Tarzan, Tatort, Perry Rhodan - Göttinger Wissenschaftler erforschen Serien

Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert interdisziplinäre Forschergruppe mit 1,85 Millionen Euro

(PresseBox) ( Göttingen, )
In der Forschergruppe mit dem Titel "Ästhetik und Praxis populärer Serialität" untersuchen 15 Wissenschaftler und Nachwuchswissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen einen Erzähltypus, der seit dem 19. Jahrhundert zu einem auffälligen Kulturmerkmal geworden ist: Fortsetzungsgeschichten mit festen Figuren, die mit kommerzieller Absicht für ein Massenpublikum hergestellt wurden - etwa Fernsehserien, Heftromane oder Comics. Initiator und Sprecher der Forschergruppe ist der Amerikanist Prof. Dr. Frank Kelleter von der Universität Göttingen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt das Projekt zunächst drei Jahre lang mit insgesamt 1,85 Millionen Euro. Unter den neun jetzt neu bewilligten Forschergruppen ist die Göttinger Gruppe als einzige in den Geisteswissenschaften angesiedelt. Die Universität Göttingen war außerdem als einzige niedersächsische Hochschule mit einem solchen Verbundprojekt erfolgreich.

Die Wissenschaftler der Forschergruppe wollen untersuchen, wie sich die starke Verbreitung und Popularität von Serien seit dem 19. Jahrhundert erklären lässt und welche neuen Erzählformate durch die Serialisierung geschaffen wurden. Offene Fragen gibt es dabei noch viele: Wie beeinflussen Serien unsere Wahrnehmung sozialer Realität? Wie strukturieren Serienerzählungen unser Alltagsleben? Welche Wandlungen durchlaufen Serienhelden wie Tarzan oder Superman, wenn sie in andere Medien wie den Rundfunk oder das Kino übertragen werden? Wie kommt es, dass bei lang laufenden Serien wie beispielsweise Batman oder Spiderman die Übergänge zwischen Produzenten und Konsumenten, zwischen Autoren und Lesern immer fließender werden? Welche Bedeutung haben zunehmend komplexe Fernsehserien wie The Sopranos oder The Wire für die gegenwärtige Kultur in den USA? Wie integrieren deutsche Zuschauer Angebote wie den Tatort in ihren Alltag - und welche Erzählverfahren hat die föderale Krimireihe seit ihrer Entstehung vor 40 Jahren entwickelt? Wie geht die Deutsche Nationalbibliothek mit schwer archivierbaren Serien wie Perry Rhodan um - und wie sammeln Fans Serienhefte?

Die Beantwortung dieser Fragen soll Aufschluss geben über die Rolle der seriellen Populärkultur in der Entwicklung moderner Medien und moderner Erzählformate insgesamt. Ziel der Forschergruppe ist es, den Zusammenhang von Populärkultur und seriellem Erzählen zu beleuchten und die Analyse ästhetischer Merkmale von Serien mit der Untersuchung der jeweiligen Nutzungsform der Leser oder Zuschauer zu verbinden. Neben der Universität Göttingen sind die Leibniz Universität Hannover, die Eberhard Karls Universität Tübingen und die Universität Karlsruhe beteiligt. Das Projekt ist interdisziplinär ausgerichtet, die forschenden Wissenschaftler stammen aus den Fächern Amerikanistik, Germanistik, Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie, empirische Kulturwissenschaft und den Medienwissenschaften.
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