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Pressemitteilung BoxID: 146564 (Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut gemeinnützige GmbH (HWWI))
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Klimawandel und Wirtschaft

Der Klimawandel betrifft alle Regionen weltweit und hat immense Rückwirkungen auf das Wirtschaftsgeschehen

(PresseBox) (Hamburg, ) .
- Klimatische Veränderungen bergen nicht nur Risiken für die Wirtschaft und Bevölkerung in sich
- Der Klimawandel eröffnet vielmehr zahlreichen Wirtschaftsbereichen erhebliche Innovations- und Wachstumspotentiale
- Das HWWI und die Berenberg Bank analysierten dies gemeinsam in einer Studie

Die sozioökonomischen Folgen, die sich aus dem natürlichen und anthropogenen Klimawandel ergeben, differieren interregional erheblich. Dies gilt sowohl für Regionen in unterschiedlichen Teilen der Erde als auch für Regionen innerhalb von Ländern. So ergeben zum Beispiel Simulationsmodelle für die deutschen Küstenregionen bis zum Ende des 21. Jahrhunderts einen relativ geringen Temperaturanstieg. Allerdings ist das Schadensrisiko für das Mensch-Umwelt-System (Vulnerabilität) in den Küstengebieten aufgrund eventuell auftretender starker Sturmfluten hoch. Deutschland- sowie weltweit ist das Schadenspotential von großen Sturmflutereignissen als sehr groß einzuschätzen, weil zahlreiche "Megacities" wie Tokyo, New York oder Shanghai in Küstenregionen liegen. Das Schadensausmaß einer Naturkatastrophe hängt im Wesentlichen von der Anzahl der betroffenen Menschen, dem regionalen Bruttoinlandsprodukt, dem vorhandenen Kapitalstock und der Infrastruktur ab. Während zahlreiche Regionen von Überflutungen bedroht sind, nimmt die Wasserverfügbarkeit in anderen Regionen – auch in Ostdeutschland – ab. In den zuletzt genannten Regionen erhöht sich die Gefahr von Dürren und Trockenheit. Wiederum anders werden die Alpenregionen vom Klimawandel betroffen sein. Dort könnte sich bei einem Temperaturanstieg von bis zu 2 °C bis zum Jahre 2050 die Schneegrenze um mehr als 1500 Höhenmeter verschieben.

Handlungsmöglichkeiten der Wirtschaft, des öffentlichen Sektors und der privaten Haushalte zur Reduktion der zu erwartenden negativen Effekte des Klimawandels lassen sich unterteilen in die Bereiche "Anpassung an den Klimawandel" sowie "Vermeidung von Treibhausgasemissionen". Unter den Politiken und Maßnahmen zur Reduktion der Treibhausgase sind der Emissionshandel und konkrete messbare Verpflichtungen von zunehmender Bedeutung. So haben sich zum Beispiel am Rande der Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Bali im Dezember 2007 die 40 größten Städte der Welt dazu verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahre 2050 gegenüber 1990 um 60 bis 80% zu senken. Aufgrund der Trägheit des Klimasystems werden allerdings die Anpassungen an die Auswirkungen des Klimawandels in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Denn selbst wenn es gelänge, auf Basis eines globalen Konsenses die Treibhausgasemissionen kurzfristig massiv zu senken, würde der Klimawandel weiter voranschreiten. Maßnahmen zur Reduktion der Schäden durch Naturereignisse, wie zum Beispiel Hochwasser, könnten auf eine Rücknahme von Oberflächenversiegelungen, Flussbegradigungen und Besiedlungen in Überflutungsflächen abzielen. Ein anderes Beispiel sind die Klimafonds, durch welche die Entwicklungsländer – in denen die Folgen der Erderwärmung am stärksten auftreten werden – ab 2008 bei Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel finanziell unterstützt werden sollen.

Rund 80% der großen, global agierenden Unternehmen bezeichnen den Klimawandel als wirtschaftliches Risiko aufgrund möglicher Produktionsunterbrechungen, steigender Produktionskosten oder drohender Wettbewerbs- und Imageprobleme. Hingegen sehen 82% der selbigen Unternehmen im Klimawandel auch ökonomische Chancen, die sich vor allem aus dem hohen Investitionsbedarf im Zusammenhang mit der Anpassung an den Klimawandel und der Vermeidung von Emissionen ergeben. In einzelnen Wirtschaftsbereichen– wie Energieerzeugung, Bauwirtschaft, Automobilbau, Transportwesen, Versicherungen sowie Land- und Forstwirtschaft – wird sich der Klimawandel unterschiedlich auf die Produktionsund Absatzkosten auswirken. Positive Effekte werden insbesondere im Zusammenhang mit der Erforschung neuer Technologien und ihrer praktischen Umsetzung auftreten, was erhebliche Wachstumspotenziale für die in diesem Bereich innovativen Unternehmen sowie für die Gesamtwirtschaft eröffnet. Das Aufgreifen neuer Basisinnovationen aus dem Energiesektor sowie deren Diffusion könnte Wachstumsschübe im großen Stile auslösen. Die Anreize für umwelt- und ressourcenschonende Innovationen – und damit verbundene Investitionen in Forschung und Entwicklung – sind vielfältig. Sie können aus dem Wunsch des Konsumenten resultieren, sich "umweltfreundlicher" zu verhalten und dafür eine Zahlungsbereitschaft zu signalisieren. Innovationen entspringen aber auch dem Gewinnmaximierungskalkül von Unternehmen, wenn neue Technologien beispielsweise zur Senkung der Vermeidungskosten von Emissionen und damit zur Senkung der Produktionskosten beitragen. Darüber hinaus setzen mit dem Klimawandel verknüpfte Gesetze und Auflagen, zum Beispiel in der Energiepolitik, Anreize für Innovationen.

Eines der zentralen Ziele der Energiepolitik ist die Reduktion der CO2-Emissionen. Der Hauptanteil der verschiedenen CO2-Quellen an den Gesamtemissionen lag im Jahr 2005 in Deutschland vor allem im Bereich Energiewirtschaft (45,5%), Verkehr (20,6%), Verbrauch der privaten Haushalten (14,2%) und im Verarbeitenden Gewerben (12,9% ). Der Primärenergieverbrauch für die Energieversorgung hat sich in Deutschland im Jahr 2006 um rund 1,2% gegenüber dem Vorjahr erhöht. Einem wachstumsinduzierten Mehrverbrauch kann durch die Reduktion der "Energieintensität" (Relation von Primärenergieverbrauch und BIP) durch den vermehrten Einsatz energiesparender Produktionsmethoden und -techniken entgegen gewirkt werden. So verbesserte sich die Energieausbeute der deutschen Industrien zwischen 1995 und 2005 um ca. 12,5%. Zum Rückgang des Primärenergiebedarfs können auch die privaten Haushalte im hohen Umfang beitragen, denn etwa 30% der in Deutschland erzeugten Endenergie wurde 2002 in privaten Haushalten verbraucht.

Durch die Reduktionsziele für Emissionen, insbesondere von CO2, gewinnen alternative Energieträger und regenerative Energien an Bedeutung. Deshalb wird die Zahl der Arbeitsplätze im Bereich der Energieproduktion mit regenerativen Ressourcen zukünftig zunehmen. Nach einer HWWIPrognose könnte der Anteil alternativer Energien am Energiemix bis zum Jahre 2030 auf 20% steigen. Die konventionellen Formen der Energieerzeugung werden jedoch in den kommenden Jahrzehnten weiterhin dominieren, weil ein radikaler Umstieg – etwa in Form eines Übergangs zur Wasserstoffwirtschaft – in der Energieerzeugung kurzfristig aufgrund technologischer Restriktionen nicht möglich ist. Auf Betreibern konventioneller Kraftwerke lastet der Druck, Emissionsvolumina zu reduzieren und Wirkungsgrade zu erhöhen. Wenn die allgemeinen Trends in der Energiewirtschaft zu einem höheren dezentralen Angebot von Energie führen, kann dies kleineren Anbietern erneuerbarer Energien zugute kommen. Das Wachstumspotenzial für die Beschäftigung im Bereich Windenergie, Photovoltaik und Biomasse in Deutschland bis zum Jahr 2020 schätzt das HWWI auf rund 150%.
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