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Pressemitteilung BoxID: 239070 (Handwerkskammer Koblenz)
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Zurück zu den "Goldberg-Variationen"

Martin Stadtfeld beschließt die HwK-Reihe "Junge Meister spielen große Werke"

(PresseBox) (Koblenz , ) Als er vor sechs Jahren seine erste CD mit Johann Sebastian Bachs "Goldberg-Variationen" veröffentlichte, jubelte die Kritik selten euphorisch. Auch Deutschland, so die "Welt", habe jetzt endlich seinen eigenen "Bach-Superstar", der variiere und oktaviere, bis "gewirkten Bach-Hörern die Ohren schlackern". Und die "Zeit" fragte: "Was macht Martin Stadtfeld mit den Goldberg-Variationen, das andere nicht machen?" und liefert dazu selber die Antwort: "Er verwirrt den Hörer. Er spielt das Original unschuldig - und gleich in der Wiederholung eine tollkühne Variante." Ein eigenes Bild von Stadtfelds "Tollkühnheit" in Sachen Bach, die sich auch darin zeigte, dass er als CD-Debütant die Konkurrenz solcher Piano-Größen wie Glenn Gould oder Andrei Gawrilow nicht scheute, können sich die Koblenzer am Sonntag, 1. März, 11 Uhr in der Galerie Handwerk machen. Denn mit seinem Konzert, dem (vorerst) letzten in der von der Handwerkskammer Koblenz veranstalteten Reihe "Junge Meister spielen große Werke", kehrt Stadtfeld "back to the roots", zurück zu den Goldberg-Variationen.

Schon mit neun Jahren gab der 1980 Geborene sein erstes Konzert, mit vierzehn studierte er bereits in Frankfurt bei Lev Natochenny, dem widerspenstigen, jeglicher vordergründigen Virtuosität abholden Pianisten und Lehrer. 2002 gewann er als erster bundesdeutscher Pianist den Leipziger Bach-Wettbewerb, doppelt bemerkenswert, da dessen erster Preis vierzehn Jahre lang nicht mehr vergeben worden war. 2004 erntete er für seine Goldberg-Variationen den Echo Klassik-Preis (den er seitdem geradezu abonniert zu haben scheint), zunächst als "Nachwuchskünstler des Jahres". Ein Jahr später wurde seine zweite CD, "Bach pur", u. a. mit den dreistimmigen Inventionen und dem Italienischen Konzert, als "Solistische Einspielung des Jahres" ausgezeichnet. Bach gilt auch die jüngste CD Martin Stadtfelds, dem "Wohltemperiertem Klavier", aufgenommen im Konzerthaus Dortmund, mit dem ihn eine jahrelange Zusammenarbeit verbindet, nicht nur in dessen Konzertreihe der "Jungen Wilden", sondern auch als Musikpädagoge, der mit Kindern und Jugendlichen aus Problemschulen arbeitet.

Bachs Goldberg-Variationen, die "Aria mit verschiedenen Veränderungen vors Clavicimbal mit zwei Manualen" BWV 988 erschien 1742, als vierter Teil der "Klavierübung" und als erstes großes, dann aber gleich alles Vorherige weit übertreffendes Variationenwerk des Thomaskantors überhaupt. Geschrieben für, so der erste Bach-Biograf Johann Nikolaus Forkel, Mittel, Johann Theophilus Goldberg, den Hauspianisten des als Auftraggeber fungierenden Grafen Herman Carl von Keyserling, dem dieser damit seine schlaflosen Nächte angenehm vertreiben sollte. "Er konnte sich nicht satt daran hören und lange Zeit hindurch hieß es nun, wenn schlafloser Nächte kamen: Lieber Goldberg, spiele mir doch eine von meinen Variationen."

Dabei sind die 30 Variationen kompositorisch, technisch und pianistisch alles andere als ermüdende und einschläfernde Kost, entwickeln die zugrundeliegende Aria im ruhigen Dreiviertelrhythmus höchst virtuos, verwandeln sie abwechslungsreichst in Tanz- und Charakterstücke, in etüdenhafte, mit Trillern, Sprüngen und akkordischem Vibrato gespickte Sätze, bis hin zur 30. Variation, einem musikantischen Spaß, einem Quodlibet über Volksliedmelodien. Man darf gespannt darauf sein, was Martin Stadtfeld heute daraus macht.