Die Unsicherheit kommt und geht

(PresseBox) ( Rodenbach, )
Die Hoffnung auf einen wirksamen COVID-Impfstoff hat in dieser Woche große Teile der weltweiten Börsen beflügelt. So steht die Überzeugung im Vordergrund, dass es eine Welt nach den Corona-Lockdowns gibt, in der sich die globale Wirtschaft neu entfalten kann. Doch wird sich dies langfristig auf die Börsen auswirken? Torsten Reidel, Geschäftsführer bei Grüner Fisher Investments, gibt eine Einschätzung.

Nachholpotenzial der Value-Werte?

„Vor allem die gebeutelten Value-Titel haben in diesem Zusammenhang aufhorchen lassen und zu einer dynamischen Erholungsbewegung angesetzt“, sagt Reidel. Viele Investoren fragten sich laut Reidel, ob dies der Beginn einer groß angelegten Trendwende sei, in der die Value-Kategorie endlich wieder dominieren könne. Aus seiner Sicht fehlen dazu allerdings die typischen Eigenschaften, die in einer frühen Bullenmarktphase zu einer Value-Outperformance führen können. „Die Zins-Spreads verharren auf einem niedrigen Niveau, die Inflation und die zugehörigen Erwartungen signalisieren keinen Umbruch, zudem ist das Wirtschaftswachstum zwar auf einem Erholungspfad, eine hochgradig expansive Dynamik ist jedoch nicht vorherrschend“, so Reidel. In erster Linie sei die positive Volatilität somit als Erholungsbewegung zu werten, mit prägnantem Nachholpotenzial in der Value-Kategorie.

US-Wahl klärt sich auf

Schwindende Unsicherheit sei ebenso im Zusammenhang mit den US-Wahlen zu beobachten, wenn auch nur in gewissem Sinne. Joe Biden bereite sich auf seine Amtsübernahme vor, auch wenn Donald Trump noch nicht den Eindruck erwecke, dass er seine Wahlniederlage in irgendeiner Form akzeptieren werde. „Das wichtige Signal für die Märkte besteht jedoch darin, dass die politische Pattsituation in den USA nahezu unverändert bleibt und sich die Wirtschaft auf geringes legislatives Risiko einstellen kann“, sagt Reidel. Bis zur endgültigen politischen Klarheit sei es allerdings noch ein langer Weg, welcher jedoch irgendwann sein Ende finden werde. Am 14. Dezember wird das Wahlmännergremium tagen, am 6. Januar wird der Kongress den Wahlsieger verkünden und am 20. Januar 2021 werden der gewählte US-Präsident und sein Vizepräsident vereidigt. „Auf Anleger wartet also eine wilde politische Diskussion mit einem festgelegten Ablaufdatum“, erläutert Reidel. „Entscheidend ist, dass die Märkte diese Klarheit aber längst vor ihrem tatsächlichen Eintreffen bewertet haben.“

Was bringt die Zukunft?

Natürlich werde die Welt im November 2020 nicht frei von unkalkulierbaren Einflussfaktoren sein. Viele Investoren, stellten sich auch die Frage, was eine Biden-Regierung für kommende Konjunkturpakete bedeute. Ohne die finale Zusammensetzung des Senats zu kennen, sei es allerdings reine Spekulation, welche Entscheidungen durch das US-System der Checks und Balances getragen werden und welche nicht. Und trotz aller kontroverser Diskussionen sei es eine Tatsache, dass jede Form von Stimulus großen Teilen der Gesellschaft wirklich helfen würde. „Der alles überragende Impuls wird ohnehin darin bestehen, dass sich die Gesellschaft an das Virus anpasst und das normale Leben wieder aufgenommen werden kann“, prognostiziert Reidel „Die Impfstoffnachrichten in dieser Woche haben uns diesem Szenario zumindest einen Schritt nähergebracht. Sobald die Unternehmen mehrheitlich zu ihrer normalen Geschäftstätigkeit zurückkehren können, springt die Weltwirtschaft wieder an – dazu braucht es keine Schützenhilfe vom US-Kongress.“

Fazit

Märkte blickten generell drei bis 30 Monate in die Zukunft. In diesen Zeitraum würde das Prinzip der schwindenden Unsicherheit fallen: Eine bessere Welt mit oder ohne COVID-19, politischer Stillstand und hohe Chancen auf globales Wachstum. „Investoren sollten sich ebenfalls auf diesen Zeitraum fokussieren und sich nicht von den üblichen kurzfristigen Hürden beirren lassen“, schließt Reidel.

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