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Pressemitteilung BoxID: 649490 (IfKom - Ingenieure für Kommunikation e.V.)
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IfKom: Breitbandausbau bleibt größte Herausforderung der digitalen Agenda

(PresseBox) (Bonn, ) Der flächendeckende Breitbandausbau bleibt nach Auffassung der Ingenieure für Kommunikation (IfKom) trotz positiv klingender Zwischenbilanzen die dringendste infrastrukturelle Herausforderung Deutschlands zur Umsetzung der digitalen Agenda. Nur wenn dieses Rückgrat der Informations- und Kommunikationstechnik (ITK) bundesweit in ausreichender Qualität zur Verfügung steht, können die Prozesse der Wirtschaft in der digitalen Welt wettbewerbsfähig umgesetzt werden und alle Bürger den Nutzen des schnellen Internets spüren.

Laut dem im Dezember vorgestellten Tätigkeitsbericht der Bundesnetzagentur ist 2013 die Anzahl der Breitbandanschlüsse in Deutschland auf 28,4 Mio. gestiegen. Das entspricht einer Penetrationsrate von etwa 70% der Haushalte, jedoch nur ca. 34% bezogen auf die Einwohnerzahl. Laut Breitbandatlas der Bundesregierung sind 98% der Haushalte mit Downloadgeschwindigkeiten von mindestens 2 Megabit pro Sekunde versorgt. Das klingt nur auf den ersten Blick beruhigend, denn nach dem Koalitionsvertrag soll es bis 2018 eine flächendeckende Breitbandversorgung von 50 Megabit pro Sekunde geben. Diese Bandbreite können aber derzeit nur etwa 58% der Haushalte nutzen. Ähnlich sieht es für die Wirtschaft aus. Wo immer sich Unternehmen abseits der großen Metropolen ansiedeln wollen, benötigen sie auch hier eine leistungsfähige Netzanbindung.

Mit dem Fokus auf ihr neues Tätigkeitsfeld hat die Ostbeauftragte der Bundesregierung und Bau-Ingenieurin Iris Gleicke gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung ein hochleistungsfähiges Internet auch in Ostdeutschland gefordert. Diese Forderung ist aufgrund der unterversorgten ländlichen Gebiete nach Meinung der IfKom durchaus begründet, gilt aber auch für ähnlich strukturierte Gebiete im übrigen Deutschland. Denn die angestrebten 50 Megabit pro Sekunde sind laut Breitbandatlas derzeit zwar für ca. 77% der Einwohner im städtischen Bereich, aber nur für rund 10% der Einwohner im ländlichen Bereich verfügbar. Laut ITU Telecom World liegt Deutschland selbst bei Bandbreiten von mindestens 10 Megabit pro Sekunde in Europa nur auf Rang 22.

Nach einer aktuellen WIK-Consult-Studie sind 80% der Anschlüsse auf einem Drittel der Fläche Deutschlands angesiedelt. Will man jedoch die 10% der Teilnehmer in dem am wenigsten dicht besiedelten Gebiet erreichen, müssen schon 45% der Fläche Deutschlands erschlossen werden. Nach einer Studie des TÜV Rheinland im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums liegen die Kosten für einen Ausbau von 100% der Haushalte mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde bei ca. 20 Mrd. €. Die Erschließung der letzten 5% der Haushalte kostet knapp 8 Mrd. € und bringt somit Mehrkosten von 65 % mit sich.

Damit wird die Herausforderung für die nächsten Jahre deutlich, denn die erforderlichen Investitionen in der Fläche bei den geringeren Anschlusszahlen auf dem Land können nur mit gemeinsamen Anstrengungen der Wirtschaft und der Politik aufgebracht werden. Nur mit einem Maßnahmenpaket aus ausgewogenen Regulierung, genügend Investitionsanreizen und einer gezielten Förderung bzw. Beteiligung durch den Staat sowie einem optimierten Technologiemix aus Glasfaseranbindungen, DSL-Anschlüssen und Funklösungen wird das Ziel einer flächendeckenden Breitbandversorgung bis 2018 annähernd erreichbar sein.

Die Bundesregierung bleibt daher aufgefordert, diese Herausforderung mit Priorität zu bearbeiten. Nicht nur das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, sondern auch die anderen Ressorts, bei denen die Themen der digitalen Agenda verteilt sind, müssen sich auf eine schnelle politische Weichenstellung verständigen. Zudem muss der Deutsche Bundestag sowohl den Breitbandausbau als auch die anderen mit der digitalen Agenda zusammenhängenden Themen in einem eigenen Ausschuss bündeln.

IfKom - Ingenieure für Kommunikation e.V.

Die Ingenieure für Kommunikation e. V. (IfKom) sind der Berufsverband von technischen Fach- und Führungskräften in der Kommunikationswirtschaft. Der Verband vertritt die Interessen seiner Mitglieder - Ingenieure und Ingenieurstudenten sowie fördernde Mitglieder - gegenüber Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit. Der Verband ist offen für Studenten und Absolventen von Studiengängen an Universitäten und Hochschulen aus den Bereichen Telekommunikation und Informationstechnik sowie fördernde Mitglieder. Der Netzwerkgedanke ist ein tragendes Element der Verbandsarbeit. Gerade Kommunikationsingenieure tragen eine hohe Verantwortung für die Gesellschaft, denn sie bestimmen die Branche, die die größten Veränderungsprozesse nach sich zieht. Die IfKom sind Mitglied im Dachverband ZBI - Zentralverband der Ingenieurvereine e. V. Mit über 50.000 Mitgliedern zählt der ZBI zu den größten Ingenieurverbänden in Deutschland.