PresseBox
Pressemitteilung BoxID: 378025 (Industrie und Handelskammer Hochrhein-Bodensee)
  • Industrie und Handelskammer Hochrhein-Bodensee
  • Reichenaustraße 21
  • 78467 Konstanz
  • http://www.konstanz.ihk.de
  • Ansprechpartner
  • Doris Obrist
  • +49 (7622) 3907-240

Ungebremster Aufschwung

Konjunkturklima-Index weiter auf Höhenflug

(PresseBox) (Konstanz/Schopfheim, ) Der Aufschwung von Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe in der Region Hochrhein-Bodensee hält unvermindert an. Die tiefe Rezession in den Jahren 2008/09 ist inzwischen von einem außergewöhnlich dynamischen Wirtschaftsaufschwung abgelöst worden. Innerhalb von nur wenigen Monaten erreichte der von der Industrie- und Handelskammer errechnete Index für das Konjunkturklima in der Region mit 144 Punkten einen Spitzenwert. Die Sorgen in Bezug auf eine Verschärfung der regionalen Arbeitsmarktsituation sind verflogen. An ihrer Stelle machen sich jedoch bereits wieder Befürchtungen breit, dass der Wirtschaftsaufschwung durch den demografisch bedingten Fachkräftemangel gebremst werden könnte. Wie IHK Präsident Kurt Grieshaber in diesem Zusammenhang betonte " wird uns dieses strukturelle Problem in den kommenden Jahren noch intensiv beschäftigen."

Industrie wieder im "grünen Bereich"

Die kräftigen Impulse einer wieder in Schwung gekommenen Weltwirtschaft haben die Industrie entlang des Hochrheins und am Bodensee 2010 nachhaltig belebt. Vor allem das überdurchschnittliche Wachstum der asiatischen Volkswirtschaften wirkte als Katalysator für die stark exportorientierten heimischen Betriebe. Alle regional bedeutsamen Industriebranchen verzeichnen inzwischen wieder sprunghaft gestiegene Verkaufszahlen sowie eine kräftige Erhöhung der Auslastung ihrer Produktionskapazitäten auf durchschnittlich 87 Prozent. Dies gilt für die Chemie- und Pharmaindustrie genau so wie für den Maschinen- und Anlagebau, die Elektrotechnik, das metall- und kunststoffverarbeitende Gewerbe sowie für die Textilindustrie und die Ernährungswirtschaft.

Handel profitiert von der Grenzlage zur Schweiz

Als Stütze der Konjunktur haben sich in den Krisenmonaten der vergangenen zwei Jahre alle "konsumnahen Wirtschaftssektoren" erwiesen. Das eher atypische, optimistische Verhalten vieler Konsumenten in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist dem Dienstleistungsgewerbe insgesamt zugute gekommen und stützt nunmehr auch im Aufschwung den positiven Gesamttrend. Hinzu kommt, dass viele Handelsbetriebe im deutsch-schweizerischen Grenzgebiet vom starken Schweizer Franken in hohem Maße profitieren, was der Region einen zusätzlichen Kaufkraftschub bringt. Jedes zweite befragte Unternehmen spricht in der IHK-Herbstumfrage von einer guten und nur zwei Prozent von einer schlechten aktuellen Geschäftslage, was einem historischen Tiefsstand gleichkommt. Der breite Wirtschaftsaufschwung spiegelt sich auch in einer deutlich verbesserten Ertragslage vieler Unternehmen wider. Noch im Frühjahr 2010 beklagten zwei von fünf Unternehmen eine schwache Ertragssituation; inzwischen ist diese Quote auf unter zehn Prozent gesunken.

Großer Optimismus für 2011

Die Geschäftserwartungen der meisten Unternehmen für die kommenden zwölf Monate sind sehr optimistisch. Rund 95 Prozent gehen derzeit davon aus, dass ihre Geschäftslage unverändert (gut) bleiben wird (53 Prozent) oder sogar noch besser werden könnte (42 Prozent). Diese Zuversicht stützt sich gleichermaßen auf steigende Inlands- und Auslandsumsätze. Im Fokus der Exportwirtschaft stehen vor allem Asien und Europa und weniger der schwächelnde nordamerikanische Markt. Die überdurchschnittlich hohe Präsenz der Wirtschaft am Hochrhein und Bodensee auf den asiatischen Märkten wirkt sich in diesem Zusammenhang besonders positiv aus.

Investitionen ziehen deutlich an

Vor dem Hintergrund gut ausgelasteter Produktionskapazitäten einerseits und optimistischer Geschäftserwartungen andererseits, hat sich die Investitionsbereitschaft in vielen Betrieben spürbar verbessert. Vier von zehn befragten Unternehmen planen derzeit steigende Inlandsinvestitionen; dies ist eine Verdoppelung gegenüber dem Jahresbeginn. Im Vordergrund steht nach wie vor der Ersatzbedarf, also der Abbau des krisenbedingten Investitionsstaus aus den beiden Vorjahren sowie Rationalisierungsinvestitionen und Investitionen in neue Produkte bzw. neue Verfahren. Die Zahl der Unternehmen, die Kapazitätserweiterungen an ihrem heimischen Standort anstreben, nimmt ebenfalls stetig weiter zu und lässt für die regionalen Arbeitsmärkte positive Effekte erwarten. Die Bereitschaft zu Neueinstellungen ist in den zurückliegenden Monaten deutlich gestiegen.

Neue (alte) Arbeitsmarktprobleme

Zwei Jahre lang bestimmten steigende Kurzarbeiterzahlen und die Sorge um betriebsbedingte Kündigungen den Blick auf die regionalen Arbeitsmärkte. Inzwischen gewinnen demografischstrukturelle Arbeitsmarktprobleme, z. B. der wachsende Fachkräftemangel, wieder die Oberhand und prägen zunehmend das Bild der Arbeitsmarktsituation in der Region Hochrhein-Bodensee. Hierbei lässt die im Bundes- und Landesvergleich niedrige regionale Arbeitslosenquote von vier bis fünf Prozent in Verbindung mit weiter steigenden Grenzgängerzahlen (37 000) den Fachkräftemangel in der Region besonders spürbar werden. Dies belegen auch die jüngsten Ergebnisse der IHK im Zuge ihrer Herbstumfrage zur wirtschaftlichen Lage. Neben der kritischen Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise bereitet der wachsende Fachkräftemangel sowohl kurz- wie auch langfristig große Sorgen. Viele Unternehmen sehen im wachsenden Fachkräftemangel den größten Engpass für das weitere Wirtschaftswachstum. Fehlen werden in den kommenden Jahren nicht nur akademisch ausgebildete Nachwuchskräfte in den naturwissenschaftlich-technischen Berufen, sondern vor allem auch technisch ausgebildetes Fachpersonal auf der Fachwirte- und Meisterebene. Mehr betriebliche Aus- und Weiterbildung ist daher das Gebot der Stunde und die Bereitschaft zur Beschäftigung älterer Arbeitnehmer wird rasch weiter an Bedeutung gewinnen. Eine Verlagerung von Betrieben ins Ausland als Reaktion auf den sich zuspitzenden Fachkräftemangel ist bislang nur für wenige Unternehmen eine realistische Option.