PresseBox
Pressemitteilung BoxID: 593634 (IfKom - Ingenieure für Kommunikation e.V.)
  • IfKom - Ingenieure für Kommunikation e.V.
  • Castroper Str. 157
  • 44357 Dortmund
  • https://www.ifkom.de/
  • Ansprechpartner
  • Doreen Blume
  • +49 (231) 93699332

IfKom sehen in Volumentarifen zunächst keine Gefährdung der Netzneutralität

(PresseBox) (Bonn, ) Volumentarife stellen nach Auffassung der Ingenieure für Kommunikation (IfKom) nicht per se eine Verletzung der Netzneutralität dar. Es wäre der Versachlichung der Debatte dienlich, wenn man die Preispolitik der Internet-Serviceprovider und den diskriminierungsfreien Internet-Transport differenzierter und nach objektiven Kriterien betrachten würde, so der IfKom-Bundesvorstand.

Netzneutralität, also der grundsätzlich diskriminierungsfreie Transport von IP-Paketen unabhängig von Absender, Inhalt oder Empfänger, ist sowohl nach Meinung der EU als auch nach Auffassung der Regierungs- und Oppositionsparteien sowie der Internet-Serviceprovider ein schützenswertes Gut. Nunmehr möchte ein Internet-Serviceprovider Kunden von seiner Flatrate für den schnellen Anschluss ausnehmen, sobald sie ein bestimmtes Datenvolumen überschreiten. Gegen Aufpreis kann jedoch die höhere Geschwindigkeit wieder zugebucht werden.

Dies ist nach Meinung der IfKom zunächst einmal eine Entscheidung des Unternehmens im Rahmen seiner Preispolitik und nimmt Rücksicht auf den investiven Aufwand für extrem hohe Nutzung der Netze durch ein relativ kleines Kundensegment. Diskriminierend wäre diese Tarifentscheidung möglicherweise, sobald der Internet-Serviceprovider bestimmte Internet-Dienste bzw. Inhalte bevorzugen und andere benachteiligen würde, in dem er diese Dienste auf das zu zahlende Volumen anrechnet oder nicht.

Die IfKom weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Infrastrukturen für die immer größer werdenden Datenmengen an kritische Grenzen gelangen. Das betrifft nicht nur den breitbandigen Netzzugang, sondern auch das Backbone-Netz. Das Internet ist keine unbegrenzte Ressource, sondern eine Infrastruktur, die mit hohem ingenieurtechnischem Sachverstand geplant, aufgebaut, betrieben sowie nach betriebswirtschaftlichen Regeln finanziert werden muss und physikalischen Gesetzen und technologischen Grenzen unterworfen ist.

Spannend wird die Situation zudem, wenn in Deutschland das ISDN aufgegeben und die Sprache nur noch in IP-Paketen transportiert wird. Damit die Sprachqualität erhalten bleibt, müssen diese Pakete in Echtzeit, also priorisiert, transportiert werden. Dies ist technisch begründet und hat nichts mit der Verletzung der Netzneutralität zu tun. Ein Gleichbehandlungsgebot für alle Datenpakete ohne Rücksicht auf solche technischen Erfordernisse verteuert die Netze und gefährdet dennoch die Übertragungsqualität. Um die zeitkritischen Dienste jederzeit verlustfrei abwickeln zu können, müssten nämlich ständig Netzreserven vorgehalten werden, die viel Geld kosten, Energie verbrauchen und für kurzzeitige Spitzenlastfälle dann möglicherweise doch nicht ausreichen.

Damit die Infrastrukturbetreiber dennoch weiterhin investieren können, benötigen sie entsprechende Einnahmen. Sofern diese Einnahmen nicht im Wettbewerb erzielt werden können, ist die Politik aufgerufen, hier nachzusteuern. Man kann nicht allen Bürgern einen Breitbandanschluss zu billigen Preisen versprechen und das Problem begrenzter Übertragungskapazitäten ignorieren. Es ist daher gerade vor der nächsten Bundestagswahl interessant zu sehen, wie sachkundig und fundiert sich Politiker dieses Themas annehmen und ob sie zwischen diskriminierungsfreiem Transport und Nutzung auf der Ebene der Dienste im Sinne der Netzneutralität und den technisch notwendigen Netzmanagementaufgaben unterscheiden.

Die IfKom setzen sich bereits seit Jahren für den Breitbandausbau ein, fordern Politik und Netzbetreiber aber auch auf, für sichere und belastbare Infrastrukturen zu sorgen. Dies ist Voraussetzung für wirtschaftliche Prosperität und Teilhabe aller Bürger an der Nutzung der digitalen Medien.

IfKom - Ingenieure für Kommunikation e.V.

Die Ingenieure für Kommunikation e. V. (IfKom) sind der Berufsverband von technischen Fach- und Führungskräften in der Kommunikationswirtschaft. Der Verband vertritt die Interessen seiner Mitglieder - Ingenieure und Ingenieurstudenten sowie fördernde Mitglieder - gegenüber Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit. Der Verband ist offen für Studenten und Absolventen von Studiengängen an Universitäten und Hochschulen aus den Bereichen Telekommunikation und Informationstechnik sowie fördernde Mitglieder. Der Netzwerkgedanke ist ein tragendes Element der Verbandsarbeit. Gerade Kommunikationsingenieure tragen eine hohe Verantwortung für die Gesellschaft, denn sie bestimmen die Branche, die die größten Veränderungsprozesse nach sich zieht. Die IfKom sind Mitglied im Dachverband ZBI - Zentralverband der Ingenieurvereine e. V. Mit über 50.000 Mitgliedern zählt der ZBI zu den größten Ingenieurverbänden in Deutschland.