Andreas Ehlert: Gewerblich-technischer Ausbildung steht Renaissance bevor

Kammerpräsident mahnt im Vorfeld der 68. Meisterfeier Exzellenzinitiative zugunsten der Beruflichen Bildungsstätten an

Düsseldorf, (PresseBox) - Die Handwerkskammer Düsseldorf sieht Anzeichen für eine Renaissance der Berufs-Ausbildung in Deutschland. Voraussetzung für den Wiederaufstieg der Lehre sei allerdings „eine stärkere und nachhaltigere öffentliche Unterstützung und Förderung des Beruflichen Bildungswesens, insbesondere Investitionen in die vernachlässigten Beruflichen Bildungsstätten", mahnte der Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, Andreas Ehlert, am Donnerstag in der NRW-Landeshauptstadt. Er sprach vor Journalisten im Vorfeld der 68. Meisterfeier der Kammer. Ehlert ist auch Präsident der Landeshandwerksvertretung Handwerk.NRW.

Bundeskanzlerin Merkel habe vor vier Wochen bei ihrem Antrittsbesuch in Washington das deutsche Berufsbildungssystem „nicht ohne Grund" als Angebot zur Strukturhilfe im Gepäck gehabt, wertete Ehlert die außenpolitische Schwerpunktsetzung als Indiz. „Das Bewusstsein in der Bundespolitik um den volkswirtschaftlichen Stellenwert der dualen Berufs- und Meisterausbildung ist gewachsen." Als weiteren wesentlichen Beleg verwies Ehlert auf eine „klare Akzentuierung des Beruflichen Bildungswesens" in der Amtszeit von Bundesbildungsministerin Prof. Johanna Wanka, die das Meisterbafög „bedarfsgerecht angehoben" und für einen nennenswerten Anstieg der Bundesinvestitionen in die Ausstattung der Überbetrieblichen Lehrwerkstätten gesorgt habe. „Um die Infrastruktur des dualen Berufsbildungssystems durchgreifend zu modernisieren, ist jetzt die hauptzuständige Ebene, das Land, gefragt", betonte Ehlert . Der Handwerkspräsident mahnte eine „Exzellenzinitiative zugunsten der Berufskollegs und Bildungszentren der gewerblichen Wirtschaft" an. „Milliarden in die Hochschulen, und Milliönchen in die Berufsbildung, so geht es nicht mehr!"

Die Forderung des Handwerks kommt zeitgleich zu einer – trotz aller Subventionierung - immer merklicheren Überforderung der Universitäten und ihrer Klientel. Handwerkspräsident Ehlert: „Die Generation G 8 erkennt im Hörsaal und dem Überangebot von mehr als 10.000 Studiengängen bis hin zum Bachelor für Angewandte Freizeitwissenschaft nicht mehr das alleinseligmachende Eintrittsbillet zur beruflichen Selbstverwirklichung." Nicht nur die Anmelde-, auch die Abbrecherzahlen an den Hochschulen hätten Höchststände erreicht.

Bei den Schulabgängern, beginne sich statt dessen eine „neue Wertschätzung für den Weg des Meisters" abzuzeichnen. So ist der Anteil der Ausbildungsanfänger mit Abitur oder FH-Reife im Kammerbezirk Düsseldorf, dem zweitgrößten nach München, im Jahr 2015 von 13,7 auf 19,4 % gestiegen. In Großstädten wie Düsseldorf haben mittlerweile mehr als 30 % der neuen Auszubildenden Fachhoch-schulreife oder Abitur. Im vergangenen Jahr nahmen erstmals seit Jahren bundesweit wieder mehr Schulabgänger eine Lehre im Handwerk auf.

Auch die Beratungsangebote der Handwerkskammer haben sich der Marktlage angepasst. „Wir besetzen Lehrstellen passgenau, führen als Kammer ein Matching von Ausbildungsnachfrage und Angebot durch und führen inzwischen bei drei Hochschulen im Bezirk gezielte Auffangberatung für Studienzweifler durch". Das erste knappe Dutzend an Wechslern hat einen Lehrvertrag unterschrieben. „In Zeiten, in denen mehr als 50 Prozent der Schulabgänger Abiturienten sind, wächst eine Generation an Theoretikern heran, die sich ihres Defizits im Praktischen, in der Handfertigkeit immer stärker bewusst wird."

Das hat auch die NRW-Landesregierung erkannt. Deren Praktikumsinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss" zielt darauf ab, allen Schülern entsprechende systematische Erfahrungsmöglichkeiten im Zuge von verpflichtenden Hospitanzen in der Wirtschaft zu verschaffen. Andreas Ehlert: „Ich heiße das nicht nur gut, sondern für zwingend geboten an, damit diese Schüler später eine realistische Berufswahl treffen können."

Besonderen Rückhalt für seine Forderung nach mehr Aufmerksamkeit für die duale Bildung verschaffte dem Wirtschaftssektor jüngst eine Enquete-Kommission des NRW-Landtags zur Zukunft des Handwerks, die 171 Handlungsempfehlungen erarbeitete. Im Mittelpunkt der Agenda stehen eine Vielzahl von Maßnahmen zur Stärkung der Berufsausbildung im Lande.

Ehlert kritisiert in diesem Kontext eine Richtlinie der EU-Kommission „zur Überprüfung der Verhältnismäßigkeit von Berufsreglementierungen". Dieser Vorstoß greife „tief in die alleinige nationale Kompetenz bei der Bildungspolitik ein". Das Gesetz sieht vom Gemeinschaftsrecht nicht gedeckte, uferlose Verhältnismäßigkeitsprüfungen für künftige Anpassungen von Ausbildungs- und Meisterordnungen zum Beispiel an die Digitalisierung der Wirtschaft vor, informierte Ehlert, und dankte Bundesregierung und den Regierungsfraktionen im Bundestag sowie dem Bundesrat, die vor wenigen Wochen ihre Missbilligung der Richtlinie in Form von Subsidiaritätsrügen zum Ausdruck gebracht hätten.

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