Kammer nimmt junge Frauen für Führungspositionen und Firmenübernahmen ins Visier

Düsseldorf, (PresseBox) - .

- Kommunikationskampagne „Wir können Technik!" und gezielte Angebote der Betriebsberatung gegen die Meister- und Unternehmerlücke gestartet
- Ehlert: Chancen auf Selbstständigkeit per Betriebsnachfolge noch nie so gut wie jetzt

Die Handwerkskammer Düsseldorf sucht den Frauenanteil an den Beschäftigten und Führungskräften im Wirtschaftsbereich mit einer Kommunikationsoffensive systematisch zu erhöhen. Die Akademie der Kammer, Trägerin der Meisterschulen im Kammerbezirk, hat eine Plakat- und Social Media-Kampagne „Wir können Technik!" gestartet. „Wir wenden uns an junge Frauen, die sich in ihren Neigungen und Berufsvorstellungen nicht auf traditionelle berufliche Rollenbilder festlegen lassen und gerne mit Werkzeug umgehen. Wir wollen sie motivieren, zu ihren Neigungen zu stehen und eine Ausbildung in einem technologisch geprägten Handwerksberuf zu beginnen.", sagte Kammerpräsident Andreas Ehlert am Donnerstag in Düsseldorf auf einer Pressekonferenz im Vorfeld der zentralen Meisterfeier der HWK.

Im Mittelpunkt der PR-Offensive stehen Portraits und Begegnungsmöglichkeiten mit realen jungen Meisterinnen in Führungspositionen an Rhein, Ruhr und Wupper als Rollenvorbilder. Die Pro-Meisterinnen-Kampagne funktioniert visuell, auf Großtransparenten und Trucks, über Info Flyer und Internet, sowie in ausgewählten Netzwerken wie Instagram und Facebook und auf YouTube, aber auch live, in Schuleinsätzen, auf Berufsorientierungstagen und Ausbildungsmessen unter Beteiligung der freiwilligen „Botschafterinnen". „Der Satz: Das ist nichts für Mädchen, den gibt es nicht mehr!", begründete Tischlermeisterin Sara Carlsson (30), die nicht nur ein Unternehmerin in Willich, sondern als zweifache Mutter auch eine Familie „managt", ihre Mitwirkung an der Initiative.

Daneben hat auch die Betriebsberatung der größten Handwerkskammer des Landes ein spezielles Angebot entwickelt. Die Workshop-Reihe „Frauen gehen in Führung" richtet sich gezielt an Unternehmerinnen, Gründerinnen und weibliche Führungskräfte im Handwerk. Dabei stehen nicht nur die klassischen Themen der Unternehmensführung auf dem Programm (wie Kundenkommunikation, Mitarbeiterbindung oder Finanzierung), sondern auch gezielte Angebote zu den Themen Unternehmerinnenpersönlichkeit und zur Vereinbarkeit von Familie und Selbstständigkeit. Andreas Ehlert: „Ein Viertel der Auszubildenden und Beschäftigten und ein Fünftel der Meister und Unternehmer sind weiblich. Wir wollen in all diesen Parametern in fünf Jahren auf 30 Prozent kommen, um die schlummernde Reserve an Führungskräften und Firmen-Chefinnen zu heben."

Denn die Aktivitäten der Kammer haben einen drängenden realwirtschaftlichen Hintergrund: Bei gut 9.400 Betrieben, etwa 16 Prozent des kammerweiten Betriebsbestands, haben die Inhaber bzw. Geschäftsführer oder Gesellschafter bereits das 60. Lebensjahr erreicht. Gemessen an einem angenommenen Renteneintrittsalter von 65 Jahren müssten sie ihre Verantwortung innerhalb der nächsten fünf Jahre an Unternehmensnachfolger übergeben. Für weitere 7.500 Betriebe alleine im Kammerbezirk sollte das Thema Nachfolge langsam aber sicher in den strategischen Focus rücken: deren Inhaber, Geschäftsführer, Gesellschafter sind 55 bis 59 Jahre alt. „Die zweite Nachkriegsgeneration tritt ab. Mehr als jede vierte Handwerksfirma im Bezirk steht vor dem Rückzug ihres Inhabers und damit vor der Frage: Fortsetzung oder das Aus?", verdeutlichte Ehlert das Dilemma. „Die Sicherung der Unternehmensnachfolge ist eine der wichtigsten Herausforderungen für unsere Mitgliedsbetriebe und somit für uns als Handwerkskammer."

Die Kammer schätzt auf der Grundlage eigener Erfahrung und Studien, dass bis zu zwei Dritteln dieser Betriebe eine grundsätzliche Chance auf Fortführung haben. 40 Prozent werden voraussichtlich innerhalb der Familie übertragen; jedes fünfte Unternehmen an Mitarbeiter; der Rest findet externe Käufer. „Wichtig ist, dass die Inhaber sich frühzeitig mit der Nachfolgeregelung auseinandersetzen, ihre Unternehmen attraktiv und zukunftsfähig halten und notwendige Investitionen nicht zurückhalten", mahnte der Kammerpräsident. Je länger Betriebsinhaber die Nachfolge über das Rentenalter hinauszögerten, desto geringer seien die Aussichten auf eine erfolgreiche Nachfolge.

Die Betriebsberatung der Handwerkskammer Düsseldorf hält umfangreiches Know-how und Material für die Sensibilisierung und Begleitung von Betriebsinhabern und Nachfolgern parat, und führt jährlich rund 700 Nachfolgeberatungen durch. Die Übergabe-Spezialisten moderieren bei Bedarf den gesamten Prozess, für beide Seiten. Dabei richtet die Kammer den Blick sowohl auf die Meisterschüler als auch auf ein gewisses Potenzial akademischer Quereinsteiger. „Zusammen mit der Universität Wuppertal und der Kreishandwerkerschaft Solingen-Wuppertal werden wir dazu noch in diesem Jahr ein Pilotprojekt starten", kündigte Ehlert an.

„Fest steht allerdings, dass sich die Suche nach Nachfolgewilligen zunehmend schwieriger gestaltet," konstatierte Ehlert. Im vergangenen Jahr registrierte die Kammer 4.215 Existenzgründungen „auf der grünen Wiese" und 164 Gründungen in Form einer Unternehmens-Fortführung; zusammengenommen die geringste Anzahl seit 2010.

„Für junge Menschen mit Unternehmerambitionen bedeutet das hingegen, dass ihre Chancen steigen, interessante, gut eingeführte und aufgestellte Firmen zu übernehmen. Nie war die Gelegenheit so günstig wie jetzt.", betonte Ehlert. Vor allem im Segment der meisterpflichtigen Berufe, die 90 Prozent der Arbeits- und Ausbildungsplätze stellen, ist entsprechend qualifizierter Führungskräftenachwuchs äußerst gefragt. Hier ist bereits jeder fünfte Inhaber 60 und älter. Das betrifft vor allem die beschäftigungsstarken Branchengruppen Gewerblicher Bedarf, Bau und Ausbau.

Handwerkskammer Düsseldorf (HWK)


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