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Pressemitteilung BoxID: 232042 (Industrie- und Handelskammer Erfurt)
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Thüringer Wirtschaft stemmt sich gegen Krise

Mehrzahl der Geschäfte läuft noch gut / Aussichten aber eher getrübt / Investitionen rückläufig

(PresseBox) (Erfurt , ) Die Mehrheit der Thüringer Unternehmen zeigt sich bislang unbeeindruckt von Wirtschafts- und Finanzmarktturbulenzen. Branchenübergreifend beurteilen drei von vier Managern ihre gegenwärtige geschäftliche Situation mit gut bis befriedigend. 81 Prozent arbeiten mit Gewinn oder zumindest kostendeckend. Die Aussichten für die nächsten Monate fallen jedoch deutlich pessimistischer aus. Fast jeder zweite Firmeninhaber erwartet auf Grund sinkender Auftragseingänge spürbare Umsatzeinbußen und eine rückläufige Kapazitätsauslastung. So ist der Konjunkturklimaindex, der die aktuelle Situation so-wie die Erwartungen und Pläne für die nächsten Monate beschreibt, um 22 Punkte gesunken und markiert mit 81 Prozent den niedrigsten Stand seit sechs Jahren. Das ist das Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt unter rund 1.000 Unternehmen in Nord- und Mittelthüringen.

"Trotz verbreiteter Weltuntergangsstimmung und Panikmache zeigt sich die Thüringer Wirtschaft bisher äußerst stabil", wertet IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser das vorliegende Umfrageergebnis der Kammer. Jetzt wirke sich die mittelständisch geprägte Wirtschaftsstruktur des Freistaats in ihrer Flexibilität positiv aus und sichere die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Nur 22 Prozent würden den aktuellen Geschäftsverlauf mit schlecht einschätzen. Sinkende Energie- und Kraftstoffpreise hätten darüber hinaus zu einer Reduzierung der Betriebskosten beigetragen und die Ertragslage bei einem Viertel der Firmen verbessert. "Natürlich fällt der Blick auf die kommenden Monate sehr kritisch aus", so Grusser. Die Manager zeigten sich verunsichert über die weiteren Auswirkungen von Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise. Vor dem Hintergrund an-haltender Hiobsbotschaften aus den großen Konzernzentralen zeichnet fast die Hälfte der Befragten ein eher düsteres Bild von der Zukunft und glaubt nicht an eine schnelle Beendigung der Talfahrt.

"Noch nie war die Zahl der Pessimisten so hoch. Folgedessen werden geplante Investitionen zurückgestellt und Beschäftigte abgebaut", beschreibt der IHK-Hauptgeschäftsführer das Dilemma. Jeder zweite Unternehmer plane eine Kürzung der Investitionsausgaben oder wolle im laufenden Jahr gar nicht in Maschinen und Anlagen investieren.

Zwar reagiere der Arbeitsmarkt in der Regel erst verzögert auf konjunkturelle Abschwünge, doch auch hier sei eine Trendwende im Gang. Die Unternehmer würden ihre Personalplanungen zunehmend auf den Prüfstand stellen. Jeder vierte Betrieb beabsichtige bereits jetzt, die Zahl der Mitarbeiter zu reduzieren oder zumindest Kurzarbeit in Anspruch zu nehmen.

"Vor allem die exportabhängige Industrie des Freistaats bekommt gegenwärtig die sinkende Nachfrage aus dem Ausland zu spüren", verweist Grusser auf den Einbruch der Auftragseingänge. Fast jeder Dritte musste einen Rückgang verkraften. Insbesondere die schwer unter der Krise leidenden europäischen Nachbarn Frankreich, Großbritannien und Italien würden zunehmend als Abnehmer für Thüringer Warenlieferungen ausfallen. Allein in diese drei Länder gingen 2008 rund 30 Prozent der Thüringer Exporte.

Und auch der Jobmotor läuft bei der Industrie in den nächsten Monaten im Leerlauf. Fast jeder Dritte plant einen Personalabbau, nur sechs Prozent beabsichtigen die Beschäftigung auszudehnen.

Der Einzelhandel kann sich über ein recht gut verlaufenes Weihnachtsgeschäft freuen. Dementsprechend zufrieden äußern sich die Händler über ihre aktuelle Situation. So schätzen 27 Prozent ihre Geschäftslage mit gut ein, 20 Prozent urteilen dagegen schlecht. "Allerdings kann die Euphorie nicht über die harten Fakten hinweg täuschen. Bei knapp jedem Zweiten gingen die Umsätze weiter zurück", berichtet Grusser. Der Blick in die Zukunft bleibe deshalb abwartend und nüchtern. Nur fünf Prozent der Unternehmer rechnet mit einer Verbesserung der Situation. Die Hälfte erwartet einen ungünstigeren Verlauf. Arbeitsmarkt- und Einkommensentwicklung bleiben die Risikofaktoren für die privaten Haushalte.

"Es ist abzuwarten, wie sich die 'finanziellen Geschenke' des Staates im Rahmen der Konjunkturprogramme im Kaufverhalten der Verbraucher in den nächsten Monaten auswirken", schätzt der IHK-Chef ein.

Das Baugewerbe blickt auf verhältnismäßig erfolgreiche Monate zurück. Zweistellige Zuwachsraten im Umsatz wirken sich positiv auf die Einschätzung der Geschäftslage aus. Über ein Drittel der Bauunternehmer beurteilt diese derzeit als gut. Nur 14 Prozent äußern sich negativ. Allerdings sind auch hier die Erwartungen für die kommenden Monate vorsichtiger geworden. Hoffnungen verknüpfen sich mit den Impulsen aus dem Konjunkturpaket bei Infrastrukturmaßnahmen und Gebäudesanierungen.

Fazit: Die Thüringer Wirtschaft stemmt sich weiterhin hartnäckig gegen die Krise. Die aktuelle geschäftliche Situation ist in der Mehrzahl der Betriebe besser als die allgemeine Stimmungslage, die für die nächsten Monate von Unsicherheit und Skepsis geprägt ist. Trotz des bevorstehenden Wahlmarathons hoffen die Unternehmer auf eine handlungsfähige Regierung und die Versachlichung der wirtschafts-politischen Debatten.