Nachwuchssorgen werden größer - Weiterhin über 217 freie Ausbildungsplätze gemeldet

(PresseBox) ( Mannheim, )
"Eigentlich sollte meine Arbeit für den Ausbildungsbeginn 2010 heute beendet sein", erklärt Stefan Schlösser, der sich seit März mit Recruiting und Lehrstellenvermittlung der Handwerksbetriebe im gesamten Kammergebiet befasst. Die Medien berichten vom drohenden Fachkräfte- und Nachwuchsmangel, die Betriebe der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald spüren ihn schon heute.

Laut einer aktuellen Erhebung anhand der freien Stellen der Lehrstellenbörse online, die über die Homepage der Handwerkskammer eingesehen werden können, sind für 2010 noch 217 freie Lehrstellen gemeldet. Es bestehen zwar regionale Unterschiede in der Quantität und Differenzen im Bewerbungsverhalten, grundsätzlich könne beinahe jedem qualifizierten und motivierten Schulabgänger ein Angebot gemacht werden, berichtet Schlösser weiter.

Auch darin besteht aber die Kluft zwischen Bewerbern und Ausbildungsbetrieben. Gerade im ländlichen Bereich kommen auf eine freie Stelle weniger als zehn Bewerbungen, selbst bei Berufen wie Konditor/in, Mechaniker/in für Land- und Baumaschinen oder Elektroniker/in.

Herr Schlösser erfährt durch seine regelmäßigen Betriebsbesuche woran Bewerber häufig scheitern und weshalb Betriebe absagen: "Es liegt größtenteils an der Bereitschaft, sich für seine Ausbildung zeitweise auch besonders zu bemühen. Damit sind nicht die Arbeitsbedingungen gemeint, sondern längere Wege zur Berufsschule, frühes Aufstehen und kontinuierliches Lernen. Viele Bewerber geben an, dass sie gerne irgendwo im Büro sitzen möchten, bringen aber wenig Argumente, weshalb sie dafür besonders geeignet wären. Außerdem bemängeln die Betriebe, dass sich die Bewerber im Vorfeld nicht mit der Ausbildung befasst hätten. Wer in seiner Bewerbung nicht erkennen lässt, dass er sich für den Inhalt der Ausbildung brennend interessiert, bekommt selten ein Praktikum."

Positiv sei zu bewerten, dass die meisten Betriebe gerne bereit sind, über schlechtere Schulnoten hinwegzusehen. "Sofern der Arbeitseinsatz stimmt, gehen die Betriebe auch mal einen Kompromiss ein", gibt Schlösser den Bewerbern mit auf den Weg. Wer sich aktuell noch für eine Ausbildung interessiert und Mobilität mitbringt, kann bis in den Oktober hinein mit der Ausbildung starten. Bewerber können Ihre Unterlagen direkt an Herrn Schlösser richten, vorzugsweise per Email. Vereinzelt werden Ausbildungsverhältnisse im September gelöst, weil sich ein Azubi neu orientiert. "In diesem Fall stehen die Chancen für Spätentschlossene gut, spontan eingeladen und ausgebildet zu werden", verrät Schlösser.
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