Handwerk sieht Sicherheitslage kritisch

Handwerkskammern Dresden und Cottbus fordern Politik zum Handeln auf

(PresseBox) ( Dresden, )
Die Sicherheitslage in den Grenzregionen zu Polen und Tschechien bleibt aus Sicht des Handwerks weiter kritisch. Mehr als ein Viertel der ostsächsischen und südbrandenburgischen Unternehmen haben - im Vergleich zum Vorjahr - mit einer schlechteren Sicherheitslage und zunehmender Kriminalität zu kämpfen. Das ergab eine gemeinsame Umfrage der Handwerkskammern Dresden und Cottbus unter ihren Betrieben. Davon besonders betroffen sind Unternehmen aus dem Bau- und Kraftfahrzeuggewerbe sowie dem gewerblichen Bedarf und dem Gesundheitsgewerbe.

41 Prozent der Firmen aus dem Cottbuser sowie 31 Prozent aus dem Dresdner Kammerbezirk schätzen die Sicherheitslage vor Ort schlechter als im Vorjahr ein. Dabei sind vornehmlich Unternehmen im grenznahen Raum - wie aus den Landkreisen Görlitz (60 Prozent), Spree-Neiße (32 Prozent) und aus der Stadt Cottbus (46 Prozent) - mit der Situation unzufrieden.

Für die befragten Betriebe sind Diebstahldelikte ein besonders gravierendes Sicherheitsproblem. Hiervon betroffen sind am häufigsten Kraft- und Baufahrzeuge,
-geräte, Buntmetalle und Baumaterialien, die im Fokus der Kriminellen stehen. Der wirtschaftliche Schaden, der hierdurch entsteht, ist immens: Im Kammerbezirk Dresden ergab sich eine Gesamtschadenssumme der an der Umfrage Beteiligten von 1,35 Millionen Euro, im Bereich der Handwerkskammer Cottbus waren es sogar 1,43 Millionen Euro. Mehr als jeder dritte Befragte im Kammerbezirk Dresden war in den letzten zwölf Monaten (36,3 Prozent) von Kriminalität betroffen.

Verbessert hat sich nach Meinung der Befragten im Cottbuser Kammerbezirk die Polizeipräsenz in den Landkreisen. Eine Ausnahme ist der Kreis Dahme- Spreewald, in dem 50 Prozent der Befragten die Lage kritischer als im Vorjahr betrachten. Im Kammerbezirk Dresden hat sich diese Situation hingegen kaum verändert - bis auf den Landkreis Görlitz, in dem 61 Prozent der Unternehmer eine zu geringe polizeiliche Präsenz beklagen. Mehr als die Hälfte der Unternehmer beider Kammerbezirke haben bereits erste Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Hierzu zählen die Anschaffung einer Alarmanlage, Videoüberwachung oder Sicherheitstüren beziehungsweise -glas.

Um die Sicherheitslage in den Grenzregionen zu stärken, wenden sich die beiden Handwerkskammern gezielt an die politischen Entscheidungsträger beider Bundesländer. Im Mittelpunkt stehen vier Kernforderungen der Kammerverantwortlichen:

1. Grenzüberschreitende Bekämpfung der Grenzkriminalität durch eine neue Qualität der Zusammenarbeit von deutscher, polnischer und tschechischer Polizei.

2. Unterstützung der Bundespolizei bei der Bewältigung der Lage unter anderem durch Prioritätsverlagerung in Teilen zurück zur Grenze, kein Abzug von Beamten zu Sondereinsätzen an Bahnhöfen und Flughäfen.

3. Setzung eines klaren Schwerpunktes an die Grenze, Stärkung der operativen Kapazitäten in der Grenzregion, Erhöhung von Kontroll- und Verfolgungsdruck, Erhöhung der Wahrnehmung der Polizeipräsenz.

4. Verbesserung der technischen und personellen Ausstattung der Polizei zur Erhöhung der Aufklärungsquoten, einer schnelleren Strafverfolgung und sichtbarer Abschreckung potenzieller Straftäter.

Statements:

Dr. Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden: "Wir erkennen die Bemühungen der Polizei durchaus an und wollen keine pauschalen Schuldzuweisungen. Aber wenn jeder Dritte Betrieb innerhalb eines Jahres von Kriminalität betroffen war und sich die gefühlte Sicherheitslage offenbar weiter verschlechtert, muss etwas geschehen. Im Interesse unserer Betriebe drängen wir auf konkrete Schritte, um die Sicherheit insbesondere in der Grenzregion zu erhöhen. Die Polizeipräsenz darf hier nicht noch weiter abgebaut werden."

"Die Wege zur Grenze sind in Brandenburg kurz, die Reaktionszeit knapp. Das stellt die Polizei vor erhebliche Probleme. Neben den steigenden Fallzahlen geht die Aufklärungsquote kontinuierlich zurück. Wir fordern ein verstärktes Eingreifen der verantwortlichen Behörden, um den wirtschaftlichen Schaden im Handwerk zu minimieren. Die Zielvorgaben sind dabei eindeutig: Deutlich weniger Delikte bei deutlich höheren Aufklärungsquoten", sagt Peter Dreißig, Präsident der Handwerkskammer Cottbus.
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