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Pressemitteilung BoxID: 372154 (Industrie- und Handelskammer für Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen)
  • Industrie- und Handelskammer für Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen
  • Am Waldthausenpark 2
  • 45117 Essen
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IHK: Keine einseitig ökologische Wirtschaftspolitik

(PresseBox) (Essen, ) Zu ihrem zweiten Jahresempfang hatte die Industrie- und Handelskammer für Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen (IHK) zum Flughafen Essen/Mülheim eingeladen. IHK-Präsident Dirk Grünewald nahm den Ort zum Anlass, vor rund 300 Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Medien noch einmal klar Stellung pro Flughafen zu beziehen: "Ein Business Airport Essen/Mülheim ist ein Standortvorteil. Er stärkt Profil und Image der Region." Die Beibehaltung des Status Quo bringe dagegen nicht die erwarteten positiven Effekte. Vielleicht biete die von am Flughafen ansässigen Unternehmen ins Spiel gebrachte Privatisierung die Möglichkeit, eine Änderung der Betriebsgenehmigung zu erreichen.

Grünewald war darüber hinaus skeptisch, ob die von der neuen Landesregierung gesetzten Prioritäten im Bereich der Infrastruktur zielführend seien. So solle der Schwerpunkt auf die Erneuerung der Straßen gelegt werden. "Der Ausbau wichtiger Verkehrsprojekte der Region scheint auf die Standspur abgestellt zu werden. Neue Vorhaben werden auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben", befürchtete der IHK-Präsident. Dies sei gerade vor dem Hintergrund der hohen Stauzeiten im Ruhrgebiet kontraproduktiv.

Grünewald appellierte an die Landesregierung, nicht Wirtschaftszweige gegeneinander auszuspielen. Der Koalitionsvertrag erwecke den Eindruck, dass ein Gegensatz zwischen ökologischnachhaltigen Unternehmen und "konventionellen Branchen" bestehe. Dabei müssten schon heute alle Betriebe schonend mit ihrem Ressourceneinsatz umgehen, wollten sie im internationalen Wettbewerb bestehen. "Die Industriepolitik muss aber auch die ökonomischen und sozialen Ziele im Blick behalten. Eine einseitige ökologische Ausrichtung ist nicht sinnvoll", betonte Grünewald. Vielmehr müsse die Bedeutung der Industrie für Wohlstand und Arbeitsplätze beachtet werden. Es brauche wieder mehr Akzeptanz für die Industrie.

Kritisch blickte der IHK-Präsident auf die Haushaltslage der Kommunen. Anstatt konsequent Sparbemühungen umzusetzen, liege der Schwerpunkt viel zu häufig auf einer Verbesserung der Einnahmeseite durch Steuererhöhungen. Anscheinend bewirke auch die anziehende Konjunktur, dass viele Anstrengungen zur Haushaltskonsolidierung zurückgefahren werden. Dabei könne von einer entspannten Haushaltslage noch keine Rede sein. "Der Sparkurs der Städte ist Pflicht, nicht Kür!", mahnte Grünewald.

Der IHK-Präsident betonte, dass der Fachkräftemangel die Wirtschaft jetzt vor Herausforderungen stelle. Er sei kein Zukunftsthema mehr. Nach einer aktuellen Umfrage hätten 20 Prozent der Betriebe generell ein Problem, offene Stellen zu besetzen. Dies gelte über alle Qualifikationsniveaus hinweg. Viele Unternehmen reagierten bereits mit Prämien und anderen Vergünstigungen für Auszubildende. "Wer heute nicht handelt, greift morgen ins Leere", so Grünewald.

Erfreulich für die MEO-Region sei, dass sie nach den Ergebnissen des aktuellen IHK-Handelsreports ein TOP-Handelsstandort bleibe. Gleichwohl dürften die kleineren Geschäfte nicht aus dem Blick verloren werden. Gerade die Innenstadt von Mülheim mit den Leerständen und einem zu beobachtenden Qualitätsverlust bereite dem IHK-Präsidenten Sorge.