-rigem Niveau. Die globale Nachfrageschwäche versetzt auch den Geschäfts-erwartungen für die kommenden zwölf Monate einen Dämpfer. Zudem wird für 2009 auch von einer rückläufigen Investitionsneigung im Inland ausgegangen. Die Herausforderung für die Unternehmen liegt somit darin, die gegenwärtig schwierige wirtschaftliche Lage ohne große Beschäftigungsrückgänge zu überstehen.

Elektrotechnik und Feinmechanik

Überdurchschnittlich stark fällt zu Jahresbeginn der Rückgang der "Gut-Urteile" zur aktuellen Geschäftslage in der Elektrotechnik und Feinmechanik der Region aus. Knapp 60 Prozent bewerten die aktuellen Geschäfte noch mit befriedigend. Die überwiegend rückläufigen Auftragseingänge aus dem In- und Ausland drücken die Erwartungen für 2009. Als Risiken sieht die Branche demzufolge nicht nur die weltwirtschaftliche Entwicklung, sondern auch die Binnenwirtschaft, die die rückläufigen Exporte nicht ausgleichen kann. Im In-land soll im Laufe des Jahres 2009 deshalb insbesondere nur zur Deckung des Ersatzbedarfs investiert werden. Arbeitsplatzschaffende Kapazitätserwei-terungen sind kaum vorgesehen.

Herstellung von Schmuck

In der regionalen Schmuckindustrie hat sich zu Jahresbeginn im Vergleich zur letzten Befragung im Herbst 2008 die Stimmung ebenfalls verschlechtert. Bei einer als überwiegend schlecht eingestuften Ertragslage und einer Unter-auslastung der Kapazitäten trüben die geringer gefüllten Auftragsbücher die Stimmung der Branche. Auch für die kommenden zwölf Monate ist nicht mit einer grundsätzlichen Trendwende zu rechnen. Sofern in 2009 im Inland in-vestiert wird, dient dies - anders als in der gesamten regionalen Wirtschaft - nicht in erster Linie dazu, den Ersatzbedarf zu decken, sondern Produkt- und Verfahrensinnovationen zu realisieren.

Medizin-, Mess-, Steuer-, Regelungstechnik und Optik

Auch bei der Medizin-, Mess-, Steuer-, Regelungstechnik und Optik hat sich der Konjunkturhimmel etwas eingetrübt. Mit 63 Prozent berichten die meisten Unternehmen der Branche jedoch noch von einer befriedigenden Geschäftslage. Zu Jahresbeginn bewegt sich die Kapazitätsauslastung mit 81 Prozent noch auf hohem Niveau. Mehrheitlich fallende Auftragseingänge trü-ben allerdings die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate ein. Sorge bereitet der Branche insbesondere die aus ihrer Sicht bestehende Gefahr einer künftig steigenden Steuer- und Abgabenbelastung. Erfreulich ist die Tatsache, dass gegenüber der letzten Befragung vom Herbst 2008 der Anteil der Unternehmen zugenommen hat, der von höheren Ausfuhren in den kommenden zwölf Monaten ausgeht.

Herstellung von Möbeln

Bei einer mehrheitlich als schlecht eingestuften aktuellen Geschäfts- und Er-tragslage kann die regionale Möbelindustrie - anders als der Durchschnitt der regionalen Wirtschaft - auf eine zu Jahresbeginn stabile Nachfrage verweisen.

Auch für die nächsten zwölf Monate ist die Branche optimistischer als der Durchschnitt der regionalen Wirtschaft: Eine große Mehrheit geht von einer gleich bleibenden Geschäfts- und Exportentwicklung aus. 22 Prozent der Fir-men erhoffen sich für 2009 höhere Ausfuhren in die Europäische Union. Die Investitionen, die im Inland im Laufe des Jahres realisiert werden sollen, dienen primär der Rationalisierung.

Einzelhandel

Während die regionale Industrie mit den Folgen der weltweiten Finanzkrise und Nachfrageschwäche zu kämpfen hat, profitierte der Einzelhandel in der Region vom guten Weihnachtsgeschäft. 35 Prozent der Einzelhändler berich-ten von einer guten Geschäftslage, knapp 30 Prozent von einer ebenfalls guten Ertragssituation. Der Rückgang der Preise für Kraftstoffe und Heizöl, die Beschäftigungsentwicklung und die Tarifabschlüsse in 2008 haben zur Kauf-bereitschaft beigetragen. Die Lagerbestände bewegen sich auf einem saison-üblichen Niveau. Leider geht der Einzelhandel nicht von einer Fortsetzung der positiven Geschäftsentwicklung aus. 71 Prozent rechnen in den nächsten zwölf Monaten mit wieder schlechter laufenden Geschäften bei einer gleich bleibenden Beschäftigtenzahl.

Kreditgewerbe

Die Kreditinstitute in der Region schätzen ihre Geschäftslage etwas besser ein als noch im Herbst letzten Jahres. Eine Mehrheit gibt ein steigendes Ge-schäfts- und Einlagenvolumen bei einer befriedigenden Ertragslage sowohl bei den Zins- als auch bei den Provisionsgeschäften an. Während die Kredit-nachfrage der Privatkunden rückläufig ist, hat sie bei den Firmenkunden eher zugenommen. Gestiegen ist auch die Kreditvergabe an Unternehmen für In-vestitionszwecke und Betriebsmittel, für Umschuldungen ist sie gleich geblie-ben. Für die nächsten zwölf Monate erwartet das Kreditgewerbe eine gleich bleibende Geschäftsentwicklung, stabile Investitionen im Inland und den Erhalt der gegenwärtigen Beschäftigtenzahl bei einer wachsenden Risikovorsorge.

Es ist derzeit nicht abzuschätzen, ob und inwieweit notwendige Wertberichti-gungen und die erschwerte Refinanzierung der Banken den Spielraum für die Kreditvergabe künftig einschränken werden.

Unternehmensorientierten Dienstleistungen

Die wirtschaftliche Lage bei den unternehmensorientierten Dienstleistun-gen (z. B. Grundstücks- und Wohnungswesen, Datenverarbeitung, Leasing, Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatung) hat sich gegenüber dem Herbst letzten Jahres zwar leicht verschlechtert, liegt aber immer noch über dem Durchschnitt der gesamten regionalen Wirtschaft. 36 Prozent geben eine gute, weitere 55 Prozent noch eine befriedigende Geschäftslage an. Bei einer ebenfalls befriedigenden Ertragslage hat sich die Nachfrage derzeit nicht ver-ändert. Auch für das laufende Jahr 2009 geht die Branche von einer stabilen Entwicklung aus, was die Geschäfte allgemein, die Preise, Investitionen im Inland und die Beschäftigtenzahl angeht.