Rettet die Marktwirtschaft!

Kommentar von Udo Nadolski, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungshauses Harvey Nash

(PresseBox) ( Düsseldorf, )
Bekennende Marktwirtschaftler haben es in diesen turbulenten Tagen schwer, sich Gehör zu verschaffen. Eine gewichtige Stimme ist Daniel Zimmer, Direktor des Instituts für Handels- und Wirtschaftsrecht der Universität Bonn und Mitglied der Monopolkommission. Im Interview mit der FAZ skizzierte er die negativen Folgen der Finanzkrise für die marktwirtschaftliche Ordnungspolitik. "Es gibt nun einmal den Reflex, in schwierigen Zeiten dem Staat besonders viel zuzutrauen. Aber das ist gefährlich", warnt Zimmer.

Der Finanzcrash dürfe nicht den Blick darauf verstellen, dass der ganze Wohlstand, den wir in den vergangenen Jahrzehnten erwirtschaftet haben, in einer Marktwirtschaft gewonnen wurde, deren Grundlage Handlungsfreiheit war. Die derzeitigen Rettungsaktionen werden aber vermutlich Strukturen schaffen, die man nur schwer wieder loswerden könne. "Anschaulich machen lässt es sich derzeit anhand des Beispiels der Vereinigten Staaten. Dort hat die Regierung das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, hat bei den Immobilienfinanzierern Freddie Mac und Fannie Mae die Kontrolle über die Geschäftsführung übernommen und der heimischen Automobilindustrie einfach so riesige staatliche Zuschüsse gewährt", sagt Zimmer. Es sei kein gutes Zeichen, dass die Kanzlerin der deutschen Autoindustrie auch schon Unterstützung versprochen hat. "Wir drohen da in einen Wettlauf der Wettbewerbsverfälschungen hineinzulaufen, der unseren Wohlstand gefährdet", kritisiert der Wirtschaftsexperte.

Selbst in der Branche für Telekommunikation, die seit der Liberalisierung gigantische Wachstumsraten verzeichnen konnte, schreien Experten nach dem starken Staat. Die Politik solle Untergrenzen für die Preise festlegen und Steuergelder in Großprojekte investieren, um den Telekommunikationsunternehmen zu helfen. So schnell schmeißen gestandene Manager marktwirtschaftliche Grundsätze über Bord. Eine passende Antwort hat Aastra-Deutschland-Chef Andreas Latzel gegeben. "Ich halte es für falsch, staatliche Regulationen zu fordern. Es handelt sich um eine natürliche Konsolidierungsphase, die nach der Orientierungslosigkeit durch diffusen Innovationsdruck und technologischen Entwicklungssprüngen notwendig ist. Viele Firmen haben sich schlichtweg verzockt. Sie haben auf einen unendlich steigenden Bandbreitenbedarf spekuliert und die Erosion der Preise nicht beachtet, die aus dem Überangebot resultiert. Die Equipment-Hersteller wiederum haben sich zu sehr auf die Big Deals im Carrier-Geschäft fokussiert und die Unternehmenskommunikation mit vergleichsweise kleinem Projektvolumen vernachlässigt", erklärt Latzel.

Das ist auch meine Meinung. Die TK-Unternehmen müssen sich stärker auf die wirklichen Bedürfnisse der Kunden konzentrieren und sollten nicht auf allen Hochzeiten tanzen: Es reicht nicht aus, nur Schlagwörter in die Welt zu setzen und keine maßgeschneiderten Produkte zu entwickeln, die man leicht installieren und warten kann. Technisches aller Art kommt häufig unausgereift auf den Markt und arbeitet nicht mit anderen Komponenten zusammen. TK-Manager sollten nicht nach dem Staat schreien, sondern ihre Hausaufgaben machen. Zudem hat Daniel Zimmer von der Monopolkommission berechtigter Weise auf die Tatsache hingewiesen, dass die Finanzkrise durch drastisches Staatsversagen hervorgerufen wurde. So hat die US-Regierung Menschen förmlich ermutigt, Häuser zu kaufen, die sie sich nicht leisten konnten, und die Zentralbank hat den Markt mit billigem Geld überschwemmt. "Auch die Lücken in der Finanzaufsicht waren kein Marktversagen. Zu einer funktionierenden Marktwirtschaft gehört eine gute Bankenaufsicht. Die hat es in den Vereinigten Staaten nicht gegeben", erklärt Zimmer. Und in Deutschland sind es ja wohl in erster Linie Finanzinstitute mit Staatsbeteiligung, die sich auf dem Kapitalmarkt verhoben haben und nun das Rettungspaket anzapfen. Von den politischen Repräsentanten unseres Landes wird das achselzuckend zur Kenntnis genommen. Kann man in diesen Fällen noch vom Raubtierkapitalismus und der Hybris des Neoliberalismus sprechen?

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