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Pressemitteilung BoxID: 230703 (Industrie und Handelskammer Hochrhein-Bodensee)
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IHK-Umfrage belegt dramatische Ausmaße

In Baden-Württemberg fehlen rund 4000 Lkw-Stellplätze an Autobahnen

(PresseBox) (Konstanz , ) Als dramatisch bezeichnet die Industrie- und Handelskammer (IHK) Hochrhein-Bodensee die tägliche Lkw-Parkplatznot an den Autobahnen in Baden-Württemberg, vor allem an der A 5 zwischen Mannheim und Basel, aber auch an der A 81. "Nicht einmal die derzeit rezessionsbedingten Rückgänge im Schwerlastverkehr können die Lage vorläufig entspannen", gibt IHK-Verkehrsexperte Manfred Goossens die Einschätzung der Transportunternehmen wieder. Das Problem werde immer drängender für die Unternehmen, da die lange, vergebliche Suche ihrer Lkw-Fahrer nach freien Parkplätzen gezwungenermaßen zur Überschreitung der gesetzlich zulässigen Lenkzeiten führe. Dies werde vom elektronischen Fahrtenschreiber unerbittlich dokumentiert und könne noch nach Monaten bei einer Betriebsprüfung festgestellt und geahndet werden. Dies komme Fahrer und Unternehmer dann teuer zu stehen. Doch bereits die abendliche Kontrolle der Autobahnpolizei könne für die Fahrer, die einen Rastplatz nach dem anderen erfolglos ansteuerten, teuer werden. Und selbst wenn die deutsche Autobahnpolizei in Kenntnis der angespannten Situation ein Einsehen habe und nicht sofort ein Bußgeld verhänge, sei dies bei einer späteren Kontrolle im benachbarten Ausland durch die dortige Polizei ohne weiteres möglich - dank der elektronischen Dokumentation.

Um das Ausmaß der Parkplatznot festzustellen, hat die IHK Hochrhein-Bodensee gemeinsam mit den anderen IHKs in Baden-Württemberg eine Umfrage im Land bei über 100 überwiegend bundesweit tätigen Transportunternehmen durchgeführt. Darauf haben 84 Prozent der Unternehmen geantwortet, dass ihre Fahrer fast täglich große Probleme haben, rechtzeitig einen Parkplatz an der Autobahn zu finden, um die gesetzlichen Lenk- und Ruhezeiten einzuhalten. Absolute Spitzenreiter bei den Engpässen waren die Autobahnen A 5, die A 8 und die A 6 vor den ebenfalls häufig genannten Abschnitten der A 7, der A 3, der A 61 und der A 81. Bestätigt wird diese Erfahrung auch durch zwei Drittel derjenigen Unternehmen, die in einem Gewerbegebiet an einer Autobahn in Baden-Württemberg ansässig sind. Diese geben an, dass ihr Gewerbegebiet massiv unter dem Parkplatzausweichverkehr von fremden Lkw zu leiden habe. In der Folge komme es zu zugeparkten Straßen sowie Behinderungen im Anlieferungsverkehr und im abgehenden Verkehr. 77 Prozent dieser Unternehmen geben an, dass dieses Problem mehrmals pro Woche auftrete.

Eine Erhebung des Bundesverkehrsministeriums kam zu dem Ergebnis, dass bis zum Jahr 2015 bundesweit 21.000 Lkw-Parkplätze an Autobahn-Rastplätzen fehlten, überwiegend im Süden und Westen Deutschlands. Davon entfallen fast 3.000 auf Baden-Württemberg. "Nimmt man außerdem die von Lkw-Fahrern notgedrungen genutzten, nicht offiziell ausgewiesenen Ausweichmöglichkeiten in Autobahn nahen Gewerbegebieten hinzu, die in dieser Berechnung gar nicht berücksichtigt worden sind, dann dürfte die Anzahl der fehlenden Lkw-Parkplätze eher bei 25.000 bis 30.000 liegen, davon allein 4.000 in Baden-Württemberg", erläutert Goossens.

Der Bund will bis 2015 aber nur 11.000 Parkplätze schaffen, davon 1.700 in Baden-Württemberg. "Damit wird nicht einmal die Hälfte der bis 2015 dringend benötigten zusätzlichen Lkw-Parkplätze geschaffen werden. Außerdem muss der Ausbau zuerst dort erfolgen, wo nachgewiesenermaßen die größten Engpässe sind, nämlich hier im Südwesten", betont die IHK. Nach den Aussagen des Bundesverkehrsministers ist dies aber keineswegs gesichert. Dieser wolle den Ausbau im Osten Deutschlands vorziehen, obwohl dort nachweislich fast keine Engpässe existierten.

Angesichts dieser Problematik und mit Blick auf die langen Zeiträume bis zur Fertigstellung haben sich die baden-württembergischen IHKs mit der Forderung an das Bundesverkehrsministerium gewandt, dauerhaft mehr Geld bereitzustellen und eine weit höhere Anzahl von Parkplätzen als die bislang geplanten 1.700 in Baden-Württemberg einzurichten. Die Schwerpunkte des Ausbauprogramms müssten an den ermittelten, am stärksten betroffenen Autobahnachsen in Baden-Württemberg sowie an weiteren Autobahnen im Süden und Westen Deutschlands liegen.