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Pressemitteilung BoxID: 83624 (Bundesverband Geothermie e.V.)
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Mehr Energie von unten - 9. Geothermische Fachtagung Karlsruhe

(PresseBox) (Geeste, ) Knapp 500 Teilnehmer trafen sich vom 15.-17.11.06 im Karlsruher Kongresszentrum zur 9.Geothermischen Fachtagung. Hinter dem Motto der Veranstaltung, "Mehr Energie von unten" steht der Anspruch der Erdwärmebranche, künftig einen weitaus deutlicheren Teil zur Versorgung mit sauberer Energie beitragen zu wollen. "Es ist sehr erfreulich, welch großer Nachfrage sich unsere Unternehmen gegen übersehen," formulierte Simone Probst, die in Karlsruhe neu gewählte, künftige Präsidentin des Bundesverbandes Geothermie (GtV-BV). "Überall wird nach Auswegen aus der Falle gesucht, in die wir auch durch die stark gestiegenen Kosten für fossile Energieträger geraten sind. Die Geothermie bietet hier eine verlässliche, preisstabile Alternative," betonte die Physikerin Probst, ehemalige Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, die am 1. Januar ihr neues geothermisches Ehrenamt antritt. "Unsere Erde ist nun einmal eine unerschöpfliche Energiequelle."

Deutlich wurde in Karlsruhe, dass inzwischen in allen Bereichen qualifiziertes Personal gesucht wird, um die wachsenden Aufgaben bewältigen zu können. Die wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen hat sich erheblich verbessert. In immer mehr Neubauten finden sich Erdwärmeanlagen für Heizung und Warmwasser. Die Systeme sind zuverlässig, komfortabel und können auch ohne staatliche Fördermaßnahmen mit den konventionellen Konkurrenten Gas oder Öl mithalten. 2006 verzeichnete man erneut einen enormen Zuwachs bei neu installierten Anlagen von knapp 12.000 im Vorjahr auf nunmehr rund 24.000. Auch für das kommende Jahr zeichnen sich vergleichbare Wachstumsraten ab. Der Sanierungsbereich verlangt allerdings erhöhte Anforderungen an die Umstellung eines alten Gebäudes auf das neue System. Effiziente Erdwärmeanlagen sind nur bis zu einer Vorlauftemperatur bis 45 °C zu haben. Dazu passende Heizkörper sind in vielen bestehenden Gebäuden nicht vorhanden, fällige Umrüstungen dann mit Investitionen verbunden, die u. U. nicht so ohne weiteres getragen werden können. "Für diesen Bereich erhoffen wir uns künftig Unterstützung aus dem Marktanreizprogramm des Bundes," erklärte Ralf Schramedei, Leiter der Sektion Oberflächennahe Geothermie des GtV-BV.

"Wir können uns vor Anfragen kaum noch retten," fasste der Vertreter eines Planungsbüros die Situation zusammen, in sich er und vielen seiner Kollegen befinden. Sein Unternehmen entwickelt Konzepte für die Nutzung von Wärme aus warmem bis heißem Tiefenwasser. Das Interesse aus dem öffentlichen und privaten Sektor nach verlässlichen Alternativen zur herkömmlichen Versorgung hat auch für solche Systeme dramatisch zugenommen, die Thermalwasserschichten in einem oder mehreren Kilometern Tiefe anzapfen. Inzwischen wird gutes Geld mit der Projektentwicklung verdient.

Kopfzerbrechen bereitet der Mangel an Tiefbohrgeräten. Der weltweite Markt ist praktisch leer gefegt. Die Geräte befinden sich im Einsatz bei der Erschließung der letzten Erdöl- und Erdgaslagerstätten. Hohe Bohrkosten werden auf die Endkunden abgewälzt. Bei der Geothermie führt diese Situation zu steigenden Preisen in einem Kernbereich der Projekte. Besonders hinderlich ist die Situation in den Fällen, in denen entsprechende hohe Temperaturen in großen Tiefen erreicht werden müssen, die sich für die Stromproduktion eignen. "Einige Vorhaben, die sich auf Grund der Einspeisevergütungen aus dem EEG vor ein oder zwei Jahren noch gerechnet hätten, geraten jetzt in Probleme oder müssen zurückgestellt werden," bedauerte Horst Kreuter, Sektionsleiter Tiefe Geothermie. Rund 160 Erlaubnisfelder wurden in Südbayern und entlang des Oberrheins inzwischen vergeben. Würden auf allen geothermische Kraftwerke entstehen, löste das Investitionen von mehreren Milliarden Euro aus.

Eine der Schwerpunktregionen der Entwicklung ist der Oberrheingraben. Kreuter konnte während der Fachtagung die Bildung eines "Regionalforums Oberrhein" des Bundesverbandes bekanntgeben, in dem sich die Akteure aus den Bundesländern Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen zusammenfinden sollen, um ihre Anliegen gemeinsam vorantreiben zu können.

Klar wurde während in Karlsruhe aber auch, dass es bei der Erschließung von Lagerstätten noch wichtige Aufgaben zu lösen gibt. Vor allem muss die Prognosesicherheit vor Beginn der Bohrungen konsequent weiter erhöht werden. Im Untergrund gilt es die Methoden zu verbessern, die einen dauerhaften Betrieb einer Anlage gewährleisten können. "Langfristig müssen wir darauf hinarbeiten, dass uns ein Methodenkatalog zur Verfügung steht, der jedes Projekt zu einem Erfolg macht," betonte Kreuter.

Am letzten Tag erhielt der Kongress Besuch aus Berlin. Die zukünftige GtV-BV-Präsidentin konnte die Parlamentarische Staatsekretärin im Bundesumweltministerium Astrid Klug in Karlsruhe begrüßen. In der Abschlussveranstaltung stellte Frau Klug klar, dass ihr Haus auch weiterhin die Entwicklung der Geothermie unterstützen werde. Der Anteil der Geothermie-Forschung am Gesamtbudget für Erneuerbare Energien habe 2005 bei 20% und damit bei 18 Mio. Euro gelegen. Die deutschen Wissenschaftler hätten sich mittlerweile einen international beachteten Spitzenplatz erarbeitet. Zur Absicherung der geologischen Risiken von geothermischen Projekten erarbeite man derzeit in Kooperation mit anderen Bundesministerien, der KfW-Bank und der Versicherungswirtschaft die Details für die Errichtung eines Projektfonds.

Vor der Abschlussveranstaltung besuchte Frau Klug in Begleitung des Karlsruher SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Jung, die Ausstellung GEOEnergia2006, die mit ihren mehr als 40 beteiligten Unternehmen parallel zur Tagung einen Überblick über die technische Entwicklung und das Leistungsangebot der Branche präsentiert hatte.

Die Versammlung verabschiedete Prof. Horst Rüter, der in diesem Jahr die Geschicke der GtV-BV in einer schwierigen Übergangs- und Umstrukturierungsphase zum Bundesverband geleitet hatte und sein Amt am Ende des Jahres an die neue Präsidentin weiterreicht.

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