Behördenfunk TETRA mit veralteter Technik?

(PresseBox) ( Bonn, )
In den vergangenen Tagen häuft sich die Kritik am Behördenfunksystem TETRA, das derzeit deutschlandweit ausgerollt wird. So hat etwa die ZDF Sendung Frontal21 am 14.10. hierzu eine Reportage gesendet, in der das System heftig kritisiert wurde. Auch wenn viele der genannten Kritikpunkte einen wahren Kern haben, so trägt doch diese recht einseitige Darstellung eher zu einer Verunsicherung der Öffentlichkeit und der Politik bei, als konstruktiv am Thema zu arbeiten.

Zu Recht wird die geplante dünne Funkversorgung kritisiert. Sie ist die Folge eines jahrelangen Streits um die Finanzierung des Netzes und der damit einhergehenden langen Verzögerung des Projektstarts. Deutschland ist in dieser Beziehung in der Tat Schlusslicht in Europa. Allein die eingesparten Mittel aus einem frühzeitigen Systemwechsel und dem Abschalten des antiquierten analogen Systems hätten sicher einen erheblichen Teil zur Verbesserung der Funkversorgung beitragen können. Schade, die Chance wurde vertan. Nun stellt sich heraus, dass das Projekt teurer wird, als es in der letzten Planung vorgesehen war. Merkwürdig nur, dass die aktuellen Schätzungen recht nahe dem Angebot kommen, das die Bahn-Tochter DB Telematik (heute DB Systel) seinerzeit dem Innenministerium gab und was damals aus Preisgründen abgelehnt wurde. Gut beraten sind die Länder, die ihre Finanzplanung an dieser Stelle nicht auf Kante genäht haben und dem entgegenwirken können.

Was die Datendienste in TETRA betrifft, so ließ Frontal21 Professor Gerpott zu Wort kommen, der die Übertragungsraten des einfachen TETRA Standards verlachte und die Technik als hoffnungslos veraltet darstellte. Hier ist eine Klarstellung nötig: TETRA ist kein Standard zur Übertragung von großen Datenmengen und das war auch nie das Ziel. Tetra ist für die schnelle und sichere Kommunikation mit Gruppenrufen optimiert und unterstützt die Übertragung kleiner Datenmengen. Wie nützlich solche kleinen Datenmengen sein können, haben die GSM Netzbetreiber mit dem Erfolg von SMS bewiesen. Und es gibt wohl kaum jemanden, der die Nützlichkeit der Anzeige über die nächsten Abfahrten an einer Bushaltestelle bezweifelt: Das ist ein Beispiel für effiziente Nutzung von Schmalband-Datendiensten.

Internationale Experten haben im März 2007 auf einem vom Innenministerium veranstalteten Kongress in Bonn die Einsatzmöglichkeiten intensiv diskutiert und über die Datendiensterweiterung TEDS gesprochen. Das Fazit war klar: Die wichtigsten Datendienste für die BOS können bereits mit dem heute verfügbaren Standard übertragen werden. Als Beispiele seien nur genannt: KFZ- Halterermittlung, Überprüfung von Personaldokumenten (Pass, Ausweis, Führerschein), Übertragung von Fingerabdrücken,Fahndungsmeldungen etc. Wichtig für die BOS ist die zuverlässige abhörsichere Kommunikation primär von Sprache und einfachen aber sehr nützlichen Datendiensten. Dazu gilt der schnelle Rufaufbau als essentiell. Dafür ist der Standard bestens geeignet. Keine andere verfügbare Technik kann dies derzeit besser leisten als TETRA. Und für Geräte dieses ETSI- Standards gibt es viele Anbieter im Gegensatz zu dem noch 2004 von Professor Gerpott favorisierten älteren EADS System TETRAPOL, das im übrigen noch deutlich schlechtere Datenübertragungsraten bietet.

Was die Übertragung großer Datenmengen angeht, besteht heute kein Problem darin, hierzu öffentliche Mobilfunknetze einzusetzen. Diese Daten sind selten zeitkritisch und können gut durch Verschlüsselung gesichert werden. Ob man dafür kombinierte Endgeräte braucht, ist fraglich. Hier sollten eher kostengünstige Standard-Produkte zum Einsatz kommen.

Kritikwürdig ist eher die Frage, ob die beschafften Endgeräte nicht bereits für solche Datendienste hätten vorbereitet werden sollen. Leseeinrichtungen für Ausweisdokumente, Scheckkarten oder Fingerabdrücke sind noch nicht vorhanden und werden wohl später einen Austausch der Geräte erforderlich machen.

Wichtig ist jetzt, dass die für die BOS dringend notwendige Infrastruktur zügig eingeführt wird und eine gute Funkversorgung gewährleistet wird, auch wenn es sicher noch einmal Geld kosten wird. Deutschland darf sich nicht die Blöße geben, wegen der im Vergleich zu den Kosten der Bankenkrise relativ geringen Mehrkosten die Sicherheit des Landes durch lange föderalpolitisch bestimmte Diskussion aufs Spiel zu setzen. Hier müssen alle an einem Strang ziehen. Auch die Presse sollte hier in erster Linie sachlich bleiben und von einer Polemisierung zu Gunsten der Quoten Abstand nehmen.

Der Politik, den Behörden und den künftigen Anwendern des TETRA- BOS Netzes bietet IfKom mit seinem Netzwerk aus Telekommunikationsexperten das Fachgespräch an, um Klarheit in dieser Flut von Informationen zu schaffen.
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